Eckhard Cordes hat sich abermals für eine Warenhaus AG ausgesprochen. Der Metro-Chef denkt bei einer Allianz von Kaufhäusern sogar über die deutschen Grenzen hinaus.

Eckhard Cordes hat neue Dynamik in das Gezerre um die Zukunft von Karstadt bebracht. Dabei sind die Visionen des Vorstandsvorsitzenden der Metro Group nicht neu.

"Eine gute Lösung ist der Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt", sagte Cordes der Zeitung "Welt kompakt". "Irgendwann wird es zu einem Zusammenschluss kommen, wann und unter welchen Umständen auch immer."

Cordes hatte längst Interesse an Karstadt angemeldet - jedoch nur für 60 der insgesamt 120 Häuser. Andererseits bemüht sich Metro seit geraumer Zeit, seine Tochter Kaufhof zu veräußern und rechnet dafür mit Einnahmen in Milliardenhöhe.

Allerdings zeigte sich Cordes zuletzt vorsichtig, ob der Verkauf noch in diesem Jahr zustande kommt. "Wir werden jetzt mal abwarten, was mit Karstadt passiert, damit wir auch ein klares Bild haben", sagte der Metro-Vorstandsvorsitzende bei der Vorstellung der Konzernzahlen für das zweite Quartal.

Der Metro-Vorstand werde im zweiten Halbjahr entscheiden, in welcher Intensität die Gespräche mit potenziellen Investoren für Kaufhof fortgeführt werden, sagte Cordes. Es bestehe kein Zeitdruck, bekräftigte er mit Verweis auf die aktuelle Geschäftsentwicklung.

Kaufhof im Aufwind

Und diese Entwicklung läuft für Kaufhof wieder gut. Im ersten Halbjahr 2010 stieg der Umsatz des Warenhauses um 0,4 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro. Das ist nach Unternehmensangaben der erste Halbjahreszuwachs seit langem.

Die Metro-Tochter Real ist dagegen wohl nicht mehr vom Verkauf bedroht. Cordes sagte der "Welt am Sonntag", eine Trennung des SB-Warenhauses sei "derzeit unwahrscheinlich".

Momentan steige die Rendite dank des eingeleiteten Sanierungsprogrammes. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist Real für uns ein gutes Geschäft", betonte Cordes. Metro hatte seit Jahren Anstrengungen unternommen, das Deutschland-Geschäft von Real zu sanieren.

Cordes denkt europäisch

Auch Kaufhof-Chef Lovro Mandac hatte sich im Interview mit Der Handel vor einiger Zeit deutlich für eine Warenhaus AG aus Karstadt und Kaufhof ausgesprochen.

"Es ist die sinnvollste Lösung für Karstadt und vor allem für seine Mitarbeiter. Galeria Kaufhof ist als Einzelhandelsunternehmen sehr erfolgreich und versteht den deutschen Markt. Unser System ist so ausgelegt, dass wir die Karstadt-Häuser - wir reden hier von rund 60 Filialen -  direkt weiterführen könnten. Damit wäre auch die Großzahl der Arbeitsplätze gesichert", sagte er seinerzeit.

Cordes denkt nun sogar über Deutschland hinaus. Eine europäische Warenhausallianz habe "viel Charme", sagte er der "Welt kompakt". "So könnten Warenhäuser in Deutschland von Erfahrungen in den anderen Ländern und von gemeinsamen Einkaufsvorteilen profitieren und auch Marken bekommen, die bisher von europäischen Wettbewerbern, aber nicht von uns, angeboten werden können."

Borletti klingt wie Cordes

So ähnlich klang zuletzt auch der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti, der neuerdings als Karstadt-Bieter auftritt. Borletti zeigte sich vor gut zwei Jahren auch einmal an Kaufhof interessiert. Dass er in den aktuellen Kaufverhandlungen für Karstadt noch zum Zuge kommt, hält der Verwalter des insolventen Warenhauses Klaus Hubert Görg für unwahrscheinlich.

Unterm Strich können die 25.000 Karstadt-Beschäftigten noch immer nicht aufatmen. Spätestens am vergangenen Sonntag hätte eigentlich der Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette durch den Investor Nicolas Berggruen unterzeichnet werden müssen. Doch wie die Nachrichtenagentur dpa aus Verhandlungskreisen erfuhr, war diese Frist nicht einzuhalten.

Um 24 Uhr sollte automatisch ein sogenannter Vorratsbeschluss in Kraft treten, den der Karstadt-Gläubigerausschuss am vergangenen Donnerstag in Essen getroffen hatte. Dieser Beschluss versetzt den Insolvenzverwalter und das Essener Insolvenzgericht in die Lage, die Frist für den Kaufvertrag am kommenden Dienstag noch einmal zu verlängern.

Essener Amtsgericht will die Fakten sehen

Woran es derzeit noch hapert, sind die Mietbedingungen für den Bieter Nicolas Berggruen. Der deutsch-amerikanische Investor verlangt vom Vermieterkonsortium Highstreet eine deutliche Mietminderung.

Highstreet ist dazu grundsätzlich bereit, hat aber Dutzende Gläubiger, die alle ihr Einverständnis geben müssen. Und das kann dem Vernehmen nach noch dauern.

Die nächste Etappe ist am Dienstag vor dem Essener Insolvenzgericht. Dort muss der Insolvenzverwalter die Faktenlage schildern, und auf dieser Grundlage entscheidet das Gericht dann darüber, ob das insolvente Unternehmen weiteren Aufschub bekommt. Die von Borletti hat der Gläubigerausschuss verworfen.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte am Wochenende die nervenzehrenden Verzögerungen. Es gehe um die Existenz von 25.000 Karstadt-Beschäftigten und 30.000 Mitarbeitern bei Lieferanten und anderen Dienstleistern, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der "Bild am Sonntag".

"Um dem Unternehmen eine dauerhafte Perspektive zu sichern, sind alle Beteiligten dazu verpflichtet, jetzt zügig und konstruktiv die letzten Hindernisse aus dem Weg zu räumen", mahnte die Gewerkschafterin.

dpa /