Verbraucherstimmung, Deflation, Währungsprobleme im Ausland: Der Rewe-Chef Alain Caparros prophezeiht einen schwierigen Herbst für die deutschen Einzelhändler.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe stellt sich auf einen schwierigen Herbst und Winter ein. Grund zur Panik gebe es nicht. "Aber wir sind vorsichtiger geworden", sagte Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe, in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Das kommende Jahr dürfte eine noch größere Herausforderung werden. Denn wenn die heute noch weit verbreitete Kurzarbeit in eine deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit münden sollte, werde das erhebliche Konsequenzen für den Einzelhandel haben.

Seit April spüre man in den Läden ein gedämpfteres Kaufverhalten, berichtete Caparros. Damit schlug der Rewe-Chef andere Töne an als die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die in ihrer aktuellen Konsumklimastudie eine weiter gute Verbraucherstimmung feststellte. Im Widerspruch dazu stehen die negativen Zahlen der Einzelhandelsumsätze aus dem Monat Juni.

Nachdenkliche Kunden

"Die Leute sind nachdenklicher geworden, und zwar durch die Bank und über alle Bevölkerungsschichten hinweg", sagte Caparros der "FAZ". Die Kölner Rewe-Gruppe mit zuletzt fast 50 Milliarden Euro Umsatz und nahezu 15.000 Märkten beschäftigt fast 320.000 Mitarbeiter, davon etwa 211.000 in Deutschland (Stand Ende 2008).

Vor allem in Osteuropa, wo Rewe wie auch andere internationale Handelsgruppen starke Positionen aufgebaut hat, kommen in vielen Ländern neben Konjunktursorgen erhebliche Währungsprobleme hinzu.

"Wir werden einen breiten Rücken machen müssen und stark auf die Kosten achten", betonte Caparros. Mit großer Achtsamkeit gehe man daher im Rewe-Management das Jahr 2010 an. So habe man verschiedene Szenarien entwickelt, wo und wie je nach Brisanz der Situation Investitionen angepasst oder notfalls auch gestrichen werden. "Bei der Budgetplanung im Oktober werden wir dann sehen, in welche Schublade wir hineingreifen."

Discounter-Preiskampf in Deflation unverständlich

Reichlich Sorgen bereitet Caparros die deflationäre Preisentwicklung. Deshalb kann der Handelsmanager nicht verstehen, warum große Discount-Wettbewerber sich anschicken, bei einigen Produkten die Preisschraube noch weiter nach unten zu winden, ohne dass dies mit niedrigeren Einkaufspreisen zu begründen wäre. Unsinnig findet er das.

"Denn um beim Umsatz die aktuell 1 Prozent Deflation bei den Vollsortimentern und 2,5 Prozent im Discount durch mehr Absatz ausgleichen zu können, müssen wir schon ein riesiges Rad drehen und uns von der Logistik bis zur Ladenkasse gewaltig anstrengen", sagte er. Das koste Geld.

Auf Akquisitionen angesprochen blockte Caparros ab: "Gerade in der Krise können wir froh sein, damit unabhängiger von den Banken zu sein." Theoretisch wäre eine milliardenschwere Akquisition schon möglich, räumt Caparros ein. "Aber derzeit ist Vorsicht das erste Gebot."

Rückzug in Polen

Dazu passt, dass Rewe Supermärkte in Polen verkauft. Die 25 Billa-Filialen würden von der französischen Handelsgruppe E.Leclerc übernommen, die in Polen bereits 20 Lebensmittelmärkte betreibe, teilte das Unternehmen mit. Grund für den Rückzug sei die große Konkurrenz auf dem polnischen Markt, erläuterte ein Sprecher.

Es sei erklärtes Ziel des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers, in allen Ländern, wo er aktiv ist, unter die Top drei zu kommen. Dies könne in Polen in absehbarer Zeit nicht erreicht werden.

Schwerpunkt Großhandel

Die Billa-Märkte erzielten dort im vergangenen Jahr mit rund 1.600 Mitarbeitern einen Umsatz von 100 Millionen Euro. Welche Summe E.Leclerc für die Märkte an Rewe bezahlt, wollte das Unternehmen nicht mitteilen. Die polnische Kartellbehörde muss dem Verkauf noch zustimmen.

In Polen werde Rewe sich künftig auf den Großhandel konzentrieren.
Hier liege Rewe unangefochten auf Platz zwei. Zu bisher zwölf Selgros-Großmärkten sollten bis Ende nächsten Jahres drei Standorte hinzukommen.