In Deutschland gibt es immer weniger Plattenläden. Dafür ist Vinyl wieder im Kommen. 60 Jahre nach ihrer Einführung erlebt die schwarze Scheibe ein kleines Comeback.

Vinyl ist authentischer, es ist "bewusstes Musik hören": Man schaut sich das Cover an, zieht vorsichtig die schwarzglänzende Platte aus ihrer quadratischen Hülle, legt ehrfürchtig die Scheibe auf den Plattenspieler und hört aktiv zu. Aufstehen, umdrehen, keine Fernbedienung, das ist Glück. Glück in Form von 30 Zentimeter Durchmesser.

Doch dieses Glück ist an immer weniger Orten zu finden.

Immer weniger Musikläden

In ganz Deutschland machen Musikläden dicht. Wurden vor wenigen Jahren noch Schallplatten durch CDs zurückgedrängt, verschwinden nun auch die Auslagen mit den silbernen Compact Discs.

Dieses Vakuum durch Downloads aus dem Internet und großen Elektromärkte, die den Fachgeschäften den Garaus machen, ist schon lange zu erkennen.

Treue Kundschaft

In Frankfurt am Main gibt es beispielsweise noch fünf Plattenläden. Michael Baumann, Inhaber des Plattenladens "n°2-records" ist sich zwar sicher, dass die Schallplatte niemals ganz verschwinden wird, glaubt aber nicht so richtig daran, dass Vinyl wieder im Kommen ist.

"Mein Kundenstamm ist treu", sagt er. "Den Laden gibt es seit 25 Jahren, und es läuft weiter." Mit dem Verkauf von Vinyl-Platten ist das Überleben jedoch kaum zu sichern. Baumann setzt zusätzlich auf den Verkauf von CDs, DVDs und Textilien.

Vinyl ist wieder in

Thomas Glück, Inhaber des „Musikladens" in der Berliner Straße in Frankfurt, glaubt nicht daran, dass Vinyl stirbt. Im Gegenteil: "Die Branche ist im Kommen." Doch "audiophile Kunden", wie er sie nennt, gibt es wenige.

Meist sind es junge Leute, die anders sein wollen als die Masse und etwas in der Hand haben wollen, oder Sammler und Nostalgiker. Deshalb, so sagt er, sei der Vinylmarkt immer noch stark. Während in den 90ern die Verkaufszahlen für die Analog-Platten stark rückläufig waren, seiVinyl heute wieder in.

Die Schallplatte ist kein Selbstläufer

Die Zahlen erzählen jedoch eine andere Geschichte: Die Musik-Sparte trug im vorigen Jahr mit nur noch 3,6 Prozent zum Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels bei. Damit hat sich der Anteil innerhalb von sechs Jahren mehr als halbiert.

"Ein Grund dafür ist das Unverständnis der Verbraucher, für Musik zu bezahlen", sagt Daniel Knöll vom Bundesverband der Musikindustrie in Berlin. Thomas Glück macht dafür auch eine Mentalität der Bequemlichkeit verantwortlich: "Ein Problem ist die mangelnde Kooperation zwischen Herstellern, dem Radio und Plattenläden. Die glauben, es laufe alles von selbst."

90 Prozent seiner Kunden sind Stammkunden, Geld für Werbung hat er kaum und die Deko wird auch nicht gestellt, sagt Glück - die bezahlt er aus eigener Tasche. Auch was das angeht, setzt er auf eine engere Kooperation mit Herstellern. "Hier könnte viel mehr getan werden. Die Schallplatte ist nun mal kein Selbstläufer", sagt er.

"Man braucht Zeit"

Glück ist seit über 30 Jahren im Geschäft. Plattenläden dürfen nicht verschwinden, betont der Kaufmann. "Die Leute, die heute noch Vinyl kaufen, schätzen den präzisen Klang. 20 Prozent des Gesamtumsatzes wird mit dem Verkauf von Vinyl erzielt. Die CD wird immer noch zu 70 Prozent verkauft. Weil es praktischer ist. Die restlichen 10 Prozent kommen durch den Verkauf von DVDs zustande."

"Um in einen Plattenladen zu gehen, braucht man Zeit. Um sich die Platte zu Hause anzuhören, braucht man auch Zeit; das kann man nicht nebenbei machen", betont Glück. „Ich hoffe, dass sich bald wieder mehr Menschen diese Zeit nehmen. Wehret den Anfängen!"

Robert Dubrow