Chinesische Kunden sind ganz wild auf deutsche Produkte. Und sie entdecken Deutschland als Einkaufsland. Damit sie nicht weiterhin die Filialen leerkaufen, weitet der Drogeriehändler seinen Onlinehandel auf das Reich der Mitte aus.

Wenn man in der Frankfurter Innenstadt in eine Filiale von dm Drogeriemarkt geht, kann man schon mal Zeuge eines mit Händen und Füßen geführten Dialogs der Kassiererin mit einem chinesischen Kunden werden. Sie versucht ihm klar zu machen, dass er beispielsweise nicht 30 Päckchen Babymilch auf einmal kaufen kann, und verweist auf entsprechende Schilder.

„Mengenbegrenzungen sind immer emotional“, sagt Christoph Werner, der als dm-Geschäftsführer für das Ressort Marketing und Beschaffung und als Gebietsleiter für die Filialen in Hessen verantwortlich ist. „Doch wir wollen unsere Ware stets für alle unseren Kunden verfügbar halten. Wenn uns einzelne Kunden die Regale leerkaufen, kann das kein Warenwirtschaftssystem der Welt abfangen.“

Wenn also der chinesische Kunde in deutschen Filialen nicht mehr massenhaft an Ware kommt, muss halt die Ware zum Kunden nach China – und da kommt die Kooperation mit dem E-Commerce-Giganten Alibaba und deren Plattform Tmall.com ins Spiel, erläutert Werner, der Sohn des dm-Gründers Götz Werner: „Es gibt einen ziemlichen Sog nach deutscher Ware im chinesischen Markt, den versuchen wir zu bedienen. So wollen wir die Präsenz aller von uns geführten Produkte in unseren 1.825 dm-Märkten für unsere Kunden in Deutschland sicherstellen.“

dm-Produkte bei Tmall.com
© Tmall.com
dm-Produkte bei Tmall.com

Bislang haben Zwischenhändler auf dem Onlinemarktplatz Eigenmarken-Artikel von dm aus deutschen Regalen verkauft – sogar der deutsche Onlinehändler Allyouneedfresh soll nach Informationen der Lebensmittelzeitung  eigens für chinesische Kunden Produkte der in China sehr beliebten dm-Eigenmarke Balea ins Sortiment genommen haben. Nun also will der Drogeriefilialist das China-Geschäft nicht länger Graumarkt-Exporteuren überlassen und den Verkauf durch Zwischenhändler vermeiden.

„Wir gehen die Kooperation mit Alibaba nicht ein, um dort das große Geschäft zu machen oder einen Markt aufzubauen, auf den wir uns als Ergebnisquelle verlassen“, stellt Werner klar. „Mit einem europaweiten Umsatz von 9,7 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr haben wir das auch gar nicht nötig.“

Windeln.de jetzt auch auf Tmall.com

Der Versender von Baby- und Kleinkinderartikeln windeln.de hat früh die Chancen im Reich der Mitte erkannt und versendet seit fünf Jahren deutsche Produkte nach China. Für den deutschen Shop, über den auch das China-Geschäft abgewickelt wird, meldet das börsennotierte Unternehmen im ersten Halbjahr einen Umsatz von 66 Millionen Euro, was einem Wachstum von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Während das Geschäft in Deutschland leicht zulegte, führte die Verunsicherung der chinesischen Kunden über geänderte Importregeln im zweiten Quartal zu rückläufigen Umsätzen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Halbjahresvergleich bewege sich der Umsatz in China nahezu auf Vorjahresniveau. Die neuen Importregeln wurden im Juni demnach teilweise wieder ausgesetzt. 


Um künftig auch die lokale Nachfrage in China zu bedienen, hat windeln.de Anfang August einen eigenen windeln.de Shop auf der Plattform Tmall von Alibaba eröffnet, was auch den Vorteil hat, dass lästige Importbeschränkungen wegfallen. In dem neuen „Flagship Store“ können chinesische Kunden Produkte wie Milchnahrung und Autokindersitze von bekannten Markenherstellern wie Aptamil, Hipp, Beba und Concord sowie weitere Baby- und Kinderprodukte kaufen.

Für deutsche Einsteiger in das China-Geschäft ist der Alibaba-Marktplatz keine schlechte Idee: Immerhin werden über Tmall.com etwa 60 bis 70 Prozent des kompletten chinesischen Onlinehandels abgewickelt. Nummer 2 ist JD Mall. Beide Plattformen kassieren eine Umsatzbeteiligung. 


 

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