Dreizehn Karstadt-Filialen wurden mittlerweile geschlossen. In einigen der betroffenen Städten herrscht Ratlosigkeit, zuweilen gibt es Streit über die künftige Nutzung der Immobilie. Anderswo war die Schließung ein Segen.

Der Bau erinnert an einen Bunker, bestenfalls an ein Parkhaus: dunkelbraune, vom Wetter gezeichnete Fassade, alles blickdicht. Das Gebäude bietet keinen einladenden Anblick – schon gar nicht für ein Kaufhaus.

Kein Wunder, dass die Filiale in Kaiserslautern zu den 13 Karstadt-Häusern gehörte, die im vorigen Jahr geschlossen wurden. Wer sich in der Stadt umhört, erfährt nicht viel Gutes über diesen Standort. Der Jahresumsatz soll zuletzt bei nur noch 18 Millionen Euro gelegen haben.

Für ein Haus mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche (28.000 Quadratmeter Gesamtfläche) war das deutlich zu wenig. Denn allein für die Jahresmiete sollen 900.000 Euro aufzubringen gewesen sein. Die Kaiserslauterer berichten zudem von schlechter Beratungsqualität beim Personal – kurzum, das Haus war ein Sanierungsfall.

Kleiner ist besser

Doch wie soll es jetzt weitergehen? Genau darüber ist in Kaiserslautern ein heftiger Streit entbrannt. Im Juni vergangenen Jahres hat der Centerbetreiber ECE die Immobilie vom Highstreet-Konsortium erworben – und verfolgt seitdem große Pläne. Der Hamburger Projektentwickler will gut 140 Millionen Euro investieren und das ehemalige Karstadt-Haus in den Neubau eines Einkaufszentrums mit 28.000 Quadratmetern Verkaufsfläche integrieren.

Diese Größe brachte die Kaiserslauterer auf den Plan. Die Bürgerinitiative "Neue Mitte" formierte sich und erstellte ein eigenes Gutachten über die für die Stadt angemessene Größe eines Centers. Demnach sind 19.000 Quadratmeter Fläche für Kaiserslautern mit seinen knapp 100.000 Einwohnern ausreichend.

Die ECE kalkuliert aber mit einem Einzugsgebiet von 440.000 Menschen in der Westpfalz – und ist zudem bei der Stadtverwaltung wohl gelitten. Mitte April erging ein Ratsbeschluss, wonach das Center gebaut werden soll – mit 20.900 Quadratmeter für Einzelhandel und 2.500 Quadratmeter für Gastronomie.

Viel Einzelhandelsfläche

Die Initiative will nun dagegen einen Bürgerentscheid anstrengen – 6.000 Unterschriften sind dafür notwendig. Axel Ulmer, Rechtsanwalt und Sprecher der Neuen Mitte ist überzeugt davon, dass die Menschen für ein kleineres Center stimmen würden. Zwei Umfragen unter der Bevölkerung zieht er dafür als Beweis heran. So sieht es auch sein Mitstreiter Matthias Pallmann-Heger: "Die Leute wollen am liebsten ein gut geführtes Kaufhaus."

Eigentlich fürchtet sich Pallmann-Heger, Inhaber eines alteingesessenen Haushaltswarengeschäfts, nicht vor einem großen Center, "aber ich bin trotzdem dagegen". Er berichtet von 360.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche für ganz Kaiserslautern, "das ist für eine Stadt unserer Größe ein Spitzenwert".

Der Händler befürchtet, dass durch das neue ECE-Center manche Straßenzüge in der näheren Umgebung veröden werden, weil beispielsweise die Filialen von C&A und Strauss Innovation von der Eisenbahnstraße in die neue Mall ziehen könnten. Was soll dann dort mit rund 5.000 Quadratmetern frei werdender Fläche werden? Darüber herrscht in Kaiserslautern eine tiefe Ratlosigkeit.

Teil 2: Siechendes Marstall-Center, schöne neue Welt in Hamburg-Osdorf