Bonprix (Otto Group) gehört in Deutschland zu den zehn umsatzstärksten Online-Shops. Im ersten Halbjahr (27 Länder) reichte es für ein Umsatzplus von 12 Prozent. In Deutschland für ein Plus von 4 Prozent. Der Mobile-Anteil am E-Commerce-Traffic liegt hierzulande bei 40 Prozent. Das soll noch deutlich mehr werden. Wo Bonprix dabei die Schwerpunkte sieht, um den mobilen Kunden noch besser zu erreichen, sagte Michael Klar, Teamleiter E-Commerce, Controlling und Geschäftsentwicklung Neue Medien beim Hamburger Mode-Discounter, im Interview mit etailment.
Michael Klar, bonprix
Michael Klar, bonprix

 

Mobile Commerce wächst rasant. Nicht nur mit Blick auf den Traffic, sondern auch mit Blick auf den Einkauf. Vielfach aber heißt es noch: mobil informieren, am Desktop kaufen. Warum verhält sich der Kunde noch so hybrid?

Michael Klar: Das Kundenverhalten ändert sich kontinuierlich und vor allem nachhaltig. Die Menschen haben sich komplett daran gewöhnt, ihr Smartphone als alltäglichen Problemlöser in der Hosen- oder Handtasche immer dabei zu haben. Die schnelle Informationssuche und auch das Stöbern im Onlineshop gehören schon fast zur Routine. Zusätzlich wächst langsam auch die Bereitschaft, Bestellungen über das Smartphone zu tätigen. Eine aktuelle Befragung unserer Kunden hat ergeben, dass erst etwa 20 Prozent bereits eine Transaktion auf einem Mobiltelefon abgeschlossen haben. Uns zeigt das vor allem das enorme Wachstumspotential. Die Reise hat gerade erst begonnen.

Bonprix: mobile Heimat, mobil bei Instagram und Facebook (v.l.)
Bonprix: mobile Heimat, mobil bei Instagram und Facebook (v.l.)


Wie lange dauert es noch, bis mehr mobil gekauft wird?

Michael Klar: Manche Zielgruppen mögen hier schneller und affiner sein als andere, aber auch in der breiteren Masse wird sich mobiles Shoppen immer mehr durchsetzen. E-Commerce Player sind heute gefordert, dafür attraktive Angebote zu entwickeln.

"Auch in der breiteren Masse wird sich mobiles Shoppen immer mehr durchsetzen"


In wie weit ergeben sich für Mobile künftig so auch neue Herausforderungen und Aufgabenstellungen ?

Michael Klar: Natürlich befassen wir uns intensiv mit der Frage, wie wir auf dem Smartphone unsere Kunden emotional ansprechen und bestmöglich inspirieren können. Gerade im Online-Modehandel ist es elementar, dass Stöbern und das Einkaufserlebnis auf dem Smartphone Spaß machen und nicht zum Nervfaktor werden. Ein weiteres Handlungsfeld ist das Thema Beratung im Mobile Commerce. Hier gilt es Lösungen zu entwickeln und anzubieten, die die Nutzer zu dem für sie passgenauen Angebot führen. Mobile Commerce wird meiner Meinung nach zwar nicht die gleichen Conversion-Raten erzielen wie der Desktop, da das „Unterwegs-Sein“ auch weiter zum schnellen nicht zielgerichteten Stöbern einlädt, aber das Niveau wird sich annähern. Unser Ziel ist es in jedem Fall, die vermeintliche Limitierung kleinerer Endgeräte durch eine optimale User Experience aufzuheben.

  Michael Klar, bonprix, bei etailment 2.015
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Klingt knifflig. Schließlich dürfte es künftig kaum noch genügen, schlicht eine mobile, responsive Variante ins Netz zu stellen?

Michael Klar: Bonprix verfügt über zwei separate Shops für Mobile und Desktop, die beide responsive Elemente beinhalten. Damit sind wir aktuell sehr gut aufgestellt, zumal Mobile sich nach wie vor stark in der Entwicklung befindet und eine hohe Veränderungsdynamik aufweist. In Kürze launchen wir als weiteren Interaktionskanal für unsere Kunden eine bonprix Shopping App für iOS und Android. Die App werden wir zunächst in Deutschland testen, aber schnellstmöglich auch in andere Länder multiplizieren.

"Genauso wie Twitter und Facebook etablierte Servicekanäle sind, kann auch WhatsApp zu einem Marktstandard werden"


Inwiefern führt der Mobile-Trend auch zu einem veränderten Blick auf die Kanäle, wenn es um Kommunikation, Marketing und Service geht?

Michael Klar: Der Markt fragmentiert. Für die Anbieter besteht die Herausforderung darin, die rasant steigende Anzahl an Endgeräten und Plattformen auf effiziente Weise mit maßgeschneiderten und inspirierenden Inhalten zu versorgen. Wearables werden eine größere Rolle spielen und Kommunikationskanäle wie WhatsApp gewinnen an Bedeutung. Der Kunde erwartet, dass ihm seine Marke oder Anbieter auf jedem Kanal zur Verfügung steht. Und er fordert einen mühelosen Einkaufsprozess, deshalb wird auch die sinnvolle Verknüpfung aller Kanäle untereinander immer wichtiger.

Wird Service via WhatsApp zum Standard?

Michael Klar: Die Kunden bestimmen, in welcher Form und über welchen Kanal sie sich mit einem Unternehmen austauschen wollen. Genauso wie Twitter und Facebook bereits fest etablierte Servicekanäle sind, kann auch WhatsApp perspektivisch zu einem Marktstandard werden.

Wie verteilt sich der Traffic heute bei Bonprix?

Michael Klar: In Deutschland kommt mehr als 25 Prozent unseres Traffics über Smartphones, weitere 15 Prozent über Tablets. Insgesamt besuchen also bereits rund 40 Prozent unserer Kunden den Online-Shop über mobile Endgeräte.

Die Trafficanteile von mobilen Endgeräten sind in Webshops international unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein kulturelles Phänomen oder Folge unterschiedlicher Adaption des technologischen Wandels?

Michael Klar: Es ist spannend zu beobachten, wie groß die Unterschiede im europäischen Vergleich tatsächlich sind. In Schweden und Italien haben wir deutlich mehr Besucher über mobile Endgeräte als in Deutschland. Unsere US-amerikanische Marke VENUS verzeichnet schon länger einen Trafficanteil von über 50 Prozent bei Smartphones. Das ist auf kulturelle Gegebenheiten und auf unterschiedliche Reifegrade hinsichtlich der Verbreitung von Smartphones und der mobilen Internetnutzung zurückzuführen. Hier gibt es international einige hochentwickelte Märkte, aber auch noch viele mit riesigem Wachstumspotenzial im M-Commerce.