Stationäre Händler müssen längst nicht mehr zuschauen, wie die digitale Welt und damit der Kunde an ihnen vorbeirauscht. Wie sich stationäres Geschäft und Internet gewinnbringend verheiraten lassen, darüber ist die Branche nicht einig. Doch einige Lösungen zeigen die Richtung auf.
Zuallererst natürlich an der Kasse: Multifunktionell muss sie sein, um mit der Moderne Schritt zu halten. Zum Beispiel müssen Kassen Coupons (ob auf Papier oder auf dem Smartphone) verarbeiten können, Telefonkarten aufladen oder kontaktlose Zah-lungsvorgänge abwickeln. Zudem dienen Kassen inzwischen nicht nur als Schnittstelle zum Kunden, sondern übermitteln der Zentrale auch, was sich gerade in den Filialen abspielt – möglichst in „Echtzeit“, sodass schnell reagiert werden kann, damit beispielsweise keine Regallücke droht.

Der Beitrag erschien zuerst in <a target="_blank" href="https://www.derhandel.de/news/issue/pages/show.php?id=10416">"Der Handel" Ausgabe 03/2014</a>
Der Beitrag erschien zuerst in "Der Handel" Ausgabe 03/2014
„Vor allem das Thema Multichannel stellt zusätzliche Anforderungen an die Kasse“, berichtete Ulrich Spaan, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter IT beim EHI Retail Institute, bei der Vorstellung der Studie „Kassensysteme 2014“ auf der EuroShop. „Sei es die Abfrage nach online verfügbaren Produkten, der Umtausch oder die Retoure von online gekauften Artikeln oder aber die Identifizierung des Kunden, der frei zwischen den verschiedenen Kanälen des Händ-lers wechselt – auf die Kasse kommen eine Vielzahl an neuen Aufgaben zu.“

QR-Codes werden demnach im Handel künftig weit verbreitet sein und für unterschiedliche Funktionen genutzt werden: 40 Prozent der vom EHI befragten Filialisten planen, QR-Codes in der Filiale mit dem eigenen Onlineshop zu verknüpfen. Mobile Payment – das Bezahlen mit dem Smartphone – bieten bereits 24 Prozent der befragten Handelsunternehmen an, künftig soll diese Zahlmöglichkeit sogar bei 81 Prozent möglich sein.

„Auf Nachfrage stellte sich allerdings heraus, dass die meisten Händler vorbereitet sein wollen, wenn sich mobiles Bezahlen durchsetzt. Das heißt noch lange nicht, dass es auch bald kommt“, erläuterte Spaan. „Da warten alle Händler erst einmal die Kundenakzeptanz ab.“

Bei Edel-Optics ersetzen iPad-Terminals mit einer selbst entwickelten Benutzeroberfläche Regale für die Präsentation der Produkte (Foto: Edel Optics)
Bei Edel-Optics ersetzen iPad-Terminals mit einer selbst entwickelten Benutzeroberfläche Regale für die Präsentation der Produkte (Foto: Edel Optics)


Auch im Ladenbau ist die Technik ein wichtiges Thema, zum Beispiel investieren Händler verstärkt in energieeffiziente Beleuchtungssysteme. Außerdem gibt es einen Trend zu einer flexibleren Gestaltung von Angeboten und Vertriebsformaten – je nach Standort oder je nach individuellem Bedarf des Kunden, also ob der Kunde einen „Erlebniskauf“ oder einen Versorgungskauf tätigt.

„Als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre sehen Händler daher die Integration von Online- und stationärem Geschäft zu einem funktionierenden Multichannel-Konzept, das dem Kunden ein einheitliches Markenerlebnis über alle Kanäle bietet“, berichtete Claudia Horbert, beim EHI Leiterin des Forschungsbereichs Ladenbau und Einrichtung. „Für die Einrichtungslieferanten bedeutet dies, dass auch sie ihr Leistungsportfolio stärker als bisher auf ihre Kunden zuschneiden müssen. Denn die Händler erwarten, von ihnen regelmäßig über technische Entwicklungen und neue Materialien, Produkte und Verfahren informiert zu werden.“

Ausgezeichnete Konzepte

Auf der Messe Euro-Shop zeichnete das EHI Retail Institute zum 7. Mal die Gewinner der retail technology awards europe (reta) aus, jeweils drei in drei Kategorien.

In der Kategorie „Best Customer Experience“ wurden Edeka und Netto Marken-Discount (Projektpartner: Valuephone, Deutsche Post Zahlungsdienste) für ihre App, die Mobile Payment und Mobile Couponing vereint, ausgezeichnet.

Der Optiker Edel Optics (Projektpartner: Novel Media, evolvem media-lab) erhielt den Preis für die ideale Verbindung der stationären mit der Onlinewelt. Kunden wählen an iPads aus 10.000 Modellen ihre favorisierten Brillen aus, die daraufhin zur Anprobe aus dem Lager geholt werden.

Der „Humanic Avatar“ von Leder und Schuh (Projektpartner: Wincor Nixdorf, Online Software AG) scannt die Füße der Kunden in der Filiale und gleicht das 3-D-Abbild des Fußes mit dem 3-D-Abbild des Schuh-Innenraums ab. Das spart dem Kunden aufwendige Anproben und senkt die Retourenquote bei Onlinebestellungen.



In der Kategorie „Best In-store Solution“ wurde das QR-Code basierte Last-Minute-Shopping direkt an den Abfluggates des Frankfurter Flug-hafens des Duty-Free-Anbieters Gebr. Heinemann (Projektpartner: Poresy, hmmh, Fraport) ausgezeichnet.

Preiswürdig erschien dem EHI auch die digitale Preisauszeichnung von Media-Saturn in den Niederlanden (Projektpartner: Pricer).

Gucci (Projektpartner: MicroStrategy) wurde für zwei Applikationen für das iPad ausgezeichnet, die auf einer Datenbasis beruhen, aber einerseits den Store-Manager und andererseits das Verkaufspersonal unterstützen.

In der Kategorie „Best Enterprise Solution“ erhielt Adler Modemärkte (Projektpartner: Tailorit, SysPro, nedap, Sato) den reta für seinen Einsatz von RFID in den Filialen.

Kaufland begeisterte die Jury mit einer automatischen Disposition für Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht haben.

Die Verbundgruppe Sagaflor (Projektpartner: ComSol) erhielt die Auszeichnung, weil die Mitgliedsunternehmen in ein innovatives Warenwirtschaftssystem eingebunden wurden.