Die Wirtschaftsprüfung- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat in einer Studie die Einkaufsvorlieben der Deutschen untersucht. Der Handel bekommt klare Empfehlungen.

Die Handelsexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young haben mehr als 800 Verbraucher sowie Manager aus Handelsunternehmen und der Kosumgüterindustrie für die Studie "Wege zum Konsumenten" befragt.

Die großen Ketten im deutschen Einzelhandel haben danach gute Chancen ihre Marktmacht weiter auszubauen, da die Verbraucher diese Unternehmen positiv bewerten. "Attraktiv ist aus Sicht der Verbraucher auch der mittelständische Fachhandel, der sogar vor einer Renaissance stehen könnte", bilanziert Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young bei der Vorstellung der Studie.

Warenhäuser schneiden zwar in vielen Bereichen relativ schwach ab, hätten aber das Potenzial, als wichtiger Vertriebsweg bestehen zu bleiben, wenn sie ihre Stärken ausbauen, so Schommer.

Kaufhäuser agieren im Mittelmaß


Viele Verbraucher schätzen bei den Warenhäuserm insbesondere die Bekleidungsabteilungen. Die übrigen Warengruppen belegen in der Verbrauchergunst jedoch nur die hinteren Plätze. Auch in den Kategorien Preis und attraktives Angebot schneiden die Kaufhäuser im Verhältnis zum Wettbewerb nur schwach ab.

"Warenhausbetreiber müssen sich die Frage stellen, ob es ihnen noch gelingt, glaubhaft ein breites Spektrum an Konsumgütern abzudecken und als Einkaufsstätte über alle Preissegmente hinweg akzeptiert zu werden", sagte Schommer.

Konkurrierende Vertriebsformen wie der mittelständische Fachhandel seien auf Sortiments- und Preisebene vielfach klarer positioniert. "Das Kaufhaus muss sich an den Klassenbesten in den verschiedenen Warengruppen messen. Gelingt dies nicht, ist das Kaufhaus mittel- bis langfristig zum Scheitern verurteilt".

Renaissance des mittelständischen Handels


Die Verbraucher schätzen laut Ernst & Young die Vorteile des mittelständischen Handels und favorisieren ihn bei Service, Beratung, Qualität und Einkaufsatmosphäre. Für diesen Mehrwert ist die Mehrzahl der Verbraucher auch bereit, mehr zu zahlen - allerdings nur in Maßen.

Daher seien gerade im Mittelstand innovative Modelle zur Kostenreduzierung und Erhöhung der Marktpräsenz gefragt. Die Kosten werden auch von den befragten Industrie- und Handelsunternehmen (IHK) als Hauptnachteil dieser Vertriebsform angesehen. Sie trauen dem mittelständischen Handel jedoch eine Renaissance zu.

Ketten werden weiterhin eine führende Rolle spielen


"Die Deutschen lieben die Kette: Hier informieren sich die Konsumenten und kaufen am liebsten ein. Trotz der bereits hohen Verbreitung von Ketten in allen untersuchten Segmenten wünscht sich der Verbraucher weitere Ketten und höhere Präsenz", bilanziert die Studie.

Auch die IHK gehen davon aus, dass sich der Expansionsdrang der Filialisten fortsetzen und dem übrigen Handel sowie - aufgrund der mehr oder weniger ausgeprägten Eigenmarkenstrategie - auch der Markenindustrie das Leben schwer machen wird.

Markenindustrie bleibt unter Druck


Insgesamt leidet die Industrie laut Ernst & Young unverändert an der Dominanz der Großen im deutschen Einzelhandel und am fortdauernden Konzentrationsprozess. Die Einkaufsmacht der Handelskonzerne zu begrenzen, ist nach wie vor die größte Sorge der Markenartikelindustrie. Eine Stärkung des Fachhandels wird als Möglichkeit gesehen, der zunehmenden Dominanz weniger großer Handelskonzerne entgegenzuwirken.

"Für viele Warengruppen bietet sich der Markenindustrie noch die Chance, das Heft in die Hand zu nehmen", urteilt Schommer. Voraussetzung sei allerdings, dass die Markenproduzenten bereit seien, zum Beispiel für den Fachhandel ein gemeinsames Dienstleistungskonzept zu entwickeln.

Solch eine Dienstleistung wäre etwa eine einheitliche IT-Lösung von der Bestellung bis zum Kassensystem. Diese Plattform böte die Möglichkeit, Lagerhaltung und Produktion zu optimieren, sagt Schommer. Voraussetzung wäre ein besserer Datenaustausch zwischen Industrie und Einzelhandel.

Durch zukunftsfähige Kooperationsstrategien könnten Handel und Hersteller Kosten senken und nachhaltiges Wachstum erzielen. Deshalb müssen sich Industrie- und Handelsunternehmen von alten Denkmustern trennen und sich zu einer Zusammenarbeit bereit erklären.

"Shop-in-Shop"-Konzepte und Markenshops bieten Chancen


Die breite Akzeptanz der Filialisten bietet vielen Markenproduzenten die Chance, so genannte "Shop-in-Shop"-Konzepte oder Markenshops aufzubauen. Dies gilt insbesondere für die Non-Food Markenindustrie.

"Dafür müssen die meisten Markenproduzenten aber Kooperationspartner finden. Für die einen geht es darum, ein konsumentengerechtes Sortiment zu entwickeln, für die anderen, das notwendige Handels-Know-how zu erwerben oder die Finanzierung der Investitionen zu stemmen. All das fällt mit Kooperationspartnern leichter", so Schommer.

Die vollständige Studie "Der Weg zum Konsumenten" finden Sie
Foto: MyZeil
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