Software, Netzwerke und Telekommunikation - dies waren die großen Themen der CeBIT 2000, die bis zum 1. März ihre Tore für Fachbesucher offen hielt. Die größte Messe der Welt verzeichnet in diesem Jahr mehr als 750.000 Besucher, davon rund 137.000 aus dem Ausland.

Software, Netzwerke und Telekommunikation - dies waren die großen Themen der CeBIT 2000, die bis zum 1. März ihre Tore für Fachbesucher offen hielt. Die größte Messe der Welt verzeichnet in diesem Jahr mehr als 750.000 Besucher, davon rund 137.000 aus dem Ausland.

Die insgesamt 7.802 Aussteller aus 63 Nationen zeigten sich mit der Qualität der Fachbesucher durchaus zufrieden. Im Vordergrund standen neue Geschäftsanbahnungen und seltener Geschäftsabschlüsse. Die repräsentative Befragung aller auf der CeBIT 2000 ausstellenden Unternehmen ergab, dass die Branche ihre wirtschaftliche Situation positiver als in der Vergangenheit einschätzte. Das Motto der diesjährigen CeBIT "Kein Business ohne Internet" entwickelt sich zum Markttreiber Nummer Eins in der internationalen Wirtschaft. Kaum ein Unternehmen kommt heute noch an Electronic Business vorbei. Jedoch erscheint der turboartig wachsende Markt mit Informations- und Kommunikationstechnologie sehr unübersichtlich. Bislang getrennt stehende Technologien wachsen immer stärker zusammen. Anbieter von Hardware und Software, aber auch Netzwerkbetreiber eröffnen service-orientierte Tochtergesellschaften, denn heute steckt der höchste Profit in kundenspezifischen Dienstleistungen. Wer Personalcomputer herstellt muss inzwischen mehr vom Marketing verstehen als von der Technologie.

So unübersichtlich wie die Informationstechnologie-Branche inzwischen geworden ist, genauso unterschiedlich ist auch das Dienstleistungsangebot. Die Konzerne rühmen sich ihres Komplettangebots, welches von der Beratung über die Einrichtung bis zum Betrieb reicht. Anspruchsvolle E-Business-Lösungen werden in bestehende, komplexe Systeme integriert. Nischenanbieter hingegen propagieren ihre speziellen Lösungen. Auf der diesjährigen CeBIT wurde deutlich, dass sich die gesamte IT-Branche auf den Mittelstand stürzt, in der Hoffnung auf zukünftige neue Absatz- und Gewinnpotenziale.

Ein weiteres Kernthema der CeBIT 2000 war die durchgängige Anbindung aller Geschäftsprozesse an die elektronischen Medien. Supply Chain Management ist das Mittel, mit dem die Wertschöpfungskette optimiert werden soll. Die bessere Gestaltung der Kundenbeziehungen erfolgt über Customer Relationship Management (CRM), ebenfalls ein großes Thema auf der CeBIT. Konzentriert in Halle 23 offerierten Aussteller neue Datensicherungs- und Zahlungssysteme. Seit den Hackerangriffen auf große Unternehmen in den vergangenen Wochen ist die gesamte Branche, was das Thema Datensicherheit angeht, noch sensibler geworden.

Drei weitere Buchstaben bestimmten das Messegeschehen: WAP (Wireless Application Protocol), die Technik, die das Handy mit dem Internet verbindet. Sie trägt die Hoffnungen einer ganzen Branche, aber noch erfüllt sie die Erwartungen nicht. Bislang sind nur wenige Tausend WAP-fähige Mobiltelefone im Umlauf, und auch die Angebote im Netz halten sich in Grenzen. Im Mobilfunk scheint sich das zu wiederholen, was in der Computer- und Softwarebranche üblich ist: Unfertige Produkte werden aufwendig beworben. Hauptsache das innovative Image stimmt.

Informationstechnik und Telekommunikation bleiben weltweit starke Wachstumsmotoren. Der Gesamtmarkt erreicht inzwischen ein Volumen von 3,4 Billionen DM und wächst jährlich um rund 300 Mrd. DM. Das Wachstum der Informationstechnik wird hauptsächlich von Software und Services getragen, die inzwischen mehr als die Hälfte des IT-Marktes ausmachen. Während hier durchgängige Wachstumsraten von über 10% erreicht werden, beträgt das Plus bei den Geräten zwischen 6 und 8%. In fünf Jahren werden zwei Drittel des IT-Marktes von Software und Services bestimmt sein. Auch hier erzielen mobile Systeme besonders starke Zuwachsraten. Mobile PCs legen zur Zeit um 11% pro Jahr zu und machen bereits ein Drittel des gesamten PC-Marktes aus. Insgesamt ist der deutsche Markt für Informationstechnik 1999 um 9% auf 104 Mrd. DM gewachsen.

Im zeitlichen Umfeld der CeBIT hat Bundskanzler Gerhard Schröder verkündet, dass er den Mangel an IT-Spezialisten durch ausländische Fachkräfte ausgleichen und deshalb diesen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern will. Allerdings schränkt er seine Aussage derart ein, dass die Unternehmen nachweisen müssen, dass sie auch genügend deutsche Arbeitskräfte in diesem Bereich ausbilden.

Die weltgrößte IT-Fachmesse CeBIT hat sich zu einem Dinosaurier entwickelt, der die Besucher mit seiner Angebotsfülle erschlägt. Es gilt darüber nachzudenken, wie das Fachpublikum gezielter angesprochen werden kann. Auch hat die diesjährige CeBIT gezeigt, dass die Infrastruktur der Deutschen Messe AG, dem Veranstalter der CeBIT, und die der Stadt Hannover einem solchen gigantischen Besucheransturm nicht gewachsen sind. Wartezeiten auf den Zubringerstraßen zum Messegelände von mehreren Stunden und fehlende Parkplätze verbunden mit schlecht informierten Messeservice-Mitarbeitern trübten das Messegeschehen. Wie soll die kommende Expo vor diesem Hintergrund funktionieren?


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Anette Hämmerling (anette.haemmerling@cybiz.de)