Download statt Silberscheibe: Der Markt für Computerspiele wandert vom Fachhandel ins Internet ab. Ein neuer, preisgünstiger Anbieter heizt den Wettbewerb zusätzlich an.

Schnell herunterladen und sofort loslegen: Mit diesem Motto gehen mehrere Download-Plattformen für Computerspiele auf Kundenfang. Der Markt hat Potenzial, denn in Deutschland gehen die meisten Spieler nach wie vor ins stationäre Geschäft und besorgen sich eine Verpackung mit Silberling. Zumindest wenn sie sich die Titel legal beschaffen.

Das Startup McGame aus Düsseldorf will sich in diesem Wettbewerb mit einem Discounter-Image einen Namen machen. Die Betreiber haben allerdings große Konkurrenz.

Der Handel mit Computerspielen ist in Deutschland ein Milliardenmarkt. Im Jahr 2011 lag der Umsatz mit dem Verkauf von Software bei 1,57 Milliarden Euro. Davon entfielen nach Zahlen des Branchenverbandes BIU 445 Millionen Euro auf Titel für den PC - also den Markt, den Anbieter wie Marktführer Steam vor allem erobern wollen.

Der digitale Vertrieb spielt bislang eine untergeordnete Rolle: Nur gut jedes vierte Spiel (27 Prozent) wurde im vergangenen Jahr heruntergeladen. Der Umsatz mit dem Download von Spiele-Software lag bei gerade mal 6 Prozent. Die Tendenz zeigt aber nach oben.

Kampf der Spiele-Plattformen

Steam ist nach Ansicht von Experten der Quasi-Standard der Spiele-Plattformen, wie Google bei Suchmaschinen. "Dahinter steckt eine langjährige Aufbauarbeit", sagt Professor Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn.

"Die Plattform bietet einen hohen Grad an Interaktivität und eine große, komfortable Bibliothek mit Spielen, die man auch später nutzen kann", erklärt der Fachmann für Computerspiele. Mehr als 30 Million aktive Nutzer zählt der Betreiber Valve.

Dahinter kämpft eine ganze Reihe von Anbietern um Aufmerksamkeit, die Telekom-Tochter Gamesload und Online-Ableger von MediaMarkt und Saturn etwa. Einen Teil dieses Marktes will sich auch das deutsche Startup Village1 Entertainment & Licensing mit seiner Plattform McGame sichern.

Seit November 2010 online, bietet McGame mittlerweile rund 1.200 Titel von vielen großen Spieleverlagen an. Mit Werbung im TV und im Internet macht es derzeit auf sich aufmerksam.

Web-Discounter greift an

McGame-Gründer Marco Hüsges sieht sich im Wettbewerb mit Gamesload, das 2.300 Titel im Repertoire hat. "Die Industrie begrüßt es, dass wir ein Gegengewicht zu Gamesload im deutschen Markt aufbauen", behauptet der Unternehmer.

Der stationäre Handel sei der "Hauptwettbewerber". Er setzt auf den "unaufhaltsamen Wandel" hin zur digitalen Distribution, so Hüsges.

McGame setzt auf ein Billig-Image, das deutet schon der Name an. Auf ihrer Website  wirbt die Firma mit Rabatten, die nicht selten im zweistelligen Prozentbereich liegen.

"Im Wettbewerb gegen die etablierten Anbieter kann McGame nur mit extremen Preisnachlässen punkten", erklärt Experte Müller-Lietzkow. "Die Frage ist, wie lange sie das durchhalten." Durchaus denkbar ist auch, dass McGame sich einen Namen machen will, um für einen Käufer attraktiv zu werden.

Flatrate für Games

Neben den Preisen will McGame mit neuen Funktionen punkten. "Bis Ende des Jahres" plant das Portal einen Cloud-Dienst für Spiele, mit dem Nutzer ganze Spiele streamen können.

Ein zeitlich limitiertes Streaming soll bereits in den nächsten Wochen gestartet werden. "Wir lassen die Nutzer bis zu 30 Minuten gratis spielen und bieten ihnen dann die Vollversion zum Kauf an", erklärt Hüsges.

Damit schaut sich McGame ein erprobtes Rezept ab. Gamesload zum Beispiel betreibt die Website gamesflatrate.de, über die Nutzer bestimmte Spiele gegen eine monatliche Gebühr ebenfalls streamen können. Ein Teil der Daten wird immer übers Netz übertragen, eine lokale Installation ist nicht nötig.

Dienste wie OnLive und Gaikai, die bislang nur in den USA verfügbar sind, setzen ausschließlich auf dieses Prinzip - mit Ergebnissen, die Experten beeindrucken. Die Konkurrenz ist also groß.

Christof Kerkmann, dpa