Matthias Moll spricht im Rahmen der ContentMarketing-Conference am 5. März in Köln
Matthias Moll spricht im Rahmen der ContentMarketing-Conference am 5. März in Köln
Die meisten Händler konzentrieren sich beim Content-Marketing auf eigene Blogs, die eigene Website oder eigene Social Media Angebote. Dabei wird häufig übersehen, dass es neutrale Plattformen gibt, die bereits über beträchtlich viel Traffic verfügen. Gutefrage.net ist ein solches Forum. Breit angelegt mit einer Vielzahl von Themen, Marken und Onlineshops, die permament von den Nutzern diskutiert werden. etailment sprach mit Matthias Moll, dem Marketingleiter von Gutefrage.net über die Chancen und Möglichkeiten für den Handel.

 

Content-Marketing, der große Hype der letzten beiden Jahre, wird im eCommerce weiterhin unterschätzt. Während StartUps wie Amorelie oder GartenXXL redaktionelle Inhalte längst in das Zentrum ihrer Onlineshops stellen und etablierte Online-Verkäufer wie Butlers mit innovativen Formaten wie Video-Chat die Themen Marketing und Beratung im Netz kreativ kombinieren, bleibt das Gros der E-Commerce-Anbieter bei diesem Thema außen vor und überlässt den Marken das Feld weitgehend kampflos. Statt dessen wird Traffic und somit Neukunden teuer über Suchmaschinen- oder Displaywerbung eingekauft. Vielleicht wird es Zeit umzudenken.

Der britische Marketingdienst EConsultancy sieht vor allem Foren im Zentrum einer modernen Marketing- und eCommerce-Strategie. Das Last-Minute-Portal LateRooms fand durch den Einsatz von Monitoring-Software einen größeren Thread in einem Forum, in dem sich Kunden negativ über das Portal ausließen. LateRooms nahm direkt Kontakt zu den Teilnehmern auf und befriedete den Konflikt (siehe Link am Ende).

Herr Moll, was bedeutet Content-Marketing für Gutefrage.net?

Matthias Moll: Wir haben damit bereits 2009 begonnen. Zu Anfang gab es eine klare SEO-Perspektive. Wir konnten feststellen, dass wir auf unserer Plattform attraktive Inhalte haben, die sich auch für Seeding eignen und sich zum Beispiel über Social Media gut verbreiten lassen. Inzwischen sind wir einen Schritt weiter. Wir bereiten selbst Inhalte auf und regen die Community zur Teilnahme an.

Das Seeding geschieht via Facebook und Twitter?

Moll: Auch, aber vor allem über Themenblogs. Die nehmen unsere Inhalte gerne auf. Im Grunde machen wir eine Art moderner PR auf diesem Weg.


Wie binden Sie die Community in die Erstellung der Inhalte ein?

Moll: Wir erzeugen spezielle Themenseiten, zum Beispiel zum Thema Radfahren mit Kind oder Gut Wohnen. Bei Gut Wohnen haben wir eine neutrale Expertin integriert, die verschiedene Tipps gibt. Dann haben wir über einen Zeitraum von einem Monat verschiedene Mitmachaktionen gestartet. Da waren Umfragen dabei, ein Fotowettbewerb oder ein Wettbewerb zu Einrichtungstipps. Die User geben dann immer Feedback, ob sie einen Tipp gut finden und dadruch sammelt der Tippgeber Punkte und wird eventuell zum Ratgeber-Held. Außerdem haben wir den beliebtesten Baumarkt gesucht.

 

Der Saturn-Gutschein kommt direkt von Gutefrage.net, wäre aber eine Idee für künftige Kooperationen mit Onlinehändlern
Der Saturn-Gutschein kommt direkt von Gutefrage.net, wäre aber eine Idee für künftige Kooperationen mit Onlinehändlern

Inwieweit beteiligen sich Marken und Onlinehändler an den vielfältigen Diskussionen  auf Ihrer Plattform?

Moll: Bei den Marken gibt es einige, die schon recht aktiv dabei sind und mit uns gemeinsam Aktionen machen. Samsung, die Targobank oder Cosmos Direkt haben sich hier zum Beispiel engagiert bzw. engagieren sich. Aus Sicht des eCommerce sehen wir noch keine Aktivitäten und das ist eigentlich schade, weil Händler ja produktunabhängig Tipps geben können. Damit würden Sie sich Glaubwürdigkeit aufbauen.

 

Erhalten die Marken von Ihnen Feedback über das, was in den Communities über sie geredet wird?

Moll: Noch nicht direkt. Sie können das natürlich selbst über die Suche finden oder über externe Monitoring Tools Aber das ist ein Thema auf unserer Agenda.

 

Eine funktionierende Community würde sich gut für Produkttests eignen.

Moll: Da finden gerade in diesem Moment erste Gespräche statt. Wenn wir der Community Fragen nach ihren Lieblingsprodukten stellen, dann entstehen dort häufig schon sehr fruchtbare Diskussionen über Vor- und Nachteile von Produkten. Das Interesse der Nutzer ist da, man muss sie nur beteiligen. Bei der Suche nach dem beliebtesten Kopfhörer haben wir einen Saturn-Gutschein als Preis ausgelobt.

 

Wenn Sie heute neu eine ContenMarketing-Strategie aufsetzen würden, was würden sie anders machen, als vor vier Jahren?

Moll: Ich würde von Beginn an auf effiziente Abläufe achten. Ohne eigene Redaktion geht es nicht. Wir würden aber auch von Beginn an enger mit der Community arbeiten, denn da sind Experten darunter, die stellen viele professionelle Ratgeber in den Schatten. Die stärkere Einbindung der Community ist auch dieses Jahr vorrangiges Ziel.

 

Was würden Sie Themenexperten raten, die sich gerne an den Diskussionen in Ihren Foren beteiligen wollen?

Moll: Das ist nicht neu: Die Beiträge sollten nicht werblich sein und vor allem kontinuierlich kommunizieren. Wenn sie das beherzigen, dann können Sie sich hier einen hohen Expertenstatus erwerben. Umgekehrt funktioniert es freilich auch: Vielleicht findet ein Unternehmen bei uns auch den Experten, den das Unternehmen gerade sucht.

 

Gibt es dedizierte Kooperationsformen mit Marken und Händlern?

Moll: Wir haben für Unternehmen verschiedene Möglichkeiten entwickelt, die im Umfang und der Tiefe der Integration in die Community sehr unterschiedlich sind. Das geht über Produkttests bis hin zu Expertensprechstunden. Aber wir sind für Gespräche und Ideen immer offen.

Weiterführende Links

Foren im Zentrum des Social Media Marketing - EConsultancy

Beispiel für Content Marketing bei Gutefrage.net