Ein Jahrhundert nach Eröffnung der ersten deutschen Filiale ist C&A aus der Handelslandschaft nicht mehr wegzudenken. Das Familienunternehmen blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück.

Jedes zehnte Kleidungsstück, das in Deutschland über die Ladentische geht, ist nach Unternehmensangaben von C&A. Die Eröffnung der ersten Filiale in Deutschland vor 100 Jahren nimmt der Handelsriese jetzt zum Anlass, um mit einer 100 Millionen Euro schweren Werbekampagne auf sich aufmerksam zu machen.

Hinter der Modekette steht das Familienimperium Cofra. Neben dem Einzelhandel gehören dazu eine Reihe weitere Geschäftsfelder wie Immobilien, Finanzdienstleistungen, Firmenbeteiligungen und erneuerbare Energien.

Die Abkürzung C&A steht für die Anfangsbuchstaben der Brüder Clemens und August Brenninkmeijer, die das Unternehmen vor 170 Jahren im niederländischen Sneek gründeten.

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Deutschland ist wichtigster Absatzmarkt

Die erste deutsche Filiale, die 1911 in Berlin ihre Pforten öffnete, war gleichzeitig der Startschuss für die Auslandsexpansion. Heute verkauft C&A auf mehreren Kontinenten Bekleidung. In Europa betreibt der Handelsriese in 19 Ländern fast 1.500 Filialen und beschäftigt 36.000 Mitarbeiter.

Dazu zählen fast 500 Läden und 16.500 Mitarbeiter in Deutschland. Außerhalb Europas gibt es eigenständige C&A-Modeunternehmen in Brasilien/Mexiko und China. Die "Schwester" in Asien ist mit knapp 30 Läden noch klein.

Die Globalisierung spiegelt sich nicht nur im Absatz, sondern auch in der Herstellung wider: Die Kollektionen lässt C&A hauptsächlich in China, Indien, Bangladesch, der Türkei und Osteuropa produzieren.

Familienunternehmen in sechster Generation

Am Anfang der Familientradition stand Johann Brenninkmeijer aus dem westfälischen Mettingen, der vor 340 Jahren mit dem Textilhandel begann. Mit Leinenstoff wanderte er in die niederländische Region Friesland und verkaufte ihn an wohlhabende Bauern.

Seine Nachkommen in sechster Generation stehen an der Spitze von C&A Europa und C&A Deutschland. Familien-Sprössling Alexander Brenninkmeijer ist jedoch ausgeschert, er verkauft eigene Mode unter der Bezeichnung "Clemens en August".

Wechselvolle Geschichte

Erste deutsche C&A-Filiale in der Berliner Königstraße. Foto: C&A
Erste deutsche C&A-Filiale in der Berliner Königstraße. Foto: C&A
Vieles hat sich bei dem Familienunternehmen im Lauf der Jahre gewandelt. Das geht bis hin zur Schreibweise des Namens. In den Firmenveröffentlichungen wurde er vor einiger Zeit von Brenninkmeyer in Brenninkmeijer geändert.

Die etwa 500 Mitglieder große Familie hält sich gern im Hintergrund. Eine Ausnahme waren die Manager Lucas und Dominic, die im Jahr 2000 als Europa- und Deutschland-Chefs C&A vor dem Abgrund bewahrten und öffentlich auftraten.

C&A Deutschland musste nach dreistelligen Millionenverlusten saniert werden und schreibt seit 2001 wieder schwarze Zahlen. Bei der Gewinnhöhe gibt man sich nach einer zwischenzeitlichen Offenheit seit einigen Jahren wieder zugeknöpft.

Modernisierungsoffensive

2011 hat C&A die Modernisierung des Filialnetzes in Europa gestartet. Ein großer Teil der Investitionen von 650 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren soll dafür ausgegeben werden.

Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 wuchs C&A so kräftig wie seit Jahren nicht mehr: Europaweit stieg der Umsatz um 4,6 Prozent auf knapp 7 Milliarden Euro. In Deutschland, dem wichtigsten Markt, legte C&A mit einem Umsatzplus von 2,7 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro erstmals seit langem deutlich zu. Der Marktanteil stieg von 9 auf 9,2 Prozent. 

Auch in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/12 wuchs die Kette nach eigenen Angaben stärker als der Markt. 2009 brach C&A den Aufbau eines Textil-Discounters ab, der als eine Reaktion auf Kik und Takko galt.