Dr. Andrej Busch, Marketingvorstand des Logistikkonzerns DHL, über die wichtige letzte Meile, spontane Ortswechsel und Erfolg in der Nische.

Dr. Andrej Busch, Marketingvorstand des Logistikkonzerns DHL. (Foto: DHL)
Dr. Andrej Busch, Marketingvorstand des Logistikkonzerns DHL. (Foto: DHL)
Bei der Logistik im Onlinehandel sind die letzten Meter zum Kunden entscheidend. Welches Optimierungspotenzial sehen Sie hierbei noch?

Die Konsumenten haben den Anspruch, dass sie ihre Ware einfach und überall erhalten. Doch das ist für die Logistikdienstleister eine große Herausforderung. Im Idealfall kann der Empfänger noch während des Sendungsverlaufs den Empfangsort ändern oder den Zustelltermin frei wählen. Bei uns wird eine Wunschtagzustellung bereits im kommenden Jahr möglich sein. Nach einer Information per E-Mail oder SMS über eine anstehende Sendung kann man auswählen, ob das Paket wie gewohnt am nächsten Tag oder doch an einem anderen Wochentag zugestellt wird.

Ein weiterer Trend ist das sogenannte Fulfillment, bei dem der Logistiker all das übernimmt, was nach dem Onlinekauf kommt. Was tut sich dort im Moment Neues?
Das ist längst nicht mehr nur ein Thema für die großen Onlinehändler. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen flexible Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit neuen Angeboten wie DHL eParcel können wir die gesamte Leistung und Erfahrung des Konzerns auch kleineren Unternehmen anbieten. Sie können einzelne Module entlang der gesamten E-Commerce-Wertschöpfungskette auswählen, von der Einrichtung des eigentlichen Webshops über die Kernleistungen Lagerung und Kommissionierung bis sogar hin zum Kundenmanagement oder der Debitorenbuchhaltung. Auf diese Weise haben auch Händler und Dienstleister mit völlig neuen Geschäftsideen eine Chance, vom Onlinehandel zu profitieren.

Können Sie da konkrete Beispiele nennen?
Mir fällt da die Wäscherei cleenbox.de ein, bei der man seine Wäsche in eine für die Packstation optimierte Box legt, verschickt und kurz danach gewaschen, gebügelt und in Folie verschweißt zurückgeschickt bekommt. Auch die Onlineapotheken sind derzeit ein wichtiges Wachstumsfeld im Internet. Zudem verkaufen nun auch Merchandisingshops selbstverständlich im Netz, und so werden Automobilhersteller beispielsweise mit Nebenprodukten auch zum Versandhändler.

Sie gehen in diesem Herbst mit dem Onlinemarktplatz MeinPaket.de ins Netz. Wie unterscheidet sich Ihr Angebot von Plattformen wie Amazon und eBay?
Auch hier richten wir uns an die kleineren Händler und wollen ihnen eine weitere Möglichkeit geben, ihre Produkte attraktiv und effizient im Internet zu platzieren. Daneben gibt es noch viele Privatkunden, die heute gar nicht im Internet einkaufen. Die Berichterstattung über Datenskandale oder Betrugsfälle im Versandhandel lässt sie noch vorsichtig mit diesem neuen Medium umgehen. Wir versuchen, auch diesen Menschen einen vertrauenswürdigen Kanal für ihre Interneteinkäufe zu verschaffen. Flankierend zu dem Onlineportal haben wir auch einen gedruckten Katalog-Magazin-Mix mit redaktionellen Inhalten aufgelegt, der mehr Orientierung und Anreize für Einkäufe schafft. Dort können sich Onlinehändler in den einzelnen Themenwelten präsentieren.

Interview: Sybille Wilhelm

Das Interview ist in der Ausgabe 03/2010 des Wirtschaftsmagazins Online Handel erschienen.