Axel Ulmer hat als Rechtsanwalt und Aktivist gegen ein neues Center in Kaiserslautern gestritten. Den Kampf hat er verloren, die ECE darf die Einkaufsgalerie bauen. Trotzdem verbucht Ulmer einen Erfolg für sich.

Rechtsanwalt Ulmer, Foto: Alexander Heimann
Rechtsanwalt Ulmer, Foto: Alexander Heimann
Herr Ulmer, am Donnerstag hat das Oberverwaltungsgericht Koblenz die Klage von Ihnen vertretenen Anliegern gegen die Stadt Kaiserslautern abgewiesen. Das geplante Einkaufszentrum "K in Lautern" darf vom Projektentwickler ECE gebaut werden. Fühlen Sie sich jetzt als großer Verlierer in diesem jahrelangen Streit?

Wenn man einen Prozess beginnt, dann muss man auch damit rechnen, dass man ihn verliert. Die Justiz ist kein Wunschkonzert.

Was sind das für Anlieger, die Sie vertreten haben?

Immobilieneigentümer, deren Betroffenheit durch das neue Center vom Gericht anerkannt wurde. Sie haben auch Einzelhändler als Mieter.

Verloren haben Sie an zwei Fronten, denn beim Bürgerentscheid im Oktober 2011 votierten 66 Prozent der Kaiserslauterner für die Einkaufsgalerie. Hat Ihre Initiative "Neue Mitte" letztlich den falschen Kampf geführt?
Verlierer sind nicht wir, sondern die Bürger der Stadt. Erstens haben wird dafür gesorgt, dass die Menschen in Kaiserslautern überhaupt über so eine Angelegenheit entscheiden durften. Das haben wir ja gegen die Widerstände der Stadtverwaltung durchgesetzt. Zweitens sahen die ersten Pläne der ECE vor, hier ein Center mit 28.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zu bauen, plus Gastronomie, wohlgemerkt. Nun sind es nur noch 20.900 Quadratmeter.

Diese Reduzierung schreiben Sie sich auf Ihre Fahnen?
So ist es, ganz verloren haben wir nun auch nicht. Dieser Erfolg ist der Bürgerinitiative zuzurechnen, was man gerne vergisst. Es gab eine Umfrage in der Zeitung "Rheinpfalz", wonach die Bürger eindeutig die kleinere Variante unterstützen wollten. Doch die Stimmung in der Stadt wurde dann mit falschen Argumenten von der ECE gedreht. So wurde damit gedroht, dass es in Kaiserslautern ohne ein neues Center nur noch Stillstand gäbe.

Können Sie mit den rund 21.000 Quadratmetern für geplante 100 Läden nun leben? Sie hatten andere Größenvorstellungen für die Galerie, in die das ehemalige Karstadt-Haus integriert werden soll.
Können nicht, aber wir müssen. Wir hatten Gutachten erstellen lassen mit der Erkenntnis, dass die Stadt nur ein Center mit maximal 16.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verträgt. Mehr ist nach unserer Sicht auch nicht zulässig. Was jetzt in Koblenz beschlossen wurde, ist der Todesstoß für die Innenstadt von Kaiserslautern. Das werden die politisch Verantwortlichen in fünf Jahren auch merken - sofern diese Leute dann noch das Sagen haben.

Die Innenstadt von Kaiserslautern ist nicht gerade ein Juwel. Kann ein neues Center nicht auch für eine Belebung des Einzelhandels sorgen?
Kein Händler verschließt sich einer Entwicklung der Stadt, aber diese Chance wurde verpasst. 2006, als Kaiserslautern Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft war, wurde ein Heidengeld ausgegeben für die Renovierung der Innenstadt. Ein Jahr später gab es dann Gutachten darüber, wie unattraktiv die City trotzdem noch ist. Wofür dann die ganzen Investitionen?

Was fehlt denn?
Aus meiner Sicht gar nichts, von den großen Filialisten sind eigentlich alle vertreten. Gewiss, wir haben ein paar Lücken im Sortiment, beispielsweise wäre ein zweiter Herrenausstatter schön. Aber diese Lücken hätten auch durch eine kleinere Centervariante geschlossen werden können. Andererseits muss man auch die unterirdisch schlechte Kaufkraft (Indexwert 89, Anm. d. Red) und die hohe Arbeitslosigkeit von Kaiserslautern berücksichtigen. Die Stadt macht seit 20 Jahren einen Strukturwandel durch von einer Arbeiter- zu einer Universitätsstadt.

Die ECE verspricht aber durch die Galerie eine bessere Anbindung mit der City verweist auf gute Beispiele der Innenstädte durch neue Center, wie etwa in Braunschweig und Karlsruhe. Auch Leverkusener Händler sind nicht unzufrieden mit der Rathaus-Galerie.
Wie gesagt, wir haben hier ein strukturelles Problem. Und daran kann eine Mall nichts ändern. Bezüge zu den oben genannten Städten sind nicht passend. Für ein höherwertiges Sortiment benötigt man eine Nachfrage, und hier schneidet Kaiserslautern im Vergleich zu anderen Städten schlecht ab. Die Westpfalz ist kein Paradies, sondern eine strukturschwache Region. Schön, aber arm.

Bei der Galerie ging es aber doch nicht nur um Kaiserslautern. War nicht von einem Einzugsgebiet mit 400.000 Menschen die Rede?
So steht es im städtischen Gutachten, ja. Aber auch in Homburg (42 Kilometer von Kaiserslautern entfernt, Anm. d. Red) will die ECE ein neues Center bauen, ein paar Kilometer folgen dann schon Neunkirchen und Saarbrücken mit Einkaufsmöglichkeiten - woher sollen all die Menschen kommen? Ob die Rechnung mit dem Einzugsgebiet aufgeht, wage ich mehr als zu bezweifeln.

Interview: Steffen Gerth