Langsam läuft das Weihnachtsgeschäft so, wie sich es die Händler erträumt haben. Zumindest in einigen Städten. Generell kommen die Kunden in diesem Jahr erst spät vor dem Fest in Kauflaune.

Etwas widersprüchlich ist die Nachrichtenlage schon. Wenige Tage vor Heiligabend ist immer noch nichtd von dem erwarteten guten Weihnachtsgeschäft zu spüren. Zumindest, wenn man die Zwischenbilanz des Handelverbandes Deutschland (HDE) auswertet. Immerhin sei in den großen Städten die Kundenfrequenz weiterhin gut - aber die Umsätze in der Woche vor dem vierten Advent hätten lediglich leicht über denen der letzten beiden Wochen gelegen.

Doch die Meldungen aus den Städten klingen anders. "Es kann immer etwas mehr sein, aber für uns läuft des derzeit hervorragend", sagte Hansjörg Pointecker, Leiter der Nürnberger Karstadt-Filiale, den "Nürnberger Nachrichten". Zwar laufe auch hier warme Winterkleidung nicht gut.

Dafür seien mit Uhren, Schmuck und Parfüms hervorragende Umsätze erzielt worden. Auch teuere Kaffeeautomaten stünden bei den Kunden hoch im Kurs.

Es gibt Textilhändler, die nicht klagen

Im benachbarten Anson's Herrenhaus wird nicht einmal über das allgemeine Klagen des Textilhandels eingestimmt. Geschäftsführer Thilo Höhne berichtet von guten Absätzen von Schals und Strickpullovern. Der Verkauf von Jacken und Mänteln dagegen laufe weniger gut, aber hier setzt Höhne auf die nächsten Werktage.

Auch aus Mannheim werden gute Zahlen gemeldet. "Die vierte Adventswoche war in diesem Jahr die umsatzstärkste Woche im Weihnachtsgeschäft", sagte Oliver Seifert, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nordbaden dem "Mannheimer Morgen". Allerdings sei fraglich, ob die guten Umsätze des Vorjahres erreicht wurden. Im nahen Heidelberg hat der Handel von einer "Shoppingnacht" profitiert.

"Der Knoten ist geplatzt"

Doch nicht nur in Metropolen jubeln Händler. Und immer wieder sind es die Geschäftsführer von Warenhäusern, wie der Kaufhof-Chef von Münster. "Man merkt, die Geschenklaune ist da", sagte Jörg Pantenburg zur "Ahlener Zeitung". Bei Peek & Cloppenburg sei gar der dritte Adventssamstag besser gewesen als der vierte.

Der Münsteraner Karstadt-Filialleiter dagegen sprach wiederum davon, dass am zurückliegenden Wochenende bei den Kunden "der Knoten geplatzt ist". Sein Warenhaus habe "exzellente Umsätze" erzielt.

Der Schwabe kauft Flachbildfernseher

Im schwäbischen Künzelsau wird ebenfalls nicht geklagt. "Jetzt sind wir wirklich drin im Weihnachtsgeschäft", versicherte Bärbel Häussermann, Vorsitzende der Werbegemeinschaft, zur "Heilbronner Stimme". Die Spielwarenhändlerin hat besonders Klassiker wie Legobausteine, Carrera-Rennbahnen und Lern- und Gesellschaftsspiele gut verkaufen können. Ihre Feststellung: "Das Weihnachtsgeschäft verlagert sich immer mehr in die letzten beiden Wochen vor dem Fest."

Es wundert daher nicht, wenn auch der Verkaufsleiter des örtlichen Euronics-Marktes vom "bisher besten Samstag" spricht. "Im Moment gehen Flachbildfernseher gut", sagte Klaus Geiger der "Heilbronner Stimme".

Durchbruch in Krefeld

Der Krefelder Sportartikelhändler Winfried Borgmann bezeichnete im Gespräch mit der "Rheinischen Post" den Samstag gar als "Durchbruch im Weihnachtsgeschäft". Noch fulminanter fällt die Bilanz von Body-Shop-Filialleiterin Claudia an Mey-Büren aus: "Das war ein Wahnsinnstag." Ähnlich muss es auch in der Krefelder Thalia-Filiale zugegangen sein. Denn Leiterin Manuela Hagen spricht davon, dass die Kunden gekauft hätten, "als ob es nächste Woche nichts mehr geben würde." Sogar der Freitag, an dem der Sturm auch durch Krefeld gefegt ist, sei bereits gut gelaufen.

Die zunehmende Verlagerung des Weihnachtsgeschäfts in die unmittelbaren Tage vor dem Fest beobachtet auch der HDE. "Bis Weihnachten bleiben noch sechs Verkaufstage. Der Kalender wird uns dieses Jahr ein besonders starkes Last-Minute-Geschäft bringen", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Händler sähen aber auch der Woche zwischen Weihnachten und Silvester mit großen Erwartungen entgegen.

Online-Handel mit neuen Rekorden

Von Rekordumsätzen berichtet der HDE im Online-Handel. Der Verband rechne in diesem Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatz in Höhe von 6,5 Milliarden Euro im Internet, nach 5,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

Online-Verkäufe machen allerdings nur einen Bruchteil des gesamten Handelsgeschehens aus. Der HDE hatte für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 1,5 Prozent auf 78 Milliarden Euro prognostiziert. Laut einer Umfrage von von ibi Research und Der Handel im Auftrag von Mastercard rechnen 56 Prozent der befragten Webshopbetreiber mit steigenden Umsätzen im Weihnachtsgeschäft.