Der Pharmagroßhändler Celesio hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Die Abwertung des britischen Pfunds hat das Unternehmen schwer getroffen.

Foto: Celesio AG
Foto: Celesio AG
Erstmals seit 21 Jahren sanken Einnahmen und Ergebnis; unter dem Strich schrieb das Stuttgarter Unternehmen 2008 aufgrund zahlreicher Belastungsfaktoren sogar rote Zahlen. Trotzdem bleibt der MDAX-Konzern "relativ optimistisch", was das laufende Geschäftsjahr angeht.

Vorstandsvorsitzender Fritz Oesterle begründete den Gewinnrückgang mit "massiven Preiskürzungen" in Großbritannien, staatlichen Maßnahmen sowie der Abwertung des britischen Pfunds. Außerdem seien Abschreibungen und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise für den Gewinnrückgang verantwortlich gewesen.

Minus 18,5 Prozent

Unter dem Strich rutschte Celesio deutlich in die Verlustzone: Der  Jahresüberschuss 2008 sackte um 18,5 Prozent ab. 2007 betrug der Überschuss noch 435,4 Millionen Euro. Bereinigt um Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte verdiente Celesio netto 268,5 Millionen Euro.

Auch operativ schrumpfte der Ertrag: Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank auf 657,3 (2007: 842,5) Millionen Euro. Besonders das Schlussquartal entwickelte sich schwach: Hier sank das Nettoergebnis auf minus 211,2 (Vorjahr plus 115,2) Millionen Euro und bereinigt auf 75,8 (Vorjahr 115,2) Millionen Euro.

Abschreibungen in Höhe von 287 Millionen Euro

Celesio hatte bereits Anfang Februar, anlässlich der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen, eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 287 Millionen Euro angekündigt. Grund für die Wertberichtigungen sind die gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten, die zu größeren Risikoabschlägen für das Apothekengeschäft in den Niederlanden, in Belgien, Irland und Italien geführt hatten.  

Für die Zukunft zeigt sich Celesio-Chef Oesterle trotzdem zuversichtlich und bleibt weiter "relativ optimistisch". "In einem sehr schwierigen und gegenüber dem Zustand von vor wenigen Monaten deutlich verschärften Umfeld" könne Celesio optimistischer in die Zukunft schauen als Unternehmen in anderen Märkten oder auch einige der Wettbewerber.

Schwaches britisches Pfund

Allerdings erwartet der Pharmahändler für das erste Quartal 2009 - vor allem wegen des schwachen britischen Pfunds - einen Rückgang bei Umsatz und EBITDA. Auch für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Pharmahändler mit einem EBITDA unter Vorjahresniveau.

Nach Aussage Oesterles sind unter anderem staatliche Maßnahmen sowie negative Währungseffekte die Belastungsfaktoren. "Ohne diese exogenen Faktoren erwarten wir hier für 2009 allerdings ein EBITDA, das auf dem Niveau von 2008 liegt".

Drei Säulen

Mittelfristig sieht das Unternehmen gute Wachstumschancen. "Celesio ist auf dem Weg vom Händler zum kundenorientierten Dienstleister", sagte Oesterle. Um Wachstumschancen zu nutzen, sei die Organisationsstruktur umgestellt worden. Die neue Struktur bildet nach Aussage des Managers mit den drei Geschäftsbereichen "Patient and Consumer Solutions", "Pharmacy Solutions" und "Manufacturer Solutions" die Grundlage der künftigen Expansion.

Weitere Säulen des Wachstums sollen die "Senkung von staatlich gesetzten Vergütungsstrukturen" sowie die langfristige Reduzierung der Abhängigkeit von dem britischen Markt sein. Zudem will Celesio in neuen Geschäftsfeldern sowie auf neuen Märkten wachsen.

IT wird ausgelagert

Die künftige Expansion soll auf der organischen Entwicklung, externem Wachstum und Effizienzsteigerungen fußen. Als Beispiel für die angestrebten Effizienzsteigerungen nannte Oesterle den am Morgen bekannt gegebenen IT-Outsourcingvertrag mit Hewlett-Packard, durch den in den sieben Jahren nach 2010 Synergien von insgesamt 200 Million Euro gehoben werden sollen.

"Strategisch nicht zwingende Akquisitionen" sollen mit Blick auf das schwierige Marktumfeld allerdings verschoben werden, um die "Kriegskasse" zu schonen.

Neue Zukäufe

Die ebenfalls am Morgen bekannt gegebenen Übernahmen des Personal- und Marketingdienstleisters Pharmexx GmbH sowie des belgischen Anbieters von Kühlkettenlogistik für Pharmahersteller Dirk Raes NV gelten nach Celesio-Angaben dem Ziel des Geschäftsausbaus in bestehenden und neuen Märkten und sollen die große Abhängigkeit vom britischen Markt reduzieren helfen.

Bis 2015 will der Pharmagroßhändler ein EBITDA von mindestens 1 Milliarde Euro erzielen. "Wir sind überzeugt, dass Celesio ihre Ertragskraft deutlich steigert", sagte Oesterle. Das Mittelfristziel scheint dabei realistisch, wuchs Celesio nach Aussage Oesterles seit der Jahrtausendwende im Durchschnitt stärker als es zur Erreichung des Sollwertes nötig ist.

Apothekenmarkt sei nicht alles

Finanzvorstand Christian Holzherr warnte davor, die Wachstumschancen von Celesio nur auf die auf Eis liegende Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes zu reduzieren. Die Öffnung von Apothekenmärkten sei lediglich eine von vielen Wachstumschancen.

Sollte der Europäische Gerichtshof (EuGH) nicht die Tür zu einer Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes öffnen, bedeute dies lediglich, dass eine der vielen Wachstumschancen nicht für Celesio nutzbar sei. Zur Frage, wann in diesem Zusammenhang Neuigkeiten zu erwarten seien, äußerte sich das Management nicht.

Aktienkurs miserabeld

Celesio hatte im Jahr 2007 für 200 Millionen Euro die Versandapotheke DocMorris erworben (die gleiche Summe will das Unternehmen nun durch die IT-Auslagerung einsparen). Nach dem erhofften Wegfall des Fremdbesitzverbotes wollte der Stuttgarter Pharmahändler mit DocMorris eine eigene Apothekenkette in Deutschland aufbauen.
 
Am 16. Dezember, nachdem der europäische Generalanwalt Yves Bot sein Plädoyer gegen die Liberalisierung abgegeben hatte, war der Aktienkurs von Celesio um rund 15 Prozent eingebrochen. Derzeit liegt das Papier bei rund 15 Euro. Im März 2008 musste für eine Celesio-Aktie noch etwas über 30 Euro bezahlt werden. "Von Zufriedenheit kann keine Rede sein", antwortet Oesterle auf die Frage nach seiner Einschätzung des Aktienkurses.

Celesio beliefert in zwölf europäischen Ländern insgesamt rund 35.000 Apotheken mit Arzneimitteln und betreibt zusätzlich rund 2.300 Apotheken in Eigenregie, um den sinkenden Margen im Pharmahandel zu begegnen.


Dow Jones Newswires/ges