Ein Jahr nach dem Start von SEPA macht sich Ernüchterung breit. Doch das Rennen um den europäischen Kartenmarkt gewinnt an Fahrt.

Langsam wächst zusammen, was bislang noch nicht so recht zusammenpassen will: Bis zum Jahr 2011 sollen nach dem Willen der EU-Kommission europaweit einheitliche Regeln für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen gelten.

Am 28. Januar 2009 feiert die Single Euro Payments Area (SEPA) ihren ersten Geburtstag. Bis Ende 2011 sollen nach dem Willen der EU-Kommission im SEPA-Raum einheitliche Regeln für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen gelten.

Ein Überweisungs-, Lastschrift- und Kartenverfahren für Europa

In der Praxis erweist sich die geplante Harmonisierung der bargeldlosen Zahlungsverfahren in 27 EU-Mitgliedstaaten plus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz allerdings als komplexes und vielleicht auch aussichtsloses Projekt.

Das zeigt sich bereits bei der im Januar 2008 eingeführten SEPA-Überweisung. Nur wenige Unternehmen nutzen die neue Europa-Überweisung mit internationaler Kontonummer (IBAN) und Bankleitzahl (BIC). Zu aufwendig ist die Umstellung der IT-Prozesse, zu gering der Nutzen.

Zum November 2009 soll nun im zweiten Schritt mit der Einführung der SEPA-Lastschrift das nächste Zahlungsverfahren vereinheitlicht werden. Für den deutschen Einzelhandel ist dieser Einigungsprozess besonders relevant, da auch die Zukunft des elektronischen Lastschriftverfahrens (ELV) bei Kartenzahlungen davon tangiert ist.

„Aufwendige Mandatierungen oder Vorlauffristen bei der Einreichung von Lastschriften sind für den Handel nicht akzeptabel", kritisierte Peter Radtke, Leiter Finanzen der Rewe-Gruppe, jüngst auf dem Kongress Payment World 2008 in Wiesbaden. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, befürchtet gar, dass einige Banken das ungeliebte ELV-Verfahren unter dem Deckmantel der europäischen Harmonisierung zu Grabe tragen möchten.

Die SEPA-Karten

Das dritte Zahlungsmittel, das im Zuge von SEPA harmonisiert werden soll, ist die Kartenzahlung: „Jede Karte muss europaweit an jedem Terminal einsetzbar sein", heißt die Vorgabe der Politik. Im SEPA-Zahlungsraum werden laut EZB-Statistik rund 73 Milliarden Kartentransaktionen im Jahr abgewickelt - kein Wunder, dass ein munterer Wettstreit um diesen aussichtsreichen Markt entbrannt ist. Aktuell treten fünf Akteure auf den Plan, um sich ihren Anteil am paneuropäischen Kartenmarkt zu sichern:

Girocard/EAPS

Als Allianz der bestehenden Debitkartenverfahren geht die Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS) ins Rennen. Nationale Kartenzahlungssysteme aus sechs europäischen Ländern haben sich zusammengeschlossen, um die eigenen Verfahren in das SEPA-Zeitalter hinüberzuretten. Das deutsche EC-Cash-System gehört unter seinem neuen Namen „Girocard" zu den Initiatoren der Gemeinschaft. Grundsätzlich mit an Bord sind Debitkartenverfahren aus Spanien, Italien, Portugal und Großbritannien - teilweise jedoch nur mit ihrem Geldautomatensystem. Für den deutschen Einzelhandel würde sich mit der EAPS nicht viel verändern, die Umstellung auf die technischen Voraussetzung sind in Deutschland bereits im vollen Gange. Fraglich ist allerdings ob die Allianz groß genug wird, um jedes Terminal und jede Karte in Europa zu erreichen.

Die Monnet-Initiative

Ebenfalls aus dem Kreis der europäischen Banken soll unter dem Namen „Monnet" ein völlig neues Debitkartenverfahren etabliert werden. „Wir wollen die letzte Meile zusammen mit dem Handel entwickeln", erläutert Petra Stange, Director Commercial Cards bei der Deutschen Bank, im Gespräch mit Der Handel. Gemeinsam mit den französischen Banken arbeiten Postbank, West LB, LBBW, DZ Bank und Deutsche Bank daran, ein europäisches, SEPA-konformes Kartenverfahren ins Leben zu rufen. Bevor es richtig losgeht, soll das Konzept in den nächsten Wochen erst einmal der EU-Kommission vorgestellt werden, um grünes Licht für die Entwicklungsphase aus Brüssel zu erhalten.

V PAY von Visa

Ein ganzes Stück weiter ist die Kreditkartenorganisation Visa, die mit ihrem Debitprodukt V PAY im SEPA-Kartenmarkt mitmischen will. Gut 41 Millionen „V PAY"-Karten sollen in den nächsten Monaten in neun Ländern ausgegeben werden. „In Deutschland werden es bis Ende 2009 rund 16 Millionen Karten sein - in Kooperation mit Girocard", sagt Ottmar Bloching, Deutschland-Chef von Visa Europe. Noch gibt es hierzulande allerdings erhebliche Akzeptanzprobleme: Thales-Hybrid-Terminals und Geräte älteren Semesters verweigern die Annahme der Karten unter electronic cash oder ELV. „Diese Probleme werden bis Juli 2009 flächendeckend behoben sein", versichert Bloching gegenüber Der Handel.

PayFair für den Handel

Unabhängig von Banken und Kreditkartenorganisationen tritt die Initiative PayFair an. „Heute sind die Banken die größten Kartenherausgeber in Europa, natürlich unterstützen sie das teuerste System", erläutert Dominique Buysschaert, Gründer und Chef von PayFair. Sein Unternehmen will über die Händler in den Kartenmarkt eindringen. „Rund 70 Prozent aller Kartenzahlungen finden bei den Top-Ten-Händlern Europas statt." Ein erster Pilotversuch für das unabhängige Kartenverfahren soll in Belgien starten.

Maestro von Mastercard

Die Kreditkartenorganisation Mastercard ist mit ihrem Maestro-Verfahren schon dort angekommen, wo die Mitstreiter hinwollen. Mehr als 260 Millionen Debitkarten mit dem Maestro-Zeichen sind in Europa im Umlauf, in Deutschland prangt das Logo auf rund 90 Millionen EC-Karten als Co-Branding. Doch an der Marktmacht von Maestro zeigt sich auch, welche Gefahr ein dominierendes Kartenverfahren für Handel und Banken mit sich bringt. In Großbritannien und der Schweiz schockte Mastercard den Handel mit einer drastischen Gebührenerhöhung für Maestro-Transaktionen. Die europäischen Banken waren ihrerseits wenig begeistert, als die Amerikaner dem Handel Ende 2006 niedrigere SEPA-Gebühren in Aussicht stellten - auf Kosten der kartenausgebenden Kreditinstitute.
Ein Wettbewerb unter den Kartenverfahren scheint vor diesem Hintergrund für alle Beteiligten in Europa wünschenswert.

Hanno Bender
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/09 von Der Handel erschienen