Wodka-Verkauf an einen 16-Jährigen? Das war der Bürgermeisterin von Roßdorf zuviel. Die südhessische Gemeinde schloss kurzerhand die örtlichen Nettomärkte am verkaufsoffenen Sonntag.

Roßdorf feiert dieser Tage sein traditionelles Ortskernfest. Wieder steht die Gemeinde Kopf, es gibt im Raum Darmstadt wenige Volksfeste, die beliebter sind und mehr Leute aus der Region anziehen.

Diese Popularität wollte auch der Discounter Netto nutzen. Denn zum Ortskernfest gibt es in Roßdorf einen verkaufsoffenen Sonntag - und Netto hatte vor, die Kunden mit zehn Prozent Sonderrabatt in die Läden zu locken.

Das hat gestern nur bis kurz nach 13 Uhr geklappt - dann verfügte der Roßdorfer Ordnungsamtsleiter Hubert Wamser die Schließung der beiden Filialen im Gewerbegebiet.

Beim Testkauf aufgeflogen

Ein Testkauf des Ordnungsamtes hatte aufgedeckt, dass am Sonntag ein 16 Jahre alter Junge im Netto-Getränke-Markt eine Flasche Wodka kaufen konnte. 18 Jahre alt hätte er mindestens sein müssen. Laut Kassenbon sei der Kauf um 13.17 Uhr zustande gekommen, berichtet das Lokalblatt "Darmstädter Echo".

Die Roßdörfer Bürgermeisterin Christel Sprößler steht hinter ihrem Ordnungsamtsleiter. "Wir haben ein Präventionsprogramm aufgesetzt und versuchen, mit den Jugendpflegern etwas gegen Alkoholmissbrauch zu machen", sagte Sprößler dem "Darmstädter Echo".

Die Trinkgelage von jungen Leuten sind gerade beim Volksfest ein Ärgernis in Roßdorf. "Wir haben ein Riesenproblem, weil die Jugendlichen schon betrunken aufs Ortskernfest kommen", klagte Sprößler und wies auf jede Menge Glasbruch in den Straßen der Gemeinde hin. Klar sei, dass die entsprechenden Alkoholflaschen nicht auf den Ständen des Festes gekauft worden sei.

Ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit müsse Netto nicht erwarten, betonte die Bürgermeisterin: "Wir haben ledigliche die Genehmigung, am Sonntag zu öffnen, wieder zurückgezogen." Ihr Kollege Wamser sagte: "Die Schließung tut Netto viel mehr weh".

Personelle Konsequenzen angekündigt

Für die Roßdorfer Netto-Filiale ist dieser Fall peinlich und folgenreich. Auf Anfrage von derhandel.de versicherte Unternehmenssprecherin Christina Stylianou, dass auch dieser Markt mit einem Kassensystem ausgerüstet sei, das mit einem akkustischem Signal warnt, wenn ein Kunde ein Getränk kaufen will, das dem Jugendschutz unterliegt.

Zudem habe der entsprechende Kassenmitarbeiter, der dem 16-Jährigen eine Flasche Wodka verkaufte, vor wenigen Tagen erst eine Schulung zum Thema Alkoholverkauf an Jugendliche erhalten. "Es wird personelle Konsequenzen geben", kündigte Sprecherin Stylianou an. "Für uns ist das Thema Alkoholverkauf sehr wichtig."

Dass die kurzfristige Marktschließung in Roßdorf dem Image von Netto schaden könnte, glaubt Christina Stylianou nicht: "Das ist in diesem Fall eher ein wirtschaftliches Problem."