Hier Kandadier, dort Thailänder: Internationale Spieler greifen nach deutschen Warenhäusern. Die Frage ist: Warum wollen sie in einen derart schwierigen Markt einsteigen?

Deutsche Warenhäuser im Interesse internationaler Investoren: Mit der Central Group aus Thailand und dem kanadischen Handelskonzern Hudsons's Bay strecken derzeit auch zwei hierzulande noch weitgehend unbekannte ausländische Unternehmen ihre Fühler ins schwierige Warenhausgeschäft aus. 2014 hatte bereits der Österreicher René Benko Karstadt übernommen.

Während sich die thailändische Gruppe über ihre italienische Tochter La Rinascente die Mehrheit an den drei Luxus-Warenhäusern des Karstadt-Eigners sichern konnte, soll Hudson's Bay nach Medienberichten den Hut in den Ring für eine Übernahme des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof geworfen haben. Interesse an Kaufhof hat allerdings auch die Benko-Holding Signa angemeldet.

Der Kaufhof-Käufer braucht eine solide Finanzierung

Beobachter rechnen damit, dass es nun schon bald zu einer Entscheidung über den seit langem erwarteten Kaufhof-Verkauf kommen könnte. Offiziell gibt sich der Mutterkonzern Metro jedoch weiter bedeckt. Noch Ende Mai hieß es lediglich, es gebe Gespräche - aber keine Ergebnisse oder Entscheidungen.

Die Hürden sind hoch: Voraussetzung für einen Verkauf sei, dass ein potenzieller Käufer einen angemessenen Preis, eine solide Finanzierung und ein schlüssiges Zukunftskonzept biete. Konkreter werde sich die Metro erst äußern, wenn alle Voraussetzungen gegeben seien. Auch zu möglichen Angeboten will man keine Stellung nehmen.

2,9 Milliarden Euro ist die aktuelle Hausnummer

Als wichtigster Konkurrent der Kanadier im Rennen um Kaufhof gilt derzeit Benko, der nach Medienberichten über sein Unternehmen Signa Retail ein Kaufangebot über 2,9 Milliarden Euro für den Rivalen abgegeben haben soll. In ähnlicher Größenordnung soll sich den Berichten zufolge auch das Angebot von Hudson's Bay bewegen.

Nach einer bereits vorliegenden ersten Offerte werde in der zweiten Juni-Hälfte mit der Vorlage eines sorgfältig ausgearbeiteten Papiers gerechnet, dass dem Metro-Vorstand dann als Entscheidungsgrundlage dienen könnte. Dies hatte die "Welt" noch in der vergangenen Woche unter Berufung auf Insider berichtet.

Wo ist die Strategie der Thailänder?

Spekulationen ranken sich laut "Handelsblatt" auch um ein Interesse der Thailänder an Kaufhof. Erst in dieser Woche war die Central Group über ihre italienische Tochter La Rinascente mit 50,1 Prozent bei Benkos Luxuswarenhaus-Gruppe eingestiegen. Die Zeitung fragte: "Hat sich Benko so einen potenziellen Rivalen im Kampf um Kaufhof geschickt zum Partner gemacht?"

Experten sehen das Feilschen um den deutschen Warenhausmarkt jedoch skeptisch. "Ich kann die zugrundeliegende Strategie nicht erkennen", sagt Handelsfachmann Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Den deutschen Markt verstehen

Die Krise der Warenhäuser in Deutschland dauere nun schon seit den 1980er Jahren an, und bislang sei noch kein durchschlagendes Rezept dagegen gefunden worden. Immerhin gelte Deutschland als schwierigster Handelsmarkt in Europa. "Manchen der ausländischen Interessenten fehlt vielleicht schlicht der historische Hintergrund", glaubt Roeb.

Allerdings geht es Tos Chirathivat offenbar gar nicht so sehr um den deutschen Markt. Der Chef der Central-Group hatte einmal der "Financial Times" gesagt, dass er mit seinen Luxuskaufhäusern in Europa vor allem auf Touristen ziele. "Wir sind nicht wegen der Europäer in Europa", lautet seine Vision.

"Dass internationale Handelsunternehmen auf den deutschen Warenhausmarkt schielen, ist eine neue Entwicklung", sagt Niklas Reinecke vom Marktanalyse-Unternehmen Planet Retail. Wenn ein ausländisches Unternehmen jedoch Expertise mitbringe, sei das Geschäft nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Derzeit sei die Lage jedoch noch sehr undurchsichtig. "Das Warenhaus-Thema ist höchst brisant. Da passiert vieles hinter verschlossenen Türen", vermutet Reinecke.