Ende Oktober 1969 gab es die erste Fernverbindung zweier Computer: Das Internet war geboren - oder zumindest dessen Vorläufer.

Das Internet feiert seinen vierzigsten Geburtstag: Am 29. Oktober 1969 vernetzten amerikanische Forscher erstmals zwei Computer per Fernverbindung über Modem und Telefonstandleitung. Somit war der direkte Vorläufer des Internet geschaffen, das so genannte Arpanet: Denn erstmals wurden Computer zur Kommunikation genutzt und nicht nur als bloße Rechenmaschinen. Diese technische Pionierleistung ist letztlich auch die Basis für das heutige E-Commerce.

Während das Ur-Internet in den Anfängen nur wenigen Wissenschaftlern zugänglich war, nutzen heute rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit das Datennetz. Auch sieben von zehn Deutschen haben inzwischen einen Onlinezugang. "Das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken", schreibt Professor August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, in der "Geburtstags-Pressemeldung" des Verbandes.

Antwort auf Sputnik

Den Internet-Grundstein hat die amerikanische Forschungsagentur Arpa gelegt. Die Abkürzung steht für "Advanced Research Projects Agency". Die Arpa sollte die Forschungsoffensive im Hochtechnologiebereich koordinieren. Es war die Zeit des Kalten Krieges, und die amerikanische Regierung wollte auf den russischen Satelliten Sputnik reagieren.

Die Idee war, ein dezentrales Netzwerk zu schaffen: Es sollte unterschiedliche amerikanische Universitäten miteinander verbinden, die für das Verteidigungsministerium forschten. Das damals revolutionäre Konzept enthielt schon die grundlegenden Aspekte des heutigen Internet. Die Verbindungen wurden über Telefonleitungen hergestellt.

Pentagon als Finanzier

Die Arpa initiierte Ende der sechziger Jahre ein Programm zur Grundlagenforschung der Computervernetzung, auch, damit die teure Rechnerkapazität an verschiedenen Orten besser genutzt werden konnte.

Das 1962 gestartete Projekt wurde zunächst vom Verteidigungsministerium abgelehnt, im Jahre 1965 aber wieder aufgegriffen und 1969 verwirklicht. Anfangs vernetzte das Netzwerk nur die vier wissenschaftlichen Einrichtungen Stanford Research Institute, University of Utah sowie die University of California in Los Angeles und Santa Barbara.

Der Mythos vom militärischen Zweck

Es hält sich auch der Mythos, dass das Arpanet allein zu militärischen Zwecken geschaffen worden sei, um selbst im Falle eines Atomkriegs kommunizieren zu können. Die Geschichte klingt gut und hält sich entsprechend hartnäckig.

Sicher ist, dass die Arpa vom amerikanischen Verteidigungsministerium finanziert wurde: Ein Interesse, die Ergebnisse der Grundlagenforschung auch für militärische Zwecke zu nutzen, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein. Das primäre Ziel soll aber die Vernetzung von Großrechnern gewesen sein. "Der Erfolg des Internet belegt, wie wichtig Grundlagenforschung auch im Bereich der Informatik und Computerwissenschaften ist", sagt Bitkom-Präsident Scheer

Knotenpunkte IMP

Als "Übersetzer" zwischen den Rechnern dienten spezialisierte Computer, die so genannten Interface Message Processors (IMP). Ihre Aufgabe war es, die einzelnen Informationspakete zwischen den verbundenen Computern hin und her zu schicken. Diese IMPs sind die Vorfahren der Router, die heute eingesetzt werden.

Der erste IMP-Knoten wurde September 1969 in Los Angeles an der dortigen Universität installiert. Einen Monat später wurde der zweite IMP am Stanford Research Institute in der Nähe von San Francisco aktiviert. Am 29. Oktober vor vierzig Jahren war es dann soweit: Die erste Fernverbindung zwischen den beiden Rechenzentren konnte über Telefonstandleitung und Modem hergestellt werden.

Der erste Versuch scheiterte

Doch den Forschern ging es wie vielen Nutzern in den Anfangszeiten des kommerziellen Internet: Die Verbindung hielt nur wenige Augenblicke. Beim Eintippen des Befehls LOGIN stürzte der Stanford-IMP ab.

Grund war ein Fehler im Terminal-Programm. Der zweite Anlauf eine Stunde später jedoch war erfolgreicher: Die Rechner in Los Angeles und Stanford kommunizierten relativ stabil miteinander. An der Universität von Santa Barbara kam im November der dritte, an der Universität von Utah im Dezember der vierte Knoten hinzu.

Europa kam 1973 ins Netz

In den folgenden Jahren wuchs das Netz zwar, blieb aber auf die USA beschränkt und war vergleichsweise grobmaschig. Im Januar 1973 bestand es aus 35 Arpanet-Knoten. Europa wurde 1973 angeschlossen: Das war der Start für ein internationales Netzwerk. Der erste Knoten in der alten Welt wurde in Großbritannien installiert, ein zweiter folgte im selben Jahr in Norwegen.

Zu dieser Zeit war das Arpanet ein Netzwerk für Universitäten, die im Auftrag der Arpa arbeiteten. Zu einem größeren Verbund wurde es erst 1983, als die Verwaltung des Arpanet an die zivile US-Wissenschaftsinstitution National Science Foundation überging und damit neue Institutionen angeschlossen werden konnten. Das Netzwerk stand allerdings weiterhin nur Hochschulen und Forschungseinrichtungen offen.

Massentaugliches Netz in den neunziger Jahren

In der Wahrnehmung der meisten Menschen ist das Internet wesentlich jünger. Erst in den neunziger Jahren, nachdem der britische Informatiker Tim Berners-Lee im Jahr 1989 die Anwendung "World Wide Web" entwickelt und die US-Forschungseinrichtung National Science Foundation 1990 das Internet für kommerzielle Zwecke geöffnet hatte, konnte es von allen Interessierten genutzt werden. Eingelagerte Grafiken öffneten sich jedoch noch nicht automatisch, sondern mussten erst angeklickt werden.

Als am 1. April 1993 der erste grafikfähige Internetbrowser von Mosaic auf den Markt kam, konnten auch Laien auf die Informationsvielfalt im Netz zugreifen: Der Browser NCSA Mosaic war eine Software mit grafischer Benutzeroberfläche (GUI). Das Seitendesign baute sich automatisch vollständig auf.

Dieser komfortablere Browser lief ursprünglich auf dem Betriebssystem Unix, wurde aber schon bald auf Apple Macintosh und Microsoft Windows portiert. Zum wirklichen Massenmedium entwickelte sich das Internet zur Jahrtausendwende – und erhält nun durch die Verbreitung des Breitbandes einen weiteren Schub.

Mehr Breitband für Deutschland

In absehbarer Zeit wird das Internet in Deutschland flächendeckend zum Hochgeschwindigkeitsnetz, ist sich der Verband Bitkom sicher: Die Bundesregierung hat im Frühjahr 2009 ihre Breitband-Strategie vorgestellt.

Danach sollen bundesweit bis spätestens Ende 2010 flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügbar sein. Bis zum Jahr 2014 sollen bereits für 75 Prozent der Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen.