Rocket Internet stürzt sich mit Gebrüll ins Food-Geschäft. Der Lebensmittel-Lieferdienst Bonativo ist eines der zahlreichen Neugründungen der Startup-Fabrik um Oliver Samwer. Was Bonativo, das in London gestartet und jetzt auch Berlin aktiv ist, von anderen Food-Startups unterscheidet und warum die Produzenten vor Ort davon profitieren, darüber haben wir mit Co-Gründer Christian Eggert gesprochen.

Christian Eggert, Bonativo
Christian Eggert, Bonativo

Herr Eggert, mit Bonativo ist wieder mal ein Lebensmittel-Startup online gegangen. Was macht Bonativo anders als die anderen?

Christian Eggert: Zunächst freuen wir uns über jedes andere Startup, dass sich dem Thema Lebensmittel annimmt und dass wir in diesem spannenden Markt vertreten sind. Mit Bonativo wollen wir Konsumenten direkt mit den Produzenten in ihrer Region verbinden. Wir verhelfen kleineren Produzenten zu einer höheren Reichweite und liefern darüber hinaus noch zum Wunschtermin bis an die Haustür unserer Kunden. 

Warum sollte man ausgerechnet regionale Lebensmittel, die man um die Ecke auf dem Wochenmarkt bekommt, im Internet bestellen? 

Christian Eggert: Wir wollen es möglich machen, auf einfache Weise die besten Produkte und spannendsten Produzenten aus der ganzen Region zu erleben. Natürlich ist das Erlebnis eines Wochenmarktes nicht zu ersetzen, das ist nicht unser Ziel.

Sie arbeiten mit Lebensmittel-Herstellern vor Ort zusammen. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Christian Eggert: Die Hersteller sind das Herzstück unseres Unternehmens. Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, über unsere Website eine höhere Reichweite zu erzielen. Wir bieten ihre Produkte auf unserer Seite an und teilen unseren Produzenten jeden Tag mit, welche Produkte wir in welcher Menge benötigen. Diese holen wir dann bei den Produzenten ab, packen sie bei uns um liefern aus. Unsere Produzenten verkaufen uns die Produkte zu ihren Preisen. Uns ist es wichtig, dass sie von der Partnerschaft profitieren.  

"Wir sind ein ergänzender Service, aber wir nehmen niemandem etwas weg."

Machen Sie regionalen Herstellern, die nicht mit Ihnen kooperieren, das Geschäft kaputt?

Christian Eggert: Wir sind der Meinung, dass der Lebensmittelmarkt groß genug ist und wir freuen uns über jeden Anbieter, der sich lokalen Lebensmitteln annimmt. Wir sind ein ergänzender Service, aber wir nehmen niemandem etwas weg. Von daher entstehen keine Nachteile, auch für die nicht, die ohne uns arbeiten möchten.  

Was ist das Geschäftsmodell von Bonativo?

Christian Eggert: Wir machen die Produkte lokaler Hersteller für so viele Menschen wie möglich zugänglich. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir das Bedürfnis danach befriedigen, dass immer mehr Menschen wissen möchten, wo ihre Lebensmittel herstammen. Anspruchsvoll ist es dabei, die Logistikprozesse zu organisieren. Transport vom Hersteller zu uns und dann zu den Kunden innerhalb kurzer Zeit. Unser Preismodell sieht einen Mindestbestellwert von 30 Euro vor. Die Lieferung ist kostenlos.

Regionale Lebensmittel und eine für Rocket Internet typische globale Expansion passen auf den ersten Eindruck nur schwierig zusammen. Wie skalierbar ist Ihr Startup?

Christian Eggert: Wir sind der Meinung, dass unser Geschäftsmodell in sämtlichen Großstädten umsetzbar ist. Derzeit konzentrieren wir uns jedoch erst einmal voll auf Berlin und London.

"Es gibt noch keine großen Player, die das Feld für sich erschlossen haben."

Tengelmann ist neu bei Ihnen an Bord. Wozu dient die Kooperation bzw. Finanzspritze?

Christian Eggert: Mit Tengelmann haben wir einen Investor an Bord, der jahrzehntelange Erfahrung im stationären Lebensmittelhandel besitzt. Wir hoffen natürlich, von dieser Erfahrung zu profitieren. Darüber hinaus hilft uns das Investment natürlich bei der Umsetzung unserer Ziele in Berlin und London.

Rocket Internet setzt gerade massiv auf Lebensmittel-Startups. Warum boomt dieser Bereich?

Christian Eggert: Über die Beweggründe von Rocket Internet wissen wir nichts. Wenn man sich den Markt anschaut, sieht man jedoch, dass der Onlinehandel mit Lebensmitteln ein Feld ist, in dem noch eine Menge Potenzial schlummert. Es gibt noch keine großen Player, die das Feld für sich erschlossen haben. Da sehen wir unsere Chance, einen Teil vom Kuchen abzubekommen.