Besser und günstiger wird persönliche Beratung durch Daten und die Auswertung dieser durch Algorithmen. Davon ist Glossybox-Gründer Charles von Abercron überzeugt. Ziel ist das perfekte Produkt für jeden Kunden, sagt er im Interview mit etailment.de.

Wie werden sich Einkaufsverhalten und Kundenerwartungen in den kommenden Jahren verändern? Welche Trends sehen Sie?
 
Charles von Abercron: Ich bin überzeugt davon, dass sich Discovery Commerce, wie wir ihn mit Glossybox betreiben, weiter ausbreiten und noch stärker durchsetzen wird. Gerade in Zeiten, in denen man alles online kaufen kann, wird das Unbekannte und das Entdecken des Unbekannten wieder an Attraktivität gewinnen.

Welche Folgen hat die wachsende Macht der Daten für den Handel? Wo sehen Sie die größten Chancen?
 
Charles von Abercron: Persönliche Beratung, wie wir sie über Jahrhunderte im stationären Handel kennen gelernt haben, hat zwei fundamentale Probleme: Sie kostet Geld und skaliert somit nicht besonders gut. Ich bin überzeugt davon, dass Daten, wenn man sie sinnvoll einsetzt, den Mehrwert einer persönlichen Beratung nicht nur ersetzen sondern auch verbessern können. Sie bekommen das für Sie perfekte Produkt - nicht nur, weil jemand annimmt, dass es ihnen gefallen könnte. Sondern weil alle Indizien keine andere Alternative zulassen.

Emotionalisierung, Personalisierung – sind dies die Waffen, um gegen die Wettbewerber  zu punkten und dem Preisdiktat zu entfliehen?

Charles von Abercron: Wir bieten mit Glossybox keine Lebensmittel an oder Produkte, ohne die der Mensch nicht leben kann. Deshalb müssen wir ein Bedürfnis schaffen, wo die Natur geschlampt hat. Emotionalisierung hilft uns dabei enorm. Hierbei bedienen wir uns vor allem beim Storytelling. Damit sich der Kunde dann am Ende nicht nur mit der Marke Glossybox identifizieren kann, sondern auch noch die Produkte in der Glossybox mag, setzen wir auf Personalisierung. Dabei helfen uns Daten und die Auswertung dieser durch Algorithmen.

Wo liegt die größte Hürde für den Handel im Multichannel-Geschäft und wie kann sie überwunden werden?
 
Charles von Abercron: Multichannel kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Logistik im Hintergrund perfekt funktioniert. Wenn der Kunde etwas im Internet bestellt und das Produkt in einem Shop abholen möchte und es wider Erwarten doch nicht vor Ort ist, dann führt das zu absoluter Enttäuschung, zu Frust und Ärger. Deswegen ist Multichannel teuer und ohnehin nur für solche Anbieter eine Option, die sich physischen Handel leisten können und wollen.

Eine Fee schickt Sie als Vertretung für einen Tag an den Schreibtisch eines Handels-CEO ihrer Wahl? Wo würden Sie sich gerne hinzaubern lassen?
 
Charles von Abercron: In ein traditionsreiches Kosmetik-Unternehmen, das eine starke Marke und Unternehmenskultur geschaffen hat, damit ich etwas lernen kann. Gleichzeitig wäre es mein Ansporn, diesen Tag so gut es geht zu nutzen, um mein Verständnis des digitalen Geschäfts an so viele Mitarbeiter wie möglich weiterzugeben.