Die Verlagsgruppe Weltbild hat am Freitag vergangener Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Die katholischen Bischöfe als Eigentümer des Unternehmens verweigern die notwendigen Finanzmittel.

Der katholischen Kirche in Deutschland droht mit der Pleite ihrer Verlagsgruppe Weltbild ein weiterer Imageschaden. Jahrelang schauten die bischöflichen Gesellschafter zu, wie das Unternehmen im Sog der Digitalisierung der Buchbranche immer tiefer in den Abgrund rutschte, nun verweigerten sie dem Unternehmen mit rund 6.800 Mitarbeitern eine dringend benötigte Finanzspritze.

Die Konsequenz: Am vergangenen Freitag beantragte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Augsburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Verlagsgruppe Weltbild GmbH. "Ein wesentlicher Auslöser hierfür war der Umsatzrückgang des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2013/14 (Juli-Dezember), obwohl der Dezember über Planniveau lag, teilt das Unternehmen in einer Presseerklärung mit. "Das auch für die nächsten drei Jahre erwartete geringere Umsatzniveau verdoppelt den Finanzierungsbedarf bis zur Sanierung", so die Mitteilung.

Geschäftsführung zeigt sich von Entscheidung der Bischöfe überrascht

Die Geschäftsführung um Carel Halff und Josef Schultheis gibt den Gesellschaftern die Schuld für den Gang zum Insolvenzrichter: "Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung heraus gestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird. Aus diesem Grunde und dem damit verbundenen Wegfall der Fortführungsprognose war zum Bedauern der Geschäftsführung eine unverzügliche Antragstellung unausweichlich."

Laut Berichten sollten die Bischöfe statt der bereits vereinbarten 65 Millionen Euro 135 Millionen Euro nachschießen, hierzu waren die Gesellschafter, die am vergangenen Donnerstag zusammengekommen waren, jedoch mangels Perspektiven für die Verlagsgruppe nicht bereit.

Zerstrittene Gesellschafter behindern Sanierung

Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung sieht ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Verantwortung für die Miesere von Weltbild in der Zerstrittenheit der konservativen und progressiven Flügel der katholischen Kirche. Darüber hinaus habe die Geschäftsführung die Entwicklung des Marktes verpasst.

Auch der für Weltbild zuständige Verdi Sekretär Thomas Gürlebeck sieht die katholischen Eigentümer in der Pflicht: "Es ist unfassbar, dass nach dem positiven Votum des Aufsichtsrats und der Banken jetzt die geistlichen Führer der Kirche ihre Beschäftigten zum Teufel jagen. Die Eigentümer sind in der Pflicht, die Existenzen der Kollegen und ihrer Familien nachhaltig zu sichern. Der einzige und beste Weg dafür ist die Fortführung des Betriebs", so Gürlebeck.

Der Geschäftsbetrieb der Verlagsgruppe Weltbild mit rund 420 Buchhandlungen (Weltbild, Jokers, Wohltat) in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie den Onlineshops Weltbild.de, Jokers.de, Kidoh.de, bücher.de soll in Abstimmung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz fortgeführt werden. Geiwitz hatte im vergangenen Jahr die Schlecker-Insolvenz betreut.