Die deutschen Buchhändler schlagen zurück: Die Filialisten Thalia, Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann schließen sich zusammen und wollen mit der Deutschen Telekom den Markt für digitale Bücher erobern.

Die deutschen Buchhändler wollen dem amerikanischen Konkurrenten Amazon beim digitalen Lesen das Feld nicht kampflos überlassen - daher kooperieren sie: Die Buchhandelsfilialisten Thalia, Weltbild, Hugendubel sowie der Club Bertelsmann haben sich zusammengeschlossen und bieten nun zusammen mit der Deutschen Telekom das gemeinsame Lesegerät für elektronische Bücher "Tolino" an. Während die Telekom die Lesegeräte und die technische Plattform für das Herunterladen und die Nutzung der E-Books bereitstellt, kümmern sich die Buchhändler um den flächendeckenden Vertrieb und die Beratung.

"Eine solche Kooperation aus führenden Buchhändlern eines Sprachraums mit einem Technologieunternehmen gab es noch nie, und wir brechen damit zu völlig neuen Ufern auf", sagte Michael Busch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Thalia Holding, auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. "Heutzutage muss jeder überlegen, wo seine strategische Ausrichtung und sein strategisches Interesse liegen und welche Partner dafür die richtigen sind, um sich gegenüber den mächtigen amerikanischen Onlinegiganten zu behaupten."

"Wir bleiben Konkurrenten"

Das Wettbewerbsverhältnis der Buchhändler bleibe davon unberührt: "Wir sind Konkurrenten und wollen Konkurrenten bleiben", sagte Carel Halff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Weltbild. "Wir wollen nur die Abhängigkeit durchbrechen, die andere mit Monopolen aufzubauen versuchen. Die Zukunft der deutschen Buchbranche soll auch weiterhin bei uns liegen und nicht in den Händen börsennotierter amerikanischer Konzerne."

Der E-Reader "Tolino shine" soll ab dem 7. März 2013 bei allen Partnern erhältlich sein und auch weiteren interessierten Buchhändlern offenstehen. "Er wiegt weniger als ein Taschenbuch, speichert eine ganze Bibliothek und hat einen Akku, der länger hält als die Ferien", wirbt die Telekom. Rund 2.000 Bücher sollen auf ein Lesegerät passen und der Akku bis zu sieben Wochen halten. Dank des E-Ink-HD-Displays und integrierter Beleuchtung sei entspanntes Lesen genauso bei Sonnenlicht wie im Dunkeln möglich.

Inhalte kostenlos in der Cloud speichern

Gekaufte Inhalte werden demnach in der TelekomCloud kostenlos dauerhaft gespeichert – somit sei der Zugriff auf die E-Books von beliebigen Endgeräten möglich. Seine E-Books könne der Kunde bequem drahtlos per WLAN von Zuhause, über die 11.000 dafür kostenfrei nutzbaren HotSpots der Telekom oder in den 1.500 Fachgeschäften der Partner in Deutschland laden.

Die Bücher darf der Käufer auf bis zu fünf Geräten gleichzeitig lesen. Neben E-Book-Readern können dies auch über Apps beispielsweise das iPhone oder Android-Mobilgeräte sein. Die jeweiligen Apps stellen die einzelnen Anbieter bereit. Auf dem Kindle von Amazon sind nur Bücher lesbar, die der Kunde über Amazon kauft.

Früher gekaufte E-Books bleiben erhalten und lassen sich nachträglich in die Cloud hochladen, verspricht die Telekom. Außen vor bleiben demnach nur geschützte Inhalte von Amazon und Apple: Deren Kopierschutz auszuhebeln verbiete das Gesetz.

Der Tolino shine soll vom 7. März an bei bei Thalia, Weltbild, Hugendubel, Der Club Bertelsmann, in den Telekom Shops sowie in den Onlineshops der Partner erhältlich. Zum Start sind über 300.000 E-Book-Titel verfügbar sein. Der Preis wird erst am Verkaufstag verraten.

Attraktiver Markt

Der Markt rund um das E-Book wird auch hierzulande immer attraktiver: Lasen vor zwei Jahren nur 4 Prozent der Deutschen digitale Bücher auf mobilen Endgeräten, sind es heute nach Angaben des IT-Branchenverbands Bitkom bereits 11 Prozent - Tendenz steigend. 

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon ist dabei weltweit der Platzhirsch rund um das digitale Lesen: Bereits im Sommer 2010 verkaufte der weltgrößte Onlinehändler in den USA erstmals mehr elektronische Bücher für das hauseigene Lesegerät Kindle als Hardcover-Bücher. Und das Marktforschungsinstitut Gartner vermutet, dass Amazon allein im Jahr 2012 insgesamt rund 18,4 Millionen Lesegeräte abgesetzt hat.