Die mfi will in ihren Centern neuerdings ein "multisensorisches Einkaufserlebnis" bieten. Dafür wurde für die Häuser ein 4-Sterne-Konzept entwickelt. Die Pasing Arcaden wurden als erstes Objekt nach diesen Kriterien neu gestaltet.

Es gibt eine Lounge nur für Männer, Baby-Wickelräume, in denen Trickfilme laufen und eine Aufladestation für Elektro-Fahrräder. Eigentlich jede Menge Gimmicks, die mit einem klassischen Einkaufszentrum nichts mehr zu tun haben. Die Pasing Arcaden im Münchner Westen sollen vielmehr ein "multisensorisches Einkaufserlebnis" bieten, wie es Karl Reinitzhuber formuliert, Geschäftsführer des Centerbetreibers mfi.

Am Mittwoch wurden die neu gestalteten Pasing Arcaden der Öffentlichkeit vorgestellt. "4-Sterne-Shoppingcenter" nennt die mfi ihr neues Konzept, das erkennen lässt, dass das Unternehmen seit vorigem Jahr zum Konzern Unibail-Rodamco gehört. Und die Franzosen geben eine andere Richtung bei der Entwicklung von Centern vor. Deren Ansatz sei sehr marketing- und kundenorientiert, sagt mfi-Chef Reinitzhuber. Europaweit erfüllen bereits 14 der 85 Unibail-Objekte den 4-Sterne-Anspruch - die Pasing Arcaden sind das erste deutsche.

Regenwasser und Erdwärme

Rund eine Million Euro hat mfi investiert, um das Haus in Pasing aufzuwerten. Ziel: eine Rundumwohlfühlatmosphäre für den Kunden. Das beginnt beim freundlich gestalteten Parkhaus, es gibt übersichtliche Wegweiser, komfortable Toiletten, kostenloses W-Lan im ganzen Center - und ein Kinderkino. Auch ökologische Aspekte finden Beachtung: Regenwasser wird genauso genutzt wie Erdwärme.

Damit der allgemeine Wohlfühlanspruch auch von den Mietern umgesetzt wird, lässt mfi sogar deren Mitarbeiter entsprechend trainieren. "Es geht hier nicht um Verkaufsschulung", betont Reinitzhuber im Gespräch mit Der Handel. "Wir wollen vielmehr eine Durchgängigkeit bei der Kundenfreundlichkeit herstellen."

Dieses Premiumkonzept ist die Anwort der mfi auf das schier ungebremste Wachstum des Onlinehandels, der ja auch immer mehr das Geschäftsmodell der Centerbetreiber bedroht. Das EHI Retail Institut schreibt, dass der große Boom der Shopping-Center vorbei zu sein scheint – lediglich 7 neue Objekte wurden 2013 eröffnet. Damit gibt es in Deutschland rund 460 großflächige Center mit einer Gesamtfläche von rund 14,4 Millionen Quadratmetern Fläche.

Zeit für kreative Lösungen

Das Institut sieht dabei einen Trend: Die Center müssen immer mehr kreative Lösungen bieten.  Reinitzhuber versteht sein 4-Sterne-Konzept als Antwort auf diese neuen Marktgegebenheiten. "Wir sind überzeugt, dass wir damit der Gewinner der veränderten Handelslandschaft sind", sagt der mfi-Chef. Denn die Mieter würden künftig dort hingehen, wo die Kunden ein großes Einkaufserlebnis haben.

Und dieses Erlebnis wird abgerundet durch eine neue Gewichtung des Gastronomieanteils der Center, der in Deutschland noch bei 6 bis 8 Prozent der Gesamtfläche liegt. Unibail-Rodamco-Häuser haben bereits deutlich größere Gastrobereiche, das wird sich auch auf mfi-Center auswirken. Reinitzhuber prognostiziert künftig gar bis zu 15 Prozent Fläche für Restaurants.

Ziel der mfi ist jetzt, alle Center zu 4-Sterne-Häusern zu machen, jährlich sollen drei Objekte das neue Prädikat erhalten, sagt Reinitzhuber. Nach den Pasing Aracden sollen der Bochumer Ruhrpark sowie das sich noch im Bau befindliche Minto in Mönchengladbach folgen.

Steffen Gerth, München