Besorgnis bei Verdi, Optimismus bei Handelsexperten. So unterschiedlich wird der Einstieg von Signa bei Karstadt bewertet. Die Höhe der Investitionen wird als gerade noch ausreichend eingestuft.

Karstadt; Foto: Crescenti
Karstadt; Foto: Crescenti
Der überraschende Teilverkauf des Warenhauskonzerns Karstadt
an die österreichische Signa-Gruppe sorgt für Alarmstimmung bei den Beschäftigten. "Diese Übertragung bedeutet faktisch die Zerschlagung des Unternehmens", sagte der Karstadt-Aufsichtsrat und Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Arno Peukes, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Investor Nicolas Berggruen habe sein Wort gebrochen, Karstadt als Ganzes zu erhalten.

Peukes kritisierte, bisher fehle noch jede Transparenz, was die neuen Pläne für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeute und ob dadurch Arbeitsplätze in Gefahr seien. Ziel von Verdi sei es deshalb nun, bei den anstehenden Tarifgesprächen einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag durchzusetzen. Die Beschäftigten bei Karstadt lebten jetzt seit zehn Jahren in ständiger Unsicherheit, klagte Peukes. "Das Wesentliche ist jetzt, dass die klare Botschaft kommt: Eure Arbeitsplätze bleiben erhalten", verlangte er.

Stefanie Nutzenberger, Verdi-Vorstandsmitglied für den Handel, kündigte an, dass Verdi und die Karstadt-Tarifkommission über diese Themen ab der kommenden Woche ohnehin mit dem Unternehmen verhandeln würden.

"300 Millionen Euro sind das Minimum"

Bei Handelsexperten stieß der Coup von Nicolas Berggruen dagegen auf Zustimmung. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sagte der dpa, er sehe in dem Teilverkauf der Luxuskaufhäuser und der Sporthäuser sogar die "letzte Chance für Karstadt". Die nun angekündigten Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro halte er für "das Minimum, was man braucht, um die Warenhäuser wieder auf die Spur zu bringen". Allerdings sei ungewiss, ob der Betrag wirklich ausreiche.

Auch Manfred Hunkemöller aus der Geschäftsführung des Kölner Instituts für Handelsforschung sprach von einer "sinnvollen Maßnahme", wenn das Geld in die verbleibenden Karstadt-Häuser investiert werde. Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sprach im Westdeutschen Rundfunk von einem "schlauen Deal". Die Warenhäuser bekämen dadurch die Möglichkeit, sich neu auszurichten, sagte der Professor. Doch gebe es bei dem Geschäft "noch sehr viel mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen".

Zeit für neue Konzepte

Auch der Handelsexperte Gerd Hessert sieht durch den Signa-Einstieg nur Vorteile für allen Parteien Vorteile. "Die Karstadt-Filialen bekommen durch die Finanzspritze Zeit, bis die neuen Konzepte greifen", sagte Hessert dem Berliner "Tagesspiegel". Hessert hatte früher selbst bei Karstadt und Hertie leitende Managementfunktionen inne und lehrt heute an der Universität Leipzig Handelsmanagement.

Im Gespräch mit derhandel.de hatte Hessert vor einiger Zeit betont, dass eine Fusion von Karstadt mit dem großen Konkurrenten Kaufhof überfällig sei. Zudem hält er viele Standorte beider Unternehmen für unrentabel. "Ich bin mir sicher, dass die beiden Warenhauskonzerne sich schon längst von viel mehr Standorten getrennt hätten, wenn es denn rechtlich und ökonomisch möglich wäre."

Wie hoch Investitionen des deutschen Handels in den Ladenbau insgesamt ausfallen, hat das EHI Retail Institute ermittelt. Demnach gaben die Unternehmen im Jahr 2012 allein für die Ladeneinrichtung 1,72 Milliarden Euro aus und lagen damit um 320 Millionen Euro höher als im Vergleichsjahr 2009.

Berggruen zahlt ein Viertel

Karstadt-Eigentümer Berggruen hatte am Montag mitgeteilt, dass er die Mehrheit an zwei Filetstücken des Essener Konzerns an die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko verkaufen wolle. Der Österreicher hält damit künftig 75,1 Prozent der Anteile an den drei Karstadt-Edelkaufhäusern - KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg - und an den 28 Sporthäusern des Konzerns.

Allerdings müssen die Wettbewerbshüter noch zustimmen. Beim Bundeskartellamt war am Dienstagvormittag noch keine Anmeldung des Verkaufs eingegangen. Signa ist schon heute der mit Abstand größte Vermieter von Karstadt-Immobilien.

Es fließe kein Kaufpreis an Berggruen Holdings, teilte das Unternehmen des Deutsch-Amerikaners gleichzeitig mit. Stattdessen würden im Rahmen der Transaktion 300 Millionen Euro in die Standorte und die Modernisierung von Karstadt investiert. Nach Informationen des "Handelsblattes" sollen drei Viertel der Summe von Benko, ein Viertel von Alt-Besitzer Berggruen stammen.

/ges