Während das Neujahrs-Problem bei der Akzeptanz von ec- und Kreditkarten an Geldautomaten weitgehend behoben wurde, müssen viele Händler noch auf eine Lösung warten.

Für viele Inhaber von ec- oder Kreditkarten begann das neue Jahr mit einer unangenehmen Überraschung: Geldautomaten und zahlreiche Kartenterminals im Einzelhandel verweigerten nach dem Jahreswechsel plötzlich die Akzeptanz der Karte. Statt Bargeld gaben die Geräte lapidar die Meldung "Kartenfehler" aus.

"Es sind vermutlich rund 20 bis 25 Millionen ec-Karten sowie 3 bis 5 Millionen deutsche Kreditkarten und zirka 200.000 Terminals im Einzelhandel betroffen", sagt Nicolas Adolph, Sprecher des Arbeitskreises der ec-Netzbetreiber, im Gespräch mit derhandel.de. Damit wären rund ein Viertel aller Karten sowie gut ein Drittel aller Händlerterminals in Deutschland von den Störungen beeinträchtigt.

Eine des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) vom heutigen Dienstag lässt zudem vermuten, dass weit mehr Karten Probleme bereiten: Allein bei den Sparkassen sind demnach 20 von 45 Millionen ec-Karten und 3,5 von 8 Millionen Kreditkarten mit einem fehlerhaften Chip ausgestattet, der für den 2010-Bug ursächlich ist. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) spricht inzwischen von 4 Millionen betroffenen Karten innerhalb des genossenschaftlichen Finanzverbundes.

Probleme mit der Jahreszahl 2010

Aufgrund eines Programmierungsfehlers können die EMV-Chips mit dem Betriebssystem Seccos 5 des Chipherstellers Gemalto die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten. Bei Karten, die bereits mit der neuen Softwareversion Seccos 6 ausgerüstet sind, tritt das Phänomen nicht auf.

"Von den Lesegeräten im Einzelhandel sind nur die Terminals betroffen, die schon auf den neuesten ZKA-Sicherheitsstandard - electronic cash TA 7.0 Typ 3 und Typ 4 - umgestellt haben", erläutert Nicolas Adolph. Schwierigkeiten haben also Handelsunternehmen, die ihre Kasseninfrastruktur bereits auf den gemeinsamen EMV-Sicherheitsstandard der Kreditkartenorganisationen umgerüstet haben.

Mit Hilfe einer Änderungen in der Terminalkonfiguration durch den jeweiligen Netzbetreiber kann die Störung beseitigt werden. "Voraussichtlich bis Mitte kommender Woche sind die Schwierigkeiten in Deutschland flächendeckend behoben", schätzt Adolph. Bei den Geldautomaten konnte die Akzeptanz der betroffenen Karten
Kleiner Chip, große Sorgen: Das Jahr 2010 kam für viele Karten überraschend. (Foto: B+S Card Service)
Kleiner Chip, große Sorgen: Das Jahr 2010 kam für viele Karten überraschend. (Foto: B+S Card Service)
des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) bereits gestern "im Inland wieder weitgehend hergestellt werden", wie die Dachorganisation der deutschen Kreditwirtschaft mitteilt.

Ungeklärt ist jedoch noch, wie der Einsatz der fehlerhaften Karten an Geldautomaten und Zahlungsterminals im Ausland sichergestellt werden soll. Ein Austausch sämtlicher "Seccos 5"-Karten würde zu einer kostspieligen Angelegenheit.

Einzelhandel über Störung wenig amüsiert

Der Einzelhandel ist über die Störungen bei der Kartenzahlung unterdessen wenig amüsiert: "Besonders ärgerlich ist, dass gerade die Handelsunternehmer betroffen sind, die frühzeitig in die neue Sicherheitsarchitektur der Banken investiert haben", kommentiert Ulrich Binnebößel, Kartenexperte im Handelsverband Deutschland, gegenüber derhandel.de.

Laut Binnebößel zeigt der Vorfall erneut, wie wichtig eine bankenunabhängige Notfall-Lösung bei der EC-Kartenakzeptanz für den Einzelhandel ist. "Im vergangenen Jahr sind die Autorisierungszentralen der Banken abermals mehrere Stunden ausgefallen, eine Backup-Lösung wie das unterschriftenbasierte Lastschriftverfahren ist daher unverzichtbar", so Binnebößel.

Händler, die von den Problemen bei der Kartenakzeptanz betroffen sind, sollten sich mit ihrem Kartenzahlungsdienstleister in Verbindung setzen. Erfahrenes Kassenpersonal behilft sich in der Zwischenzeit mit einem Tesafilm-Streifen und klebt den Chip einfach ab. In der Regel können die Transaktionen dann problemlos über den Magnetstreifen abgewickelt werden.