Kioske setzen 8,5 Milliarden Euro im Jahr um. Aber das Geschäft wird härter, seit die Lebensmittelmärkte länger geöffnet haben. Bier, Tabak und Zeitungen reichen als Sortiment nicht mehr.

Sie heißen Mini-Market, Büdchen oder "Jörg's Kiez-Bistro": An Kiosken in Deutschland kommen jeden Tag Hunderttausende auf dem Weg zur Arbeit oder in der Nachbarschaft vorbei.

Um die Gunst der Laufkundschaft müssen viele Kleingeschäfte inzwischen aber härter kämpfen. Denn nach der weitgehenden Freigabe der Ladenschlusszeiten öffnen auch Supermärkte bis in den späten Abend, Tankstellen-Shops und Einkaufspassagen in größeren Bahnhöfen machen ihnen nicht nur sonntags Konkurrenz.

Um sich trotzdem zu behaupten, setzen Lädchen-Betreiber mehr und mehr auf zusätzliche Angebote von Cappuccino zum Mitnehmen über Bioprodukte bis zu besonderen Serviceleistungen.

Der Wettbewerbsdruck steigt

"Kioske bekommen wachsenden Wettbewerb zu spüren", heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Akut vom Aussterben bedroht sind die kleinen Geschäfte mit nur wenigen Quadratmetern Verkaufsfläche oder Fensterluken zur Straße zwar nicht.

Ihre Zahl geht aber leicht zurück - von bundesweit fast 48.000 vor fünf Jahren auf 47.400 Anfang vergangenen Jahres, wie Daten des Marktforschers Nielsen ergaben.

Mitgezählt wurden dabei jeweils Saison-Kioske, die nur monatsweise öffnen, Imbisshallen und Kinotresen. Im gesamten Einzelhandelsmarkt (400 Milliarden Euro) sind die Büdchen mit ihren rund 8,5 Milliarden Euro Jahresumsatz auch keine unbedeutende Nische.

Gutes Sortiment, gute Preise

Dass ein Standardangebot zum Überleben kaum mehr ausreicht, haben viele Betreiber jedoch erkannt. Zigaretten, Zeitungen, Zeitschriften, Eis oder Bier locken weiterhin Käufer an. In der Kasse landen dadurch aber meistens nur wenige Euro.

"Die Herausforderung besteht gerade in der jetzigen Zeit darin, Kunden im Shop mit einem ansprechenden Sortiment, attraktiven Preisen und gutem Service zu Zusatzkäufen zu bewegen und sich damit gegenüber der Konkurrenz zu profilieren", sagt Stefan Punke, Geschäftsführer des Großhändlers Lekkerland Deutschland, der 66.000 Verkaufsstellen in der Republik beliefert, darunter ein Viertel kleine wie Kioske, Tabakläden oder Bäckereien.

Handykarten und Blumen

Denn Mini-Märkte und Trinkhallen bewegen sich in einem Segment, in das die ganze Handelsbranche derzeit große Hoffnungen setzt - das Geschäft mit frischen, fertig zubereiteten Speisen und Getränken für unterwegs unter dem Schlagwort "Convenience" (Bequemlichkeit). "Das gibt neue Chancen für Kioske", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Vielversprechend sein könnten zum Beispiel neben Kaffeevariationen und Brötchen auch Busfahrscheine oder Veranstaltungstickets. Manche Lädchen bieten schon Salate, Kuchen und belegte Bagels, andere außer Handykarten auch Briefmarken, Blumen oder Öko-Lebensmittel.

Wo sich der Pendler sein Frühstücksbrötchen holt

Bei der Zusammenstellung des Sortiments komme es auf Lage, Größe und Kundenstruktur jedes Geschäfts an, heißt es bei Lekkerland. Das gilt auch für die rund 400 Kioske und Läden auf den U-Bahn-Stationen in Berlin. In den Gängen zentraler Bahnhöfe wie am Alexanderplatz eilen den ganzen Tag über Käufermassen an den Ladentheken und Imbissständen entlang.

An weniger frequentierten Endstationen sind Kioske dagegen vor allem morgens der erste Kontakt für Pendler, die sich vor der Fahrt zum Arbeitsplatz eine Zeitung oder ein belegtes Brötchen kaufen.

Wenig Leerstand

Wenn ein Betreiber aufhöre, gebe es meist rasch einen Nachmieter, sagt Klas Beyer, Geschäftsführer der Urbanis GmbH, die als Tochter der Berliner Verkehrsbetriebe für die Kiosk-Vermarktung zuständig ist. Der Leerstand liege seit Jahren bei weniger als drei Prozent.

Auch der Einzelhandel sieht trotz wachsender Konkurrenz nach wie vor einen Bedarf für die kleinsten Lädchen, in denen der Inhaber oft selbst die Kunden bedient. Kioske hätten einen ureigenen Vorteil, versichert Pellengahr: "Das Einkaufen geht dort blitzschnell."

Sascha Meyer (dpa)