Der Einkauf kostete im Juli mehr: Die Preise für Lebensmittel zogen heftig an. Auch Mineralöl wurde erheblich teurer. Fachleute erwarten aber in den nächsten Monaten Preisstabilität.

Die Verbraucherpreise in Deutschland bleiben stabil. Allerdings stieg die Jahresteuerung im Juli etwas stärker als bisher erwartet von 0,9 Prozent im Vormonat auf 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Vor allem für Nahrungsmittel und Energie mussten Konsumenten tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr.

Damit verstärkte sich der Preisauftrieb zwar wieder auf den bisherigen Jahreshöchststand vom Mai. Inflationsgefahren sehen Geldpolitiker und Bankenvolkswirte in diesem und im kommenden Jahr aber nicht. Zudem bleibt die Entwicklung der Verbraucherpreise deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter 2 Prozent.

Energie wird teurer

Allerdings zogen im Juli auch die Preise im Großhandel wieder etwas an. Auf Jahressicht kletterte das Preisniveau um 5,3 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Da die Großhandelspreise über den Einzelhandel häufig an die Verbraucher weitergegeben werden, gelten sie als ein Indikator für die künftige Entwicklung der Inflation.

Treiber bei den Verbraucherpreisen waren im Juli Energieprodukte und Nahrungsmittel. Dies ist allerdings auf einen Basiseffekt zurückzuführen: Im Vorjahr waren Energie- und Lebensmittelpreise auf Jahressicht gefallen. Zusammen hatten die beiden Warengruppen im Juli 2009 für eine negative Jahresteuerung gesorgt.

Im Juli 2010 war Energie nach den Zahlen der Statistiker nun wieder um 4,7 Prozent teurer als vor zwölf Monaten: Erhebliche Preisanstiege wurden insbesondere bei Mineralölprodukten (leichtes Heizöl plus 26,5 Prozent, Kraftstoffe: plus 11,2 Prozent) ermittelt.

Billiger reisen

Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher im Juli 2,6 Prozent mehr bezahlen als vor einem Jahr. Besonders kräftig um 40,1 Prozent zogen die Butterpreise an. Aber auch Gemüse (plus 8,9 Prozent) und Obst (plus 7,7 Prozent) verteuerten sich erheblich. Folglich kauften die Verbraucher weniger.

Ohne Berücksichtigung der Energie und der saisonabhängigen Nahrungsmittel, die nach den Angaben zusammen gut zehn Prozent der Ausgaben privater Haushalte umfassen, hätte die Inflationsrate im Juli bei 0,6 Prozent gelegen.

Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise im Juli um 0,3 Prozent. Dieser Anstieg hängt nach den Angaben im Wesentlichen mit dem Beginn der Sommerferien zusammen. Teurer wurden insbesondere Pauschal- (plus 13,9 Prozent) oder Flugreisen (plus 10,3 Prozent), während die Spritpreise etwas nachgaben (minus
1,6 Prozent).

"Kein kurzfristiges Anspringen der Lohn-Preis-Spirale"

Trotz der anziehenden Konjunktur erwarten Volkswirte in den kommenden Monaten weiterhin stabile Preise. "Trotz zunehmend verbesserter Auslastung ist man weltweit im Verarbeitenden Gewerbe noch deutlich von preistreibenden Kapazitätsengpässen entfernt. Und vor allem die zuletzt mehr auf Beschäftigungssicherung als auf Lohnsteigerungen ausgerichtete Tarifpolitik lässt kein kurzfristiges Anspringen der Lohn-Preis-Spirale erkennen", erklärte Alexander Koch, Ökonom bei der Bank UniCredit.

Nach Berechnungen der Bank betrage die durchschnittlich vereinbarte Steigerung der Tariflöhne in diesem Jahr rund 1,5 Prozent. "Und auch wenn bei einer anhaltenden Erholung der Konjunktur die Lohnforderungen zunehmend höher ausfallen, erwarten wir auf absehbare Zeit keinen übermäßigen Anstieg der Löhne."
 
Sollte der Ölpreis nicht stärker als erwartet anziehen, rechne UniCredit im laufenden Jahr mit einer Jahresteuerung von 1 Prozent und im kommenden Jahr von 1,5 Prozent.