2010 wird der "DataBar" eingeführt. Der neue Streifencode ist deutlich kleiner als der klassische Barcode, fasst aber mehr Informationen.

Das Geburtstagskind wurde ausgiebig gelobt: "Ein paar Striche, die die Welt verändert haben. Kaum eine technologische Innovation hat die Wirtschaft so nachhaltig beeinflusst wie der Barcode, schwärmte Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany, noch bei der Jubiläumsfeier der Europäischen Artikelnummer (EAN) im vergangenen Jahr.

Mit der Begeisterung liegt er nicht ganz falsch. Denn seit der erste Barcode hierzulande auf eine Verpackung gedruckt wurde - im Übrigen auf eine Gewürzmischung der Firma Gebr. Wichartz aus Wuppertal - hat sich der Standard, auf den sich 1977 elf europäische Länder geeinigt hatten, ganz gut behauptet: Heute nutzen diese "Strichliste" in Deutschland rund 130.000 Unternehmen, weltweit sollen es rund eine Million sein, heißt es bei der deutschen Lizenzvergabestelle GS1 Germany.

Komplexe Welt

Doch die Welt wird komplexer, und der Klassiker stößt an seine Grenzen: Er kann "nur" eine 13-stellige EAN speichern und ist zudem vergleichsweise groß. "Vor allem im Frischebereich sind noch weitere Informationen wichtig", sagt Sabine Kläser, Projektmanagerin EAN-Standards bei GS1 Germany. "Bei manchen Produkten benötigt man an der Kasse weitere Informationen wie Stückzahl, Gewicht oder Preis." Darüber hinaus sind beispielsweise Äpfel so klein, dass der klassische Barcode dort keinen Platz findet.

Scannertauglich

Um den Händlern allzu große Kosten für die Umrüstung, etwa der Kassen, zu ersparen, suchten die Barcode-Hüter nach einer Codierungsmöglichkeit, die auf dem EAN-System aufbaut - also von Scannern gelesen werden kann, aber doch kompakt ist und gleichzeitig mehr Informationen speichern kann. Fündig wurden die Entwickler im eigenen Hause bei dem sogenannten GS1-Datenbezeichnerkonzept RSS: "Das ist zwar noch nicht an der Kasse, aber in anderen Anwendungen Standard", so die Produktmanagerin.

Das Ergebnis: Der neue GS1 "DataBar" ist bei gleicher Datenmenge bis zu 60 Prozent kleiner als der bisherige Barcode "Bei Bedarf können auf gleichem Platz mehr Informationen als auf dem EAN-Code verschlüsselt werden, und zwar bis zu 74 Zeichen", erläutert Sabine Kläser.

Das eröffnet ihrer Meinung nach ganz neue Möglichkeiten: "Zum Beispiel können Zusatzinformationen wie das Mindesthaltbarkeitsdatum oder das einheitliche Handling von Gutscheinen mit Seriennummern oder Gutscheinwert gescannt werden." Auch im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit und das Category Management versprechen sich die Standardverschlüsseler von dem kleinen Bruder des Barcodes so einiges.

Testkarten

Vom 1. Januar 2010 an sollten alle Kassensysteme auf der Welt in der Lage sein, den DataBar mit den Zusatzinformationen zu lesen. "Als Faustformel gilt, dass alle Scanner, die seit 1998 auf dem Markt sind, den DataBar lesen können", sagt die Projektmanagerin. Damit der Händler seine Scannersysteme auf ihre Tauglichkeit überprüfen kann, hat GS1 Informationspakete mit Testkarten für den Einzelhandel entwickelt, die man per E-Mail unter Klaeser@gs1-germany.de anfordern kann.

"So kann man jetzt schon mal schauen, ob die Systeme kompatibel sind", rät Sabine Kläser. "Falls nicht, hat man noch Zeit, den Hersteller zu kontaktieren." Aber oft genüge es schon, in der Kassensoftware ein entsprechendes Kästchen zu aktivieren, wie die Barcode-Expertin beobachtet hat.