Automobilhändler der Marke Chrysler hatten in den vergangenen Jahren kein leichtes Los. Jetzt soll es unter dem Dach des Fiat-Konzerns besser laufen.

Alles schon mal da gewesen: In den 1970er-Jahren stellte die britische Division des amerikanischen Autobauers Chrysler den Sunbeam auf die schmalen Räder. Als Chrysler 1978 in wirtschaftliche Turbulenzen geriet, wurden die europäischen Marken kurzerhand an Peugeot veräußert. Der Sunbeam fuhr fortan als Talbot unter französischer Flagge.

Jetzt verabschiedet sich Chrysler ein zweites Mal aus Europa. Unter der Führung des italienischen Fiat-Konzerns wird der Verkauf eingestellt. Lediglich die Großraum-Limousine Voyager und die für das Jahresende erwartete Neuauflage des Oberklasse-Gefährts 300 C werden hierzulande noch angeboten – mit dem Logo der ebenfalls zum Fiat-Imperium gehörenden Marke Lancia.

American dolce vita

Den Kunden künftig den "American way of drive" und "la dolce vita" unter einem Autodach zu erklären, ist nicht der einzige Spagat, den die leidgeprüften (Noch)Chrysler-Händler zu absolvieren haben. Nach der gescheiterten Ehe mit Daimler und dem kurzen Intermezzo als eigenständiges Unternehmen unter Ägide der amerikanischen Investmentgruppe Cerberus heißt es jetzt schon wieder umflaggen.

Bereits im Mai 2010 wurden die Verträge der 90 Händler, die insgesamt 120 Verkaufspunkte betreiben, mit einjähriger Kündigungsfrist aufgelöst. Am 1. Juni 2011 soll das neue Händlernetz geknüpft sein.

"Wir haben allen Partnern eine Absichtserklärung für eine weitere Zusammenarbeit mit vernünftigen Übergangsfristen für die Investitionen geschickt und wollen jetzt ab Januar die Unterschriften einholen", erklärt Haico van der Luyt, beim Fiat-Deutschland-Importeur mit Sitz in Frankfurt am Main für die Marken Alfa Romeo, Lancia und nun auch Jeep verantwortlich. Nicht ohne "ein großes Kompliment" für die bisherige Chrysler-Mannschaft hinterher zu schieben: Die seien "alle kampfeswillig".

"Ohne Fiat wären wir weg"

Das müssen sie auch sein. Mit Lancia und Jeep – die 70-jährige, ur-amerikanische Geländewagen-Ikone soll eigenständig weitergeführt werden – "erben" sie schließlich keine Volumenmarken.

Peter Jakob, selbstständiger Händler aus Petersberg bei Fulda und Vorsitzender der Chrysler/Jeep-Händlervereinigung ist dennoch zuversichtlich: "Ohne Fiat wären wir weg. Das ist jetzt eine neue Chance – und die wollen wir nutzen, zumal auch der Werbedruck deutlich erhöht werden soll. So viel Unterstützung durch den Hersteller waren wir zuletzt nicht gewohnt."

Bernd Nusser

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/2011 von Der Handel erschienen. Hier können Sie ein Probeheft bestellen.