Adrian Hotz glaubt fest an die Zukunft von Bitcoin
Adrian Hotz glaubt fest an die Zukunft von Bitcoin
Nach der spektakulären Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox, der Schließung des verrufenen Portals Silk Road und wechselhafter Kurzsentwicklung schien die Geschichte der digitalen Währung Bitcoin zu Ende erzählt. Der E-Commerce-Berater Adrian Hotz ist da ganz anderer Meinung. Das mag wenig überraschen, ist er doch Mitveranstalter des World Bitcoin Forum. Aber er hat ganz unspekulative Argumente auf seiner Seite.

 

Herr Hotz, woher kommt Ihr geradezu euphorisches Interesse an der digitalen Währung Bitcoins?

Adrian Hotz: Vor eineinhalb Jahren hat mir ein guter Freund davon erzählt und ich habe ihn für komplett bescheuert erklärt. Ich habe drei Monate gebraucht, um das Thema zu verstehen und ihn für voll zu nehmen. Inzwischen glaube ich, dass wir vor einer der größten Revolutionen stehen, seit das Internet erfunden wurde.

 

Können Sie uns in einfachen Worten erklären, wie Bitcoins funktionieren?

Adrian Hotz: Ich kann es erklären, habe aber die Erfahrung gemacht, dass die technische Diskussion so viele Fragen aufwirft, dass dadurch die viel wichtigere Fragestellung nach den Chancen und Möglichkeiten in den Hintergrund gedrängt wird. Vielleicht nur so viel: Bitcoin ist ein dezentrales Netzwerk, welches den Transfer und das Überprüfen von Eigentum ohne eine dritte Partei ermöglicht. Alle Transaktionen sind nachvollziehbar und transparent gespeichert. Und weil das Ganze digital geschieht, gibt es fast keine Transaktionskosten.

 

Was braucht man, um Bitcoins zu empfangen oder zu senden?

Adrian Hotz: Sie können z.B.  eine App für Ihr Smartphone nutzen IPhone-User haben hier derzeit ein Problem: Alle Bitcoin-Apps sind aus dem App-Store verschwunden. Aber man kann sein Konto auch mit dem Webbrowser online führen und verwalten. Übrigens gibt es auch die Möglichkeit Paperwallets zu nutzen, also Papier mit einem Wert, welches ich weitergeben kann  wie Bargeld.

 

Klingt nicht gerade spektakulär. 

Adrian Hotz: Das ändert sich, wenn Sie die ersten Transaktionen durchgeführt haben. Ich hätte nicht geglaubt, dass Geldtransfer stattfinden kann, ohne dass eine dritte Instanz die Aufsicht führt. Aber es geht. Blitzschnell, ohne Transaktionskosten, weltweit. Es ist nicht nur der Aspekt der Währung, die das Thema spannend macht. Es ist vor allem auch das Netzwerk, das entsteht.

Bei "Burger & Curry" in Köln kann mit Bitcoins das Mittagessen bezahlt werden
Bei "Burger & Curry" in Köln kann mit Bitcoins das Mittagessen bezahlt werden

In den Medien geht es in erster Linie um Schwarzgeld und um extreme Kursschwankungen, wenn von Bitcoin die Rede ist.

Hotz: Das stimmt und es ist fatal. Natürlich gibt es starke Schwankungen, doch das gehört zur Frühphase eines solchen Systems. Bei der Pleite von Mt. Gox in Japan haben viele Menschen viel Geld verloren, aber das ist gleichzeitig ein reinigender Prozess. Es sind sehr viele Amateure am Werk, ähnlich wie in den Anfängen des Internet. Ich selbst habe mich gleich mehrfach von solchen Situationen in die Irre führen lassen. 2006 habe ich einen großen Artikel darüber geschrieben, dass Schuhe niemals im eCommerce funktionieren, weil man die ja anprobieren muss. Offensichtlich haben die Jungs von Zalando den Artikel nicht gelesen.

 

Und was ist mit Silk Road?

Hotz: Ja, man konnte dort mit Bitcoin Waffen und Drogen kaufen. Aber die Währung ist daran nicht Schuld. Der Dollar ist vermutlich die weitaus wichtigere Währung, wenn es um illegale Drogen- oder Waffengeschäfte geht.

Aber es steckt natürlich ein wahrer Kern in der Diskussion. Bitcoin bedarf einer Regulierung. Da waren wir in Deutschland übrigens sehr schnell. Gewinne, die ich aus Kurschwankungen erziele und weniger als ein Jahr halte, sind zu versteuern wie alle anderen Kapitalerträge.

 

Was kann man mit Bitcoin heute schon machen?

Hotz: In Berlin auf dem Gräfe-Kiez kann man in sehr vielen Geschäften bereits mit Bitcoin bezahlen. Man sieht das an einem Aufkleber an der Tür „Bitcoin accepted“. Wenn man das als mobile Bezahlmethode mit NFC versteht, geht das sogar schneller und günstiger als andere mobile Payment Verfahren wie zum Beispiel Yapital. Und es ist transaktionskostenfrei. Die meisten mobilen Bezahlverfahren setzen auf bestehende Transaktionssysteme wie Lastschrift oder Kreditkarte auf. Bitcoin dagegen braucht einen Schritt weniger. Für Händler die die Kursschwankungen scheuen, gibt es Dienstleister wie z.B.  Bitpay, die schlüsselfertige Lösungen anbieten, die jeder Shopbetreiber integrieren kann.

Besonders extrem fällt das Thema Transaktionskosten bei Geldtransfers ins Gewicht. In Afrika nutzen sehr viele Menschen Mobile Payment, weil es gar keine stationäre Infrastruktur des Internet gibt. Wenn Angehörige über z. B. Western Union Geld transferieren wollen, kostet das schnell bis zu 15 Prozent. Und das für eine digitale Verschiebung von ein paar Daten von einem zu einem anderen Konto.

Apropos Konto: Bitcoin ermöglicht auch die Teilnahme am digitalen Zahlungsverkehr für Nutzer, die gar kein Konto bei einer Bank haben.

 

Wie muss sich der Onlinehändler gegen Risiken wie Kursschwankungen oder Diebstahl absichern?

Hotz: Das Risiko bei Kursschwankungen wird zum Beispiel von BitPay ausgeglichen. Das System arbeitet mit dem Echtzeitkurs und garantiert den in der Transaktion festgeschriebenen Betrag. Dafür wird eine minimale Transaktionsgebühr erhoben.

Wenn man Bitcoins selber hält, ist das Risiko des Diebstahls vorhanden und sollte nicht unterschätzt werden. Sichere Passwörter, Backups  und das Know How über die sichere Aufbewahrung von Bitcoins gehören dann zu den Basis-Anforderungen.

Sie bleiben dabei, dass Bitcoin Zukunft hat?

Hotz: Auf jeden Fall. Am 1. und 2. September veranstalten wir in Bonn das World Bitcoin Forum (www.world-bitcoin-forum.com). Das Thema ist so spannend, dass man damit eine ganze Konferenz füllen kann.