Thalia und Hugendubel schließen Läden, verringern Verkaufsflächen. Auch andere Händler machen dicht. Der stationäre Buchhandel befindet sich im Umbruch. Doch der Markt wird keineswegs nur Amazon überlassen.

Eine Buchhandlung mit leeren Regalen ist ein trauriger Anblick: Bei Lehmanns in der Innenstadt von Hannover gibt es keine Zeitschriften mehr, die Krimi-Ecke ist verwaist. In Eingangsnähe steht ein Grabbeltisch mit reduzierten Rätselbüchern, Kalendern und Krimskrams.

Am 17. Januar schließt das wohl größte Buch-Kaufhaus der niedersächsischen Landeshauptstadt. Trotz des engagierten Mitarbeiter-Teams sei es nicht gelungen ist, die Fläche von 3.500 Quadratmeter dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben, begründet Lehmanns das Ende seiner bundesweit größten Filiale.

Thalia schließt Läden in Bonn und Dortmund

Noch bis vor wenigen Jahren galten die Branchenriesen Thalia oder Hugendubel als Schreckgespenster. Vielerorts mussten inhabergeführte, traditionsreiche Buchläden dichtmachen, weil in der Nähe die durchgestylte Filiale einer Kette eröffnete. Als defizitäre Tochter des Konzerns Douglas gab Thalia jedoch seit Anfang 2012 rund 20 Standorte auf - unter anderem in Bonn und Dortmund.

Deutschlands zweitgrößter Buchhändler Hugendubel setzt auf kleinere Filialen und schließt im April sein 4.000 Quadratmeter großes Haus in Stuttgart.

Sterben die Buchhandlungen angesichts der übermächtigen Internet-Konkurrenz von Amazon? Ist im digitalen Zeitalter das Angebot von Hunderten Büchern zum Durchblättern beim Kunden nicht mehr gefragt? Ein mehrstöckiges Erlebnishaus mit Leseecken und angeschlossenem Café scheint sich gerade in Premiumlagen angesichts steigender Mietkosten nicht mehr zu rechnen.

Die Branche ist trotzdem optimistisch. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagt: "Dass die großen Ketten die Anzahl ihrer Filialen reduzieren, ist ein Marktbereinigungsprozess, aber kein Indiz für einen schwächelnden deutschen Buchmarkt." Viele "Amazon-Rückkehrer" kämen in die Buchläden. "Die Leute sind sehr sensibel geworden für Geschäftsmodelle wie das von Amazon, dessen Chef sagt, man müsse Verlage jagen wie Gazellen, und ein Monopol anstrebt."

Online-Buchhandel büßt ein

2013 sei die Entwicklung des Online-Geschäfts erstmals rückläufig, während der Buchhandel vor Ort ein Plus machte, sagt der Chef des Börsenvereins. Amazon dagegen beobachtet nicht, dass Buchkunden weniger im Internet bestellen. "Wir können eine solche Entwicklung nicht bestätigen", heißt es aus der deutschen Amazon-Zentrale in München.

Die Bücherliebhaberin Marion Kropp aus München lässt sich lieber in einen Laden inspirieren, statt am Computer Romane zu bestellen. Als die Malerin erfuhr, dass Hugendubel ausgerechnet die Filiale am Marienplatz schließen will, startete sie eine Online-Petition für ihren Erhalt. "Den Hugendubel am Marienplatz kennt und liebt jeder. Er ist eine Institution, die dahin gehört", betont Kropp und schwärmt vom einmaligen Blick durch die Glasfassaden auf das Rathaus.

Buchläden für den kulturellen Austausch in Städten

Enttäuscht ist sie, dass die Kommunalpolitiker ihr Anliegen so wenig unterstützt hätten. Nach jetzigem Stand zieht Hugendubel in diesem oder nächsten Jahr aus. Die Rede ist davon, dass die Telekom die Immobilie mieten wird.

Auch wenn es kein Massensterben von Buchhandlungen gibt, sieht der Börsenverein Handlungsbedarf. Es gebe Gespräche mit kommunalen Spitzenverbänden, wie man politisch umsteuern könne, sagt Skipis. Buchläden seien Orte des kulturellen Austausches. "Wenn derzeit Buchhandlungen verschwinden, werden sie durch Billigmodeketten oder Handyläden ersetzt. Das ist keine gute Entwicklung."

In Hannover soll nach dem Auszug der Lehmanns Buchhandlung unter anderem eine Drogeriekette in das altehrwürdige Geschäftshaus einziehen.

Christina Sticht, dpa