Da kann man schon mal frustriert sein. Die Hitze draußen, die Hitze des Wettbewerbs. Erst recht, wenn Zalando die angekündigten und zuweilen belächelt erwarteten 25 Prozent Wachstum toppt und 35 Prozent daraus macht. Und dann noch all die Webshops, die einem als vorbildhafte Lösung gereicht werden. Da kann Abkühlung ganz gut sein. Da kann ein Blick gut tun auf jene in E-Commerce und Digital-Marketing, die es ganz besonders schlecht machen, dem Kunden ganz besonders umständlich oder einfach nur ganz besonders billig und hässlich oder unfreundlich gemacht sind.

Wenn die Tour der France nicht mehr läuft, dann geht der Newsletter der Tour-Boutique boutique.letour.fr vermutlich trotzdem weiter. Alle Abbestellversuche scheitern kläglich. Ein bisschen fühlt man sich dabei wie bei einem der zahllosen erfolglosen Ausreißversuch. Man wird vom Spam immer wieder eingeholt.

Apropo Spam. Wichtiger Erfolgsparamater dafür, wie erfolgreich Werbung bei WhatsApp sein kann: Spam. Läuft!



Vorgetäuschte Orgasmen? Passiert einem selbst nie. Vorgetäuschte  Kundenbewertungen? Passiert einem selbst auch nie. Die über 40.000 Kundenbewertungen für Kondome bei Eis.de dürfen wir aber trotzdem etwas orgiastisch finden. Liegt vielleicht aber auch an der regen Kundschaft. Und: Für jeden Erfahrungsbericht erhalten Kunden einen 25-Cent-Warengutschein. Ein Nischenhändler wie Amazon kommt beim Top-Produkt Billy Boy übrigens gerade mal auf ein paar hundert Bewertungen.  Eiserne Regel im Digital-Marketing: Zu schöne Bewertung wirken immer zu gut um wahr zu sein. Deshalb sind Onlinehändler in der Regel froh, wenn ihre Kundenzufriedenheit bei 99,9 Prozent liegt. 100 Prozent - das glaubt kein Mensch, selbst dann nicht, wenn es stimmt.



Irgendjemand muss consultenswelt.com erzählt haben, dass E-Mail-Marketing im Jahr 2015 keine Farbe, keine Gestaltungselemente verträgt.  Text pur. Die 80er Jahre haben angerufen und wollen ihr ungefragt zugestelltes Mailing zurück haben.

Aus der gleichen Quelle scheint www.consult-lab-b2b.com zu kommen, von denen man gleichfalls mit langweiliger Werbung zugemüllt wird. Dann aber mit einer Website belohnt wird, wie man sie heute nie für möglich halten würde, die aber in den Zeiten der Akustikkoppler noch ohne Würgen betrachtet wurde. heute aber taugt sie nur noch als Beleg dafür, dass man B2B-Commerce am besten vorsorglich immer bei der Design-Polizei anzeigt.

Aber auch Profis sind nicht perfekt. Psychologisches Basiswissen tritt Pearl mit Füßen: Nämlich, dass eine endlose Auswahl auf der Startseite den Besucher überfordert, zig wechselnde noch dazu kleinpixelige Schriften für Chaos sorgen.
Genau die richtige Optik für all jene, die beim Anblick der Bauanleitung für den „Large Hadron Collider“ des CERN in Genf sagen: „Na, das ist ja einfach.“  





Gerüchte besagen, dass Ikea eigentlich nur versehentlich Möbel verkauft und in erster Linie eine Restaurantkette ist, die unaussprechliche schwedische Frikadellen los werden muss. Dem Konzept nähert sich dieser Händler mit seinem Opener-Bild auf der Startseite. Wie der Name "Möbelland" verrät, handelt es sich um eine bekannte Frühstückskette im Taunus.

Möbelhandel in der Region. Das Klischee besagt, dass alle Preise im Laden Durchstreich-Preise sind. Möbel Roller übersetzt das auf der Produktseite als Realsatire ins Web.  Gelernt ist eben gelernt. Übrigens auch vom Kunden. Der denkt sofort, dass man ihn für doof verkaufen will.

Wenn Sie bei Möbel Mahler ein tolles Sofa auf dem Feature-Foto der Kategorie Polstermöbel (aber nicht nur dort) entdecken, dann haben Sie ein Problem. Kein Name, kein Link. Durchsuchen wird gefordert. Das klappt aber nur, wenn Sie wissen, dass Sie in diesem Fall nach einer "Polsterecke" suchen, die dann eine „Couchecke ist.  Wenn Ihnen der Unterschied klar ist, gehören Sie zu der beneidenswerten Spezies, die gerne ihre Tage in Möbelhäusern verbringt oder zum Spaß Keywords auswendig lernt.

Teppiche finden Sie toll? Dann bitte, das ist ernst gemeint, schauen Sie bei Habbi Shaw herein. Ein regional verhafteter Webshop, der sich noch Betriebsferien gönnt. Das ist heutzutage ganz schön antiquiert, oder fast schon wieder sympathisch.



dmexco, die Digitalmesse schlechthin. Beim mobilen Auftritt fällt einem da sofort der Schuster und seine Schuhe ein. Oder wollen Sie etwa wirklich als erstes wissen, welcher Verband dort die Fahne hoch hält? Für das kostenlose Ticket braucht es bei der mobilen Anmeldung übrigens 13 Pflichtangaben. Experten wissen eben, was Leads wert sind. Was übrigens dazu geführt hat, dass ich mich grundsätzlich nie dort akkreditiere* - weil ich sonst in den Wochen vor dem Kölner Event von jeder, okay von 99,9 Prozent aller PR-Agenturen angerufen werde, die in Köln einen Stand betreut.  (*Nein. Denken Sie nicht mal dran. Ich mache grundsätzlich auch keine Termine auf Anfrage).

Nummer 12 fehlt? Genau. Jetzt sind Sie an der Reihe: Welche Webshop-Sünde stößt Ihnen besonders auf?