In der Rezession entdecken die Deutschen den einfachen, preisgünstigen Genuss: Man isst und feiert daheim. "Cocooning" heißt dieses Verhalten - von dem der Einzelhandel profitiert.

Wirtschaftsflaute? Finanzkrise? Kurzarbeit? In einigen Branchen ist davon nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Einigen Firmen geht es so gut wie selten zuvor. Zu den Krisengewinnern gehören Goldhändler und Tresorhersteller, aber auch Unternehmen, die von der neuen Häuslichkeit und Sparsamkeit der Menschen profitieren.

Es sind die Zeiten, in denen das Schlichte den Luxus ablöst. Statt beim teuren Italiener speisen die Menschen in diesen Zeiten eher bei McDonald's. "Manche Leute haben noch nie ein McDonald's- Restaurant besucht und kommen jetzt zu uns", freut sich der Deutschlandchef der Fast-Food-Kette Bane Knezevic. 2008 steigerte McDonald's Deutschland den Umsatz um fünf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, in diesem Jahr will die Kette weiter zulegen.

Zu Hause schmeckts wieder am besten

Aber auch das Essen zu Hause hat in der Krise Konjunktur. Küchenzubehör und Haushaltsmaschinen gehören nach Angaben des Münchner Haushaltswarengeschäfts Kustermann derzeit zu den Verkaufsschlagern. Die Häuslichkeit ist Konsumforschern als "Cocooning"-Effekt schon aus früheren Krisen gut bekannt. Und davon profitiert der Handel - darauf hat bereits vor einigen Tagen die Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) hingewiesen.

Auch die Süßwarenindustrie macht sich daher keine großen Sorgen über die Wirtschaftskrise. Süßwaren seien relativ konjunkturunabhängig, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Sweets Global Networks, Hans Strohmaier. Gerade die Hersteller von sehr hochwertigen Schokoladen, die auch mal fünf Euro pro Tafel kosten, freuen sich seit Jahren über deutliche Umsatzzuwächse und sehen bis jetzt kein Ende des Trends.

Haribo ist froh

Der Bonner Fruchtgummi- und Lakritzhersteller Haribo äußerte sich voller Optimismus für das laufende Jahr. Firmen-Chef Hans Riegel rechnet mit vier bis fünf Prozent mehr Umsatz und versicherte den 5.000 Mitarbeitern, sie müssten sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen.

Besonders gefragt sind in diesen Krisenzeiten auch Produkte, mit denen sich für wenig Geld ein großer Effekt erzielen lässt. In die Wirtschaftswissenschaft ging dieses Verhalten als "Lipstick-Factor" ein, weil der Verkauf von Lippenstiften in wirtschaftlich schlechten Zeiten regelmäßig zunahm.

Auf dem Sofa liegen und eine DVD ansehen

Statt sich ein neues Kleid oder Schuhe zu kaufen, verschönern sich Frauen in der Krise mit einem preisgünstigen Lippenstift. Und wenn das Geld nicht fürs Theater reicht, dann geht man eben ins Kino oder kauft sich für den Filmabend auf dem Sofa eine DVD oder ein neues Buch.

Ihr Geld legen viele Menschen in diesen Zeiten lieber in den Tresor als auf die Bank. Bei den deutschen Tresorherstellern Burg-Wächter und Hartmann in Nordrhein-Westfalen stieg die Nachfrage nach den Sicherheitsschränken mit der Finanzkrise um mehr als ein Viertel an.

Gold glänzt stärker denn je

Zu den Interessenten gehörten nach Angaben von Hartmann vor allem Privatleute, die Banken misstrauten und teils ihre Konten auflösten. Viele Kunden bunkern im Tresor aber auch Gold. Im Edelmetall- Handelshaus pro aurum in München verdreifachte sich der Absatz, die Lager für kleine Einheiten waren nach dem Ausbruch der Finanzkrise zeitweise ausverkauft.

Nicht nur Millionäre glauben ans Gold: Auf der Suche nach einer sichereren Geldanlage hat der Goldrausch nach Angaben des Handelshauses längst breite Bevölkerungsschichten vom Studenten bis zum Rentner erfasst. Der Edelmetallsektor gehört nach Einschätzung der Berenberg Bank deshalb zu den aussichtsreichen Branchen des laufenden Jahres. "Gold wird eine glänzende Zukunft haben."

Daniela Wiegmann, dpa