Noch immer ist die wahre Ursache für den Rückruf von rund 300.000 Kreditkarten ungeklärt. Regressforderungen der Banken weist der Visa-Deutschland-Chef zurück.  

Wer für die Datenpanne verantwortlich ist, die deutsche Banken aller Institutsgruppen zum Rückruf von rund 300.000 Kreditkarten veranlasste, ist weiterhin offen. "Einige Dinge kommen uns nach wie vor 'spanisch' vor, deswegen dauern die Untersuchungen an", erklärte Ottmar Bloching, Deutschland-Chef von Visa Europe, im Interview mit dem Handelsblatt.

Man habe bei Betrugsfällen eine Reihe von Anomalien entdeckt, deren kleinster gemeinsamer Nenner ein Prozessor in Spanien gewesen sei. Forensische Untersuchungen vor Ort hätten aber bislang zu keinem Ergebnis geführt. "Der Prozessor ist für uns bislang weder schuldig noch unschuldig", so Bloching. "Er ist der einzige, bei dem nach unserem bisherigen Kenntnisstand alles zusammenlief".

Keinen Beweis für einen Datenabgriff

Zu den Schadensersatzforderungen der deutschen Banken gegenüber Visa und Mastercard erklärte Bloching dem Handelsblatt: "Stand heute haben wir keinen Beweis für einen Datenabgriff." Wenn es sich herausstellen sollte, dass es tatsächlich ein Datenleck gegeben habe, wären die spanischen Händlerbanken haftbar, in deren Auftrag der Prozessor tätig ist.

Aus Sicht von Visa gibt es bislang nur eine Vorsichtswarnung. "Ob eine Bank auf dieser Basis die Karten austausche, liegt in ihrer Verantwortung", so der Visa Manager, der sich als erster hochrangiger Vertreter einer der beiden betroffenen Kartenorganisationen öffentlich zur Wort meldete.

Nur eine Vorsichtswarnung herausgegeben

Visa-Chef Ottmar Bloching äußert sich zum Datenskandal. (Foto: Visa)
Visa-Chef Ottmar Bloching äußert sich zum Datenskandal. (Foto: Visa)
Bloching machte in dem Zeitungsinterview deutlich, dass er die Reaktionen auf die Sicherheitsmeldung der Banken für überzogen hält: "Bereits in der Vergangenheit hat es Vorsichtswarnungen gegeben. Deswegen waren jetzt alle etwas überrascht, welch hohe Wellen die Vorsichtswarnung diesmal in Deutschland geschlagen hat".

Noch deutlicher wurde Bloching im Interview mit der morgen erscheinenden "Welt am Sonntag" (WamS). Er sehe keinen Grund, sich an den bei der Austauschaktion entstandenen Kosten zu beteiligen, wird der Visa-Chef zitiert. „Wir haben nie behauptet, dass wirklich Daten abgegriffen wurden".

Zum Thema Magnetstreifen und EMV-Sicherheit hatte sich Ottmar Bloching bereits vor mehreren Wochen im Interview mit Der Handel geäußert und darauf hingewiesen, dass der zunehmende Missbrauch mit Kartendubletten für die kartenausgebenden Banken eine immer größere Rolle auch im Debitkartenbereich - also bei den EC-Karten - spiele.

Banken kritisieren Sicherheitsniveau in Spanien

Die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) vertretenen deutschen Banken hatten am Donnerstag in einem Schreiben an Visa und Mastercard, Entschädigungen für die Rückrufaktionen gefordert.

Es sei nicht hinnehmbar, sowohl materiell als auch imagemäßig für die Versäumnisse Dritter, am internationalen Kreditkartensystem Beteiligter in anderen Ländern einstehen zu müssen, formulierte der ZKA sinngemäß in einem Schreiben an die beiden Kreditkartenorganisationen, das dem Handelsblatt zugespielt wurde.

Der Geschäftsführende Vorstand des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Bernd Fiesler, fordert in der morgigen WamS eine Kostenbeteiligung von Mastercard und Visa. Allein innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe sei ein Schaden von mehr als einer Million Euro entstanden.