Für die Bewerbung von England für die Fußball-WM 2018 gab es viel Lob. Gewonnen hat aber Russland. Die englische Supermarktkette Morrisons wirft der Fifa unlauteren Wettbewerb vor - und droht mit einer Millionenklage.

Sie steckten 1 Million Pfund (umgerechnet 1,18 Millionen Euro) in die Werbekampagne, 1,65 Millionen Kunden symbolisierten Solidarität mit ihrer Unterschrift - am Ende standen alle mit leeren Händen da. Der Traum des englischen Fußball-Verbandes, die Weltmeisterschaft 2018 im eigenen Land auszutragen, ist vor wenigen Tagen geplatzt. Russland hat den Zuschlag bekommen.

Aber damit will sich Morrisons jetzt nicht zufrieden geben. Großbritanniens viertgrößte Supermarktkette (403 Filialen, 124.000 Mitarbeiter) überlegt, sich vom Fußballweltverband Fifa das vergeblich investierte Geld zurückzuholen.

Schweizer Anwalt beauftragt

"Wir denken, dass es beim Entscheidungsprozess unfair zugegangen ist. Wir haben einen Anwalt in der Schweiz beauftragt, unsere Chancen nach Schweizer Recht zu überprüfen", sagte Richard Taylor, Kommunikationsdirektor von Morrisons.

Unternehmenschef Dalton Philipps schrieb per offenen Brief an den Fifa-Präsidenten Joseph Blatter und kritisierte, dass es bei der Vergabe des Weltturniers 2018 nie eine Chance für England gegeben habe. Philipps bezog sich dabei auf die Aussage Blatters, man solle die Meisterschaften in "neue Länder" vergeben.

England war 1966 nicht nur Gastgeberland, sondern auch zum bisher einzigem Mal Sieger des Turniers im eigenen Land. In Russland fand noch nie eine WM statt.

Blatter hatte vor der Entscheidung seines Verbandes die Qualität der englischen Bewerbung geradezu enthusiastisch gelobt. Stars wie der Sänger Robbie Williams, der Rennfahrer Lewis Hamilton und sogar Prinz William hatten sich zur WM-Kampagne bekannt.

"Schlechte Verlierer"

Blatter wiederum hatte angesichts Beschwerden auf der Insel dieser Tage davon gesprochen, dass die Engländer "schlechte Verlierer" seien. Der Schweizer betonte auch, dass die Vergabe der Turniere an Russland 2018 und Katar 2022 keinesfalls finanzielle Hintergründe habe.

"Das ist die Entwicklung des Fußballs. Das hat nichts mit Geld zu tun. Wir müssen den Fußball in Länder bringen, wo er soziale und kulturelle Auswirkungen haben kann", versicherte der Schweizer.

Sollte Morrisons wirklich das investierte Geld von der Fifa zurückerstreiten, dann soll diese Summe komplett in die Nachwuchsförderung des englischen Fußballs fließen, hieß es.

Dass die Attacke gegen die Fifa nur eine vorweihnachtliche Marketingaktion für die Supermarktkette sei, bestreitet das Unternehmen. Es gehe um das Interesse von 1,65 Millionen Kunden, die die WM-Kampagne für England unterstützt haben.