Als Einzelkämpfer werden Unternehmen zukünftig nur noch schwer im internationalen Wettbewerb bestehen können. Höhere Wertschöpfung ist nur durch "Coopetition" (Cooperation-Competition) möglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Meta Group.

Als Einzelkämpfer werden Unternehmen zukünftig nur noch schwer im internationalen Wettbewerb bestehen können. Innovative Firmen setzen schon jetzt auf eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit ihren Kunden und Lieferanten und können so die Kosten ihrer Supply Chain um bis zu 50% reduzieren. Doch bis jetzt nutzen nur gut 20% der deutschen Unternehmen ein Supply-Chain-Management-System, das die Grundvoraussetzung für eine firmenübergreifende Kollaboration ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Meta Group in einer neuen Studie zum Thema "Supply Chain Management & Collaboration in Deutschland".

Laut Studie lässt sich die unternehmensübergreifende Kollaboration sich in drei aufeinander aufbauende Phasen einteilen. Der erste Schritt ist die so genannte Transaktionsautomation, in der via EDI einzelne Datensätze, wie beispielsweise Rechnungen, dem Partner in elektronischer Form übermittelt werden. In der zweiten Phase nutzen die Unternehmen gemeinsam operative Daten, beispielsweise das Cash Management, via Web-Zugriff. In der letzten Phase, der echten "Collaboration", werden die Prozesse zwischen den Unternehmen via XML miteinander geteilt, und die Firmen stellen einen durchgängigen Informationsfluss über alle Stufen der "Commerce Chain" sicher, so dass die beteiligten Organisationen Teil eines einzigen, virtuellen Unternehmens werden. Die Meta Group geht davon aus, dass künftig nicht mehr einzelne Unternehmen miteinander im Wettbewerb stehen, sondern Commerce Chains, die sich in unterschiedlichen Wettbewerbssituationen neu zusammensetzen.

Die Unternehmensberater der Meta Group verstehen unter "Commerce Chain Management" (CCM) die Bereitstellung von integrierten internen und externen Geschäftsprozessen, mit denen der gesamte Produktlebenszyklus beziehungsweise Servicezyklus bei allen Beteiligten optimiert wird.

"Im Laufe der nächsten beiden Jahre wird sich die Commerce Chain Collaboration hin zu einer webfähigen Prozessintegration der wichtigen Geschäftspartner weiterentwickeln", ist sich Frank Naujoks, Consultant in der Enterprise Application Practice der Meta Group, sicher. "Entscheidend sind dann nicht mehr die einzelnen Unternehmen, wettbewerbsrelevant ist die Effektivität der Commerce Chain mit allen beteiligten Partnern und Lieferanten." Die effektive und schnelle Interaktion mit Kunden, Partnern sowie Lieferanten und die damit einhergehende Öffnung des eigenen Unternehmens und seiner Systeme zur Integration in die Commerce Chain seien die Schlüsselfaktoren zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.

"Effektives CCM, welches unternehmensübergreifend, über die Grenzen der Firma hinaus integriert ist, bietet innovative und kreative Möglichkeiten, den Kunden eine höhere Wertschöpfung zu bieten und gleichzeitig äußerst effizient zu sein", ist Naujoks überzeugt. Dies sei nur möglich durch "Coopetition" (Cooperation-Competition). In einer Wertschöpfungskette trete ein Unternehmen als Partner auf, in einer anderen als Konkurrent. "Die Firmen müssen möglichst schnell begreifen, dass sie zukünftig im weiter zunehmenden internationalen Wettbewerb nur noch bestehen können, wenn sie sich hin zu einem prozessorientierten Denken und Handeln entwickeln und das Kästchendenken der funktionalen Organisationsstruktur überwinden", ist Naujoks überzeugt.

Im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre werden laut Studie E-Business- und Business-Strategien nahtlos miteinander integriert. Auch Commerce-Chain-Initiativen müssten dann zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie werden. "Deshalb müssen sich die CIOs in diesem Jahr auf die Entwicklung einer Commerce Chain vorbereiten und nach entsprechenden Möglichkeiten suchen, und zwar mit funktionsübergreifenden Teams, die Zugang zu unternehmensübergreifenden Commerce-Chain-Projekten haben und diese mitdefinieren", fordert Naujoks. Bis 2003 sollten dann gemeinsam mit anderen Teilnehmern der Commerce Chain engere kollaborative Links ausgearbeitet sowie eine kollaborative Planung und kollaborative Prozesse entwickelt werden. Commerce Chains würden zunehmend funktionsübergreifend arbeiten, und so könnten führende Unternehmen ihre Rolle in der jeweiligen Branche neu definieren und in der Lage sein, sich bis 2003-05 erhebliche Wettbewerbsvorteile zu sichern. (ST)


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