Mit der Marke Jeep profitiert der Fiat-Konzern vom weltweiten Geländewagen-Boom. Nun sucht auch die Deutschlandzentrale weitere Händler für die amerikanischen Allradfahrzeuge.

Als Fiat-Boss Sergio Marchionne 2009 seinen transatlantischen Deal einfädelte und quasi im Handumdrehen den damals insolventen US-Hersteller Chrysler übernahm, ahnten nicht einmal Brancheninsider, welche Perle der Italiener entdeckte hatte. Im Paket mit dem Massenanbieter Chrysler fiel schließlich auch noch die Geländewagen-Kultmarke Jeep an den Turiner Konzern.

Und seither blüht der aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges entstandene Allradspezialist regelrecht auf. Mehr als 700.000 Jeeps fanden 2012 weltweit einen Liebhaber. In nur drei Jahren haben sich die Verkäufe damit glatt verdreifacht. Inzwischen sei "Jeep eine wichtige Säule in der globalen Konzernstrategie", wie der neue Fiat-Deutschlandchef Eric Laforge die stetig steigende Bedeutung der einstigen Nischenprodukte für besonders unerschrockene Fans umreißt. Schließlich ist der Trend zu Off-Road-Modellen allerorten ungebrochen.

Top-Modell Grand Cherokee überarbeitet

Auch die Deutschlandzentrale in Frankfurt am Main profitiert von dieser Entwicklung, wenngleich die Jeep-Verkäufe nach einem Anstieg um 35,8 Prozent in 2012 nun im ersten Halbjahr 2013 fast mit dem Gesamtmarkt (minus 8,1 Prozent) um 9,6 Prozent rückläufig waren.

Klar, dass die Italiener ihr amerikanisches Zugpferd nun weiter pflegen und auf die prestige- und margenträchtigen Modelle aus Übersee setzen. Nach nur drei Jahren Bauzeit erhält der Grand Cherokee (plus 125 Prozent Zulassungsplus in 2012 auf 3.100 Einheiten) eine umfangreiche technische und optische Überarbeitung mit Acht-Gang-Automatikgetriebe von ZF, Bi-Xenon-Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht und reichlich Holz und Leder im stattlichen Innenraum.

"60 Sicherheitsfunktionen"

Dazu gesellt sich ein 21,3 Zentimeter großer Navigationsbildschirm. "Das Display hält rund 100 Informationen für den Fahrer bereit und insgesamt verfügt der Grand Cherokee über 60 Sicherheitsfunktionen", rechnet Produktmanager Joachim Burkhardt mit sichtlichem Stolz vor.

Der 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel (184 kW/250 PS) vom italienischen Motorenspezialisten VM wurde im Verbrauch um 10 Prozent gesenkt und ist laut Herstellerangabe mit 7,5 Litern auf 100 Kilometern zufrieden. Die Preisliste beginnt bei 45.500 Euro für den kleineren der beiden Selbstzünder mit 140 kW/190 PS. Am anderen Ende der Preis- und Leistungsskala steht der mächtige Achtzylinder-Benziner mit 344 kW/468 PS für 76.900 Euro in der "SRT" genannten Vollausstattung.

Palette wird bis 2016 auf sieben Modelle ausgebaut

Schon jetzt ist Deutschland der größte Jeep-Markt außerhalb der USA. Und mit der anstehenden Produktoffensive ist weiteres Wachstum fast schon gewährleistet. Bis 2016 wird die Palette von derzeit vier auf sieben Modelle erweitert, im nächsten Jahr folgt zunächst die Neuauflage des Cherokee. Kein Wunder, dass Deutschland-Chef Laforge das Netz von aktuell 110 Verkaufsstützpunkten dichter knüpfen möchte und auf der Suche nach neuen Händlern ist.

Bernd Nusser