Die Händler der französischen Automobilmarke Citroen erneuern derzeit ihre Betriebe. Der Hersteller hilft bei den Investitionen und unterstützt sogar die Einstellung neuer Verkäufer.

Es gibt frische Farbe. Die Verkaufsräume werden rot und weiß, die Werkstätten knallrot. Die deutschen Citroen-Händler haben in diesen Tagen die Handwerker. 140 der insgesamt 800 Standorte sind bereits auf das neue Design, das der Hersteller vorgegeben hat, umgestellt. Bis Anfang 2012 soll der neue Auftritt aller deutschen Partnerbetriebe abgeschlossen sein.

Tiefgreifende Wandlung

Damit wird beim Markenauftritt schon äußerlich klar, dass das zum französischen PSA-Konzern (Peugeot, Citroen) gehörende Unternehmen gerade eine tiefgreifende Wandlung durchlebt. Vom Logo über die Produkte bis zum Händlerauftritt - alles neu. Und auch die bisherige Verkaufsstrategie ist über Bord geworfen. Statt die Kundschaft lauthals mit satten Rabatten zu locken, wurden die Modelle gleich „realistisch" eingepreist.
 
Das stärkt die Restwerte, wie die Marktbeobachter bei DS 3, C 4 und DS 4, den jüngsten Fahrzeugen des Hauses, bereits prognostiziert haben. So will Citroen zunehmend auch für Flotten interessanter werden.

Steiniger Weg

Damit bestreiten die Franzosen allerdings einen steinigen Weg. Fast zwangsläufig stagnieren hierzulande nach Jahren der preisaggressiven Werbung die Zulassungszahlen. Nach den ersten vier Monaten steht nur ein knappes Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 zu Buche, während der Gesamtmarkt immerhin um 10,7 Prozent zulegte. Die Kundschaft muss sich eben erst einmal auf die veränderten Gegebenheiten einstellen und auch die neuen, lifestyligen DS-Versionen registrieren.

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt schon der jüngste Schwacke-Markenmonitor (siehe Der Handel 5/2011). Bei der in der Branche stark beachteten, alljährlichen Umfrage des Dienstleisters Schwacke und des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen zur Händlerzufriedenheit, belegte die Marke mit dem Doppelwinkel den 28. und damit letzten Platz.

Investitionszuschüsse hängen vom Umsatzvolumen ab

Angesichts dieser schlechten Stimmungslage im Vertriebsnetz will der Importeur seine Händler bei der kostspieligen Erneuerung der Showrooms denn auch nicht im Regen stehen lassen. Abhängig vom Umsatzvolumen des jeweiligen Partners gewährt die Zentrale in Köln Investitionszuschüsse.

Foto: Citroen
Foto: Citroen
Zudem wurde ein „Förderungsprogramm für Verkäufer" aufgelegt. „In unserem Händlernetz fehlen rund 100 qualifizierte Verkäufer. Da haben wir Nachholbedarf", sagt Citroen-Sprecher Stephan Lützenkirchen und kündigt auch hier „großzügige Unterstützung für den Handel" an. Das gehe bis zur Übernahme von Gehaltsanteilen. Lützenkirchen: „Wir suchen Jäger, keine Angler. Wir wollen, dass der Handel noch viel mehr zum Botschafter der Marke wird und die Beratungsleistung für unsere 21 Pkw- und vier Nutzfahrzeugvarianten spürbar steigt."

Ehrgeizige Ziele

Entsprechend ehrgeizig sind die Ziele. Für das laufende Jahr seien inklusive Nutzfahrzeuge „100.000 Zulassungen möglich", wie der oberste Öffentlichkeitsarbeiter erklärt. Nach rund 80.000 in 2010. Zudem wolle man bei der Kundenzufriedenheit „unter die besten drei unter den Volumenanbietern" und Geschäftsführer Peter Weis hatte anlässlich der jüngsten Händlertagung in Köln in einer Brandrede dringend angemahnt, das „Markenimage" aufzupolieren.

DS 4 startet in den Markt

Dazu sollen unter anderem die DS-Modelle beitragen. Nach dem extravaganten Kleinwagen DS 3, der  in 14 Monaten hierzulande bislang rund 8.000 Liebhaber fand und „53 Prozent Neukunden" an die Marke mit dem Doppelwinkel führte, steht nun vom kommenden Wochenende an der DS 4 in den Verkaufsräumen.

Als kompaktes Coupé mit vier Türen und fünf Sitzplätzen will der eigenwillig-schicke Franzose die Grenzen des Segmentes sprengen und bei der Höherpositionierung des Herstellers helfen. Drei Benziner und zwei Dieselversionen stehen zu Preisen ab 20.700 Euro zur Wahl.  

Bernd Nusser