Intersport und der langjährige Vorstand Klaus Jost haben sich letztlich einvernehmlich getrennt. Passenderweise unmittelbar vor der Mitgliederversammlung, die dann harmonisch verlief.

So gestaltet man eine friedliche Generalversammlung einer Verbundgruppe. Erst schafft man eine pikante Personalie ordentlich aus der Welt und sorgt damit dafür, dass sich die Mitglieder in aller Harmonie treffen. Am Montag haben sich Intersport und dessen langjähriger Vorstand Klaus Jost über das Ende der Zusammenarbeit geeinigt, "einvernehmlich", wie es in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt.

Es dürfte nicht kühn sein zu behaupten, dass dieser Schritt beabsichtigt war, damit die Mitgliederversammlung des Sportartikelhandelsverbunds am Abend des selben Tages störungsfrei und mit dem gewünschten Ergebnis über die Bühne ging: Aufsichtsrat und Vorstand von Intersport haben von den Mitgliedern das Vertrauen ausgesprochen bekommen, und zwar mit "überwältigender Mehrheit", wie es heißt.

Im Unfrieden geschieden

Intersport und Jost waren im November 2014 im Unfrieden geschieden. Der alte und neue Aufsichtsratschef Knud Hansen war darüber vergrätzt, dass er in der Zeitung lesen musste, dass Jost gegen Intersport klagt. Zusammengefasst, wollte Jost die neue Vorstandsstruktur nicht mehr mittragen, wonach sein bisheriger Doppelspitzen-Partner Kim Roether zum alleinigen Chef des Vorstands aufgestiegen war.

Jost hätte freilich weiterhin dem Gremium angehören sollen mit den Ressorts Waren, Marketing und Vertrieb. Er protestierte aber gegen die neue Vorstandsstruktur. Nach seiner Ansicht verstieß diese gegen die Intersport-Satzung, nach der zwei oder mehr Vorstände gleichrangig nebeneinander eingesetzt sind. Er hatte schließlich am Landgericht Heilbronn Klage eingereicht.

Ein Gütetermin am 18. Dezember verstrich ergebnislos, nun haben sich beide Seiten geeinigt. Details zu der Lösung wollte Intersport nicht preisgeben. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Die Trennung kostet Intersport viel Geld, denn Josts Vertrag lief noch bis September 2017. Der gebürtige Frankfurter führte von 2001 bis 2014 die deutsche Intersport-Gruppe in einem zweiköpfigen Vorstand des Verbundes. Gleichzeitig leitete er seit 2002 zunächst als Vize- und ab 2009 als Präsident den Verwaltungsrat der Intersport International mit Sitz in Bern.

Kernige Worte vom neuen starken Mann

Der neue starke Intersport-Mann Roether betonte am Montag vor den Mitgliedern, welche Rolle die Verbundgruppe künftig spielen soll. "Kaufentscheidungen werden heute bereits zu 50 Prozent online vorbereitet. Dabei steht das Produkt im Mittelpunkt, nicht mehr der Händler. Der Kunde erwartet von uns, dass er seine Bedürfnisse bestmöglich erfüllt bekommt - egal wo. Deshalb brauchen wir einen Perspektivenwechsel in der Ansprache. Individualisiert und persönlich", sagte er.

Dabei sei ein gemeinsames Bekenntnis zum Multichannelhandel entscheidend für den künftigen Erfolg der Intersport. Das vor zwei Jahren gestartete Geschäftsmodell müsse von Mitgliedern und Mitarbeitern entschlossen weiterentwickelt werden. Roether betonte: "Die Frage nach online oder offline stellt sich nicht mehr. Der stationäre Fachhandel hat nur dann eine Perspektive, wenn er auf allen Kanälen mitspielt."

Zuletzt war Roether auch mit kernigen Worten in Richtung Sportartikelindustrie aufgefallen. "Es kann nicht sein, dass große Lieferanten durch Outlets und eigene Online-Aktivitäten ihren Kunden die Butter vom Brot nehmen, und dann noch erwarten, dass applaudiert wird", sagt er auf der Sportartikelmesse Ispo. Intersport, aber auch der kleinere Konkurrent Sport 2000, kämpfen um bessere Konditionen von den Herstellern. Und bei dieser Forderung gibt sich Roether kämpferisch. "Es wird Zeit, dass man dem Fachhandel entgegenkommt. Wer sich uns da nicht annähert, von dem werden wir uns gegebenenfalls auch trennen."

Einstweilen hat sich Intersport von Jost getrennt. Endgültig.