Nach dem Debakel vor zwei Jahren will Brilliance abermals in Deutschland Fuß fassen. Die Chinesen backen nun kleinere Brötchen - mit kleineren Autos.

Der Andrang hat nachgelassen. Über 200 Journalisten waren Ende 2006  zur vollmundig angekündigten Europa-Premiere des Brilliance BS 6 Ende 2006 nach Bonn gepilgert.

Als vergangene Woche die neue Mittelklasse-Limousine BS4 vorgestellt wurde, kamen ein paar Dutzend nationaler Pressevertreter ins Stadion des Fußball-Bundesligaclubs Borussia Dortmund, der von dem chinesischen Autobauer gesponsert wird.

Doch für das Unternehmen war der etwas kleinere Rahmen kein Anlass zur Sorge. „Das ist für uns heute eine ganz normale Vorstellung eines weiteren Modells”, beschwichtigt Pressechef Detlev Engelhardt. Normalität sieht allerdings anders aus. Von den nach Firmenangaben aktuell 124 Vertragshändlern in Deutschland dürften viele noch kein einziges Fahrzeug verkauft haben.

Foto: Brilliance
Foto: Brilliance
„Derzeit fahren rund 500 BS 6 in Deutschland”, versichert Eberhard Niering, Vice-President der HSO Motors Europe, dem europäischen Importeur von Brilliance.

Eine bescheidene Ausbeute angesichts des ursprünglichen Anspruchs, bis Ende 2008 flächendeckend in Europa vertreten zu sein und hier 15.000 Einheiten abzusetzen.

Zweifelhafte Sicherheitsstandards

Aber der Brilliance-Start vor zwei Jahren war bekanntlich alles andere als brillant: Nur wenige Wochen nach ihrer Europa-Premiere brachte es die Mittelklassen-Limousine beim obligatorischen Euro-NCAP-Crashtest auf nur einen von fünf möglichen Sternen. Vier sind nahezu Standard bei allen anderen Autobauern. Dieses Sicherheitsdebakel war vorläufig das Aus des selbsterklärten Premium-Herstellers.

Mittlerweile backen die Chinesen nicht nur kleinere Brötchen - sondern bauen auch kleinere Autos. Vom vorgestellten BS 4, der ab 25. Oktober zu Preisen ab 15.990 Euro bei den Händlern steht, sollen schon im kommenden Jahr 2.500 Fahrzeuge auf dem deutschen Markt verkauft werden. Immer vorausgesetzt, dass die Einführung diesmal ohne Pannen abläuft.

Glaube an „Made in China”

Foto: Brilliance
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Bei internen Tests im Werk Shenyang, wo auch die für den chinesischen Markt vorgesehenen 3er- und 5er-Modelle von BMW vom Band laufen, hat es die Stufenheck-Limousine immerhin auf drei Sterne gebracht.

„Sonst hätten wir das Fahrzeug gar nicht erst eingeführt”, betont Deutschand-Geschäftsführer Hartwig Hirtz und sieht das Unternehmen in jeder Hinsicht gut aufgestellt. Im kommenden Jahr soll das Händlernetz auf rund 250 Vertriebspartner erweitert werden.

Hirtz verbreitet Zweckoptimismus: „Wir stehen als zweite Marke in den Showrooms unserer Partner, zu denen auch Händler deutscher Hersteller wie Ford, Opel, VW oder Mercedes-Benz zählen. Das zeigt, dass man uns ernst nimmt und der Handel an Made in China glaubt.”

Meik Benjamin