Es gibt mittlerweile viel Kritik an Hertie: Der Insolvenzverwalter tadelt den Eigentümer für dessen absurde Renditeforderungen. Und der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung Unfähigkeit vor.

Der Hertie-Gesamtbetriebsrat sieht trotz der angekündigten Filialschließungen Chancen für ein Weiterbestehen der insolventen Warenhauskette. Das dem Gesamtbetriebsrat vorgelegte Fortführungskonzept für insgesamt 54 Filialen sei umsetzbar und erfolgversprechend, teilte der Gesamtbetriebsrat am Mittwoch in Köln mit.

"Wir gehen von einer positiven Ertragsentwicklung bereits nach dem ersten Geschäftsjahr aus, wenn uns die Chance zur Umsetzung gegeben wird", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Bernd Horn, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Es gebe ernsthafte Investoren, die ein Interesse an der Weiterführung der Filialen hätten. "Dazu muss aber vorher die Miet- und Immobilienfrage geklärt werden", sagte Horn. Die durchschnittlichen Miethöhen von 15 bis rund 23 Prozent vom Umsatz seien absolut unüblich und total überhöht".

7.000 Mitarbeiter betroffen

Von einer gänzlichen Schließung wären mit insgesamt rund 7.000 Arbeitnehmern weit mehr Menschen betroffen als das doppelte der eigentlichen Mitarbeiterzahl von derzeit rund 3.400, so Horn weiter.

Er verwies auf die vielen Dienstleister und Mitarbeiter der Lieferanten. "Lasst Hertie nicht sterben", appellierte der Gesamtbetriebsrat. "Es wäre ein Sterben ohne Not denn es gibt eine echte Chance für das Warenhaus in der Nachbarschaft das ist das Fazit aller seriösen Analysen."

Lob für den vorläufigen Insolvenzverwalter

Das Gremium warf dem Hertie-Management "Missmanagement" und "Unfähigkeit" vor. Nicht zuletzt sei die Belegschaft auch ein Opfer der Finanzspekulationen und der damit ausgelösten Wirtschaftskrise geworden, so Horn weiter.

Der Gesamtbetriebsrat lobte die Arbeit des vorläufigen Insolvenzverwalters Biner Bähr. Er habe das getan, was bereits unter Karstadt, spätestens aber von der Hertie Geschäftsführung selbst hätte erledigt werden müssen -  "nämlich eine realistische Untersuchung der Standorte und deren Wirtschaftlichkeit durchzuführen".

Ultimatum für den Eigentümer

Bähr stellt dem britischen Eigentümer Dawnay Day ein Ultimatum bis Ende Februar für Gespräche über die Rettung der Kaufhäuser. "Danach muss ich nach Abschluss eines Interessenausgleichs Hertie schweren Herzens komplett schließen", sagte der Insolvenzspezialist am Mittwoch in Essen.

Lesen Sie hier: Wer ist Dawnay Day?

Überhöhte Mietforderungen der ihrerseits insolventen Dawnay-Day-Gruppe seien die Hauptursache für die Hertie- Insolvenz. Der Investor war 2005 in die Warenhauskette eingestiegen.

"Das ist nicht zu erwirtschaften

Dawnay Day verlange 20 Prozent des Umsatzes an Miete und in einigen Häusern sogar mehr, sagte Bähr. "Das ist unter keinen Umständen von keinem Kaufhaus zu erwirtschaften." Marktgerecht seien um die fünf Prozent. Auf die Frage, ob
Dawnay Day eine schreckliche Heuschrecke sei, antwortete Bähr: "Normalerweise nehme ich das Wort nicht in den Mund, aber diesmal ausnahmsweise: Ja."

Nach Einschätzung Bährs müssen 19 der 73 Hertie- Kaufhäuser in Deutschland auf jeden Fall geschlossen werden. In diesen Häusern beginne der Ausverkauf Anfang Februar, für die 650 Mitarbeiter gebe es einen Sozialplan.

Die anderen 54 Häuser seien dauerhaft überlebensfähig, wenn die Miete auf einen marktgerechten Wert gesenkt werde. "Eine Hand voll" Investoren für diese 54 Häuser stünden bereit. Voraussetzung für ihr Engagement sei aber die Mietsenkung. Auch das Land NRW habe Hilfe in Aussicht gestellt, falls die Miete gesenkt und ein Investor gefunden sei.