Einer der interessantesten Beiträge auf der Tagung Handelsinformationssysteme 2000 war der des Ex-boo.com- Deutschland-Geschäftsführer Christoph Vilanek. Er nannte die Gründe für das Scheitern des Internet-Textilhändlers.

Einer der interessantesten Beiträge auf der Tagung Handelsinformationssysteme 2000 am 30. und 31. Mai war der des Ex-boo.com- Deutschland-Geschäftsführer Christoph Vilanek. Er nannte die Gründe für das Scheitern des Internet-Textilhändlers.

"Von der Erfolgsgeschichte zur Pleiten-Story" könnte man das Intermezzo des "coolen" Sportartikel-Anbieters im Internet umschreiben. Das Vorzeige-Unternehmen der New Economy, Boo.com, ein Online-Händler von Mode und Sportbekleidung, ist nach nur einem halben Jahr gescheitert. Auch für die deutsche Tochtergesellschaft von Boo.com, die Vilanek führte, wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Sichtlich enttäuscht über das Aus von Boo.com, schilderte Vilanek offen die Gründe, die aus seiner Sicht für das Desaster verantwortlich waren. Zum Beispiel die Technik (Flash 3.0), die einen zu langsamen Aufbau der Web-Seiten bewirkte und nicht spiegelungsfähig war. Als dann die Technik - "ein bisschen" - umgestellt wurde, waren die Effekte nicht die gewünschten. Eine komplett neue Technik hätte nach Meinung Vilaneks eingeführt werden müssen. Stichwort Werbung: Erst wurde zu wenig gemacht und dann sehr teure Volumenverträge mit Yahoo! und Spray abgeschlossen.

Organisatorisch wurden auch zu viele Kardinalfehler begangen. Aus der Notwendigkeit heraus, Mitarbeiter für das Projekt zu finden, wurden auch Kandidaten verpflichtet, die den Anforderungen nicht gewachsen waren und kaum Erfahrungen hatten. Eine extreme Fluktuation war die Folge. Vilanek: "Die meisten Startups haben keine Berufserfahrung. Das ist höchst gefährlich. Denn das Geschäft über das Internet benötigt wie das stationäre Geschäft Branchen- und Fach-Know-how." Kurz: Es fehlte an Management-Qualität.

Dies ist nur eine kleine Auswahl an gravierenden Fehlern, die das Projekt Boo.com scheitern ließen. Gleichwohl zeigte sich Vilanek überzeugt, dass die Internet-Firma Zukunft gehabt hätte, wenn man aus den Fehlern gelernt hätte - und die Geldgeber nicht den Hahn zugedreht hätten. Vilanek blieb auch als Erkenntnis, dass im Internet-Verkauf Strukturen, Prozesse und Marketing wie im realen Geschäftsleben praktiziert werden müsse: "Online muss ein Tante-Emma-Ladensystem wie im Offline-Bereich umgesetzt werden."

In Münster wurde den über 300 Teilnehmern ein Überblick der neuesten Entwicklungen aus erster Hand gegeben. Die HIS 2000 feierte darüber hinaus zwei Meilensteine der Handels(informationssystem)forschung: Der Lehrstuhl für Distribution und Handel an der Universität Münster, dem das Institut für Handelsmanagement angegliedert ist, beging seinen 25. Geburtstag und das Institut für Wirtschaftsinformatik feierte 10jähriges Jubiläum.

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