Nach 13 Jahren präsentiert die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen wieder einen neuen Transporter. Der sieht fast aus wie der alte, soll die gewerbliche Kundschaft aber mit zahlreichen technischen Neuerungen überzeugen.

Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Am Stammsitz in Hannover trommelte Eckhard Scholz, Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte zunächst die gesamte Belegschaft, immerhin rund 12.000 Mitarbeiter, zum "Modellbriefing" zusammen. Unter der Sonne Granadas testeten die Händler aus ganz Europa die neue Fahrzeuggeneration - mehr als 300 Fahrzeuge standen dazu bereit. Und die internationalen Fachjournalisten feierten erst die Caddy-Weltpremiere an der polnischen Fertigungsstätte in Poznan und dann das Transporter-Debüt in Amsterdam, ehe es noch nach Marseille und Stockholm zur jeweiligen Probefahrt ging.

An diesem Freitag ist es nun soweit: Volkswagen Nutzfahrzeuge schickt seine wichtigsten Modelle in die Verkaufsräume und natürlich ist die Erwartung riesengroß. "Die Lager sind ziemlich leer, unsere Vertriebspartner freuen sich auf die neuen Produkte", verkündet Scholz. Kein Wunder, nach einer gefühlten Ewigkeit. 13 Jahre lang musste die fünfte Transporter-Generation durchhalten, ehe jetzt die Ablösung kommt.

Evolution statt Revolution

Dabei trägt der Modellwechsel eher evolutionäre Züge. Wie der Caddy (siehe Der Handel 6/2015) so ist auch die größere Baureihe im Kern ganz die alte geblieben. Nur geübte Betrachter werden die neue Frontpartie auf Anhieb erkennen. Alle weiteren Abmessungen sind identisch geblieben. Und das hat auch seinen Grund, wie Eckhard Scholz erläutert: "Unsere Nutzfahrzeuge-Kunden setzen gerne auf Bewährtes und zum anderen können alle Auf- und Ausbauten sowie entsprechendes Zubehör weiter verwendet werden. Das spart angesichts der Komplexität in diesem Bereich Kosten für alle Beteiligten."

So müssen sich Fuhrparkleiter schon auf Detailsuche begeben, um die "70 Prozent" an  Neuheiten zu entdecken - und werden vor allem beim Blick unter die Motorhaube fündig. Sechs ganz neue Aggregate stehen für den Multivan wahlweise zur Verfügung, darunter vier Diesel mit 62 kW/84 PS, 75 kW/102 PS, 110 kW/150 PS und 150 kW/204 PS. Die seien um bis zu 15 Prozent sparsamer und deutlich leiser als ihre Vorgänger, versichert Scholz. Beim Kastenwagen (Preise ab 23.035 Euro ohne Mehrwertsteuer) reicht die Palette bis 132 kW/180 PS.

Assistenzsysteme aus dem Pkw-Baukasten

Zweite auffällige Neuerung ist das Armaturenbrett mit vielen "alten Bekannten" aus dem Pkw-Baukasten des Konzerns und etlichen Assistenzsystemen. Warum der große Wagen aber mit einem kleineren Navigationsbildschirm als beispielsweise im Golf ausgestattet wurde, erklärt sich bestenfalls beim Transporter. Der Multivan, der in gehobener Ausstattung preislich in die Oberklasse vorstößt, hätte hier fraglos mehr Innovation und Flair verdient. Mercedes-Benz hat mit der Einführung der V-Klasse im vergangenen Jahr schließlich die Maßstäbe gesetzt.

"Sicher hat der Wettbewerb ordentliche Produkte, aber wir leiden darunter nicht. Unser Fahrzeug ist weniger modisch, dafür funktionaler und bodenständiger. Im Nutzfahrzeugbereich sind wir in allen Kriterien besser", kontert Scholz mit dem Selbstbewusstsein des Marktführers.

Mehr als 500 Varianten stehen zur Wahl

Insgesamt stünden mit unterschiedlichen Radständen und Aufbauhöhen mehr als 500 Varianten zur Wahl. Die seien ab Herbst dann auch alle verfügbar. Schließlich wird in diesen Tagen die Produktion im Stammwerk Hannover auf 710 Fahrzeuge pro Tag hochgefahren und Markenvorstand Eckhard Scholz will mit dem Betriebsrat noch einige Wochenendzusatzschichten vereinbaren.

Bernd Nusser