Wie Spiegel-Online berichtet, hat eine britische Studie die Marktprognosen für den elektronischen Handel untersucht. Die Ergebnisse seien für die angebliche Boom-Branche ernüchternd.

Wie Spiegel-Online berichtet, hat eine britische Studie die Marktprognosen für den elektronischen Handel untersucht. Die Ergebnisse seien für die angebliche Boom-Branche ernüchternd.

Spiegel-Online zitiert unter anderem Paul Foley, Direktor des Forschungszentrums für Internationalen Elektronischen Handel an der De Montfort Universität und Berater der britischen Regierung. Der Inhalt seines Papiers "Der Nutzen und Missbrauch von Internet-Statistiken" komme einem Frontalangriff auf die digitale Welt gleich. Danach stünden, so Spiegel-Online weiter, die meisten so genannten Business-Pläne neu gegründeter Internetfirmen auf wackligem Boden.

Insgesamt seien 85 Wirtschaftsstudien zur Ausbreitung und Nutzung von Informationstechnologien von Foleys Internetforschern ausgewertet worden. Es sei zwar unbestritten, so Foley in der Spiegel-Online-Meldung, dass es einen "langfristigen Zuwachs" bei den Nutzerzahlen für E-Mails geben werde. Auch die Zahl der Internetsurfer werde zunehmen, das Volumen im elektronischen Handel ebenso - nur wie weit, das sei strittig. Widersprüche über die Zahlen-Fundamente der Netzgesellschaft würden die Branche kennzeichnen. Und Martin Bichler von der Wirtschaftsuniversität Wien urteilt im Bericht von Spiegel-Online, dass nach seiner Erfahrung die Stichhaltigkeit von Internet-Statistiken um hundert Prozent schwanke.

Der unbestreitbare digitale Schub in den reichen Ländern sei zudem keinesfalls gleichzusetzen mit einem Wachstum des Handels im Internet, dem E-Commerce, so Wissenschaftler Foley gegenüber Spiegel-Online. Nur wenige Untersuchungen unterschieden zwischen dem Handelsvolumen zwischen Firma und Konsumenten (B2C) oder zwischen Firmen (B2B). Doch genau darauf komme es an, so Foley weiter, denn nur rund zehn Prozent aller Internet-Transaktionen beträfen den Verkauf oder die Vermittlung eines Produktes an Private. Entsprechend mager seien die Erlöse.

Spiegel-Online zitiert auch den britischen Fachautor und Wirtschaftsberater Phil Mullan, der US-amerikanische Konjunkturzyklen untersuchte: "Um Neuigkeit zu demonstrieren, wird heute an alles ein 'E' angepappt: E-Business, E-Commerce, E-Conomy". Die New Economy werde "groß geredet, um die Stagnation zu verdecken". Vor allem beim B2B-Handel, so Mullan in Spiegel-Online, jonglierten die Propheten des Internet mit bedenklichen Zahlen. Nach seinen Auswertungen würden inzwischen gerne Transaktionen, die schon lange elektronisch abliefen, einfach dem schillernden World Wide Web zugeschlagen.

Foleys Studie komme laut Spiegel-Online zu überraschenden Ergebnissen, wie sich das gesamte Internet-Geschäft aufteile: Von den geschätzten 3,5 Mrd. US-Dollar im US-amerikanischen Netzhandel entfielen danach 1998 alleine 1,5 Mrd. auf den Computerhändler Dell, der die meisten seiner Produkte online verkaufe sowie auf das Netzkaufhaus Amazon.com, den US-Händler Buy.com und Microsofts Online-Reisebüro Expedia.

Teile man die restlichen zwei Milliarden US-Dollar unter den weiteren 400.000 Online-Anbieter von Gütern und Dienstleistungen auf, so die von Spiegel-Online zitierte Studie, bliebe ein statistischer Jahresumsatz von gerade mal 5.000 US-Dollar pro Unternehmen. In den einschlägigen Marktprognosen herrsche dagegen ungebrochener Optimismus, meint Spiegel-Online. Zwar habe die OECD schon vergangenes Jahr eine Expertengruppe eingesetzt, die die Chancen und Risiken des weltweiten Internet-Handels analysieren solle. Weit gekommen seien die Fachleute allerdings noch nicht. Zu "Ausmaß, Wachstum und die Zusammensetzung des elektronischen Handels", so das Zitat aus einem Zwischen-Report, "fehlen verlässliche und international vergleichbare Zahlen". (ST)

Der Original-Text ist unter Spiegel-Online abrufbar.