Langweilig war das Jahr aus Sicht von Amazon keineswegs. Der E-Commerce-Riese unter der Führung von Jeff Bezos hat Monat für Monat für Schlagzeilen gesorgt. Von Instant Video über Kindle Unlimited bis hin zu mehr oder weniger erfolgreichen Fire-Produkten – Amazon hat wieder versucht, die Messlatte im E-Commerce hochzulegen. Wie das rastlose Jahr von Jeff Bezos' Unternehmen im Detail aussah, zeigen wir hier.

Amazon Webstore: Die Mietshop-Lösung von Amazon wurde in Deutschland eingestellt. Das Interesse auf dem deutschen Markt war offenbar nicht ausreichend groß, als dass sich der Webstore rentiert hätte.

Amazon Instant Video: Der Video-on-Demand-Dienst ist seit Jahresanfang in dem Prime-Programm integriert. Prime-Mitglieder können sich tausende Filme und Serien anschauen. Damals war vom jetzigen Konkurrenten Netflix noch keine Rede.

Suchfunktion: In der US-App von Amazon können Produkte nicht nur wie in Deutschland per Eingabe oder Barcode-Scan gesucht werden, sondern auch via Spracheingabe und Scan. Es ist also möglich, ein Produkt zu fotografieren, um das Produkt bei Amazon zu kaufen. Der befürchtete große Aufschrei im Einzelhandel blieb allerdings aus.

Der B2B-Bereich: Er wächst und wächst. Wer nach speziellen Industrie-Produkten googelt, der landet schon heute oft bei Amazons US-B2B-Shop AmazonSupply. Es gibt Spekulationen, dass Amazon damit im ersten Quartal 2015 nach Europa und Deutschland kommen könnte.

Feuer und Flamme: 2014 war für Amazon eindeutig das Jahr der Fire-Produkte: Fire Phone, Fire TV, Fire TV Stick. Der erhoffte Erfolg blieb allerdings aus. Stattdessen machte Amazon eher damit Schlagzeilen, das Fire Phone zu einem spottbilligen Preis unter Produktionskosten verscherbelt zu haben. Ein Mega-Flop für Jeff Bezos. Die Zukunft der Horchbox "Echo" ebenso wie die Scan-Hilfe "Dash"- unklar.



Bücher-Offensive:
Die Verlagsbranche ist nicht wirklich gut auf Amazon zu sprechen. Protestwellen machten sich weltweit breit. Amazon ließ sich davon aber wenig beeindrucken. Im Gegenteil: Mit Kindle Unlimited hat man eine eBook-Flatrate auf den Markt gebracht, die für ordentlich Furore gesorgt hat.

Fintech-Sektor: Es scheint, als ob Amazon nach und nach in alle E-Commerce-Bereiche eindringen möchte. Nun an der Reihe: Die Payment-Branche. Das Einkaufen soll so einfach wie möglich gemacht werden, zum Beispiel durch die Funktion „Login und Bezahlen mit Amazon“. Dazu gehört aber auch die Einführung der App Amazon Wallet. Außerdem ist es möglich, den Twitter-Account mit dem Amazon-Account zu verknüpfen und Produkte per Tweet mit dem Hashtag #AmazonCart in den Warenkorb zu legen.



Angriff auf den stationären Handel: Als bedrohe der E-Commerce-Gigant den kleinen Laden von nebenan nicht schon genug, tritt Amazon weiter auf das Gaspedal, um den stationären Handel abzuhängen beziehungsweise mit ihm Geld zu verdienen. Ein Mittel dafür ist das Kreditkartenterminal „Local Register“, das Magnetstreifen auslesen kann und in Kombination mit der Amazon-App funktioniert. Außerdem kamen im Herbst auch erste eigene Offline-Filialen ins Gespräch. Lokal orientiert auch "Amazon Service", der gerade erst in den USA angestoßene Marktplatz für lokale Dienstleistungen. Das schwächt den lokalen Handel. In diesesm bekommt auch der der Vorstoß ins Pampers-Geschäft mit der Eigenmarke „Amazon Elements“ noch einmal zusätzliche Bedeutung.



Lieferservice:
Auch an der Zustellung hat Amazon gearbeitet. Während an vielen Orten mit Drohnen experimentiert wird, will Amazon in den USA Fahrradkuriere einsetzen. „Prime Now“ nennt sich dieser noch schnellere Zustellservice. Der Versand hingegen ist jetzt nicht mehr ab einem Mindestbestellwert von 20 Euro, sondern erst ab 29 Euro kostenfrei.


Weihnachten hui, alles in allem pfui: Während das Weihnachtsgeschäft im letzten Jahr rekordverdächtig gut verlief und besonders die eigenen Kindle-Produkte ein Verkaufsschlager waren, sehen die Zahlen vom gesamten Jahr nicht prickelnd aus. Etwas schlimmer sogar: Im letzten Quartal 2014 war der Verlust so hoch wie die ganzen letzten Jahre zuvor nicht. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Innovationsfreude im nächsten Jahr nicht weniger groß sein wird. Jeff Bezos ist es zu wünschen, dass sich diese dann auch auf den Gewinn auswirken wird. Neues Jahr, neues Glück.

Grafik: Statista