Der Deichmann-Direktor Björn Gulden gilt als Kandidat für den Vorstandsvorsitz beim Hamburger SV. Doch die Schuhkette dementiert das Interesse des Fußballvereins an ihrem Spitzenmanager.

Die amüsanteste Darstellung dieser Personalie bot die "Hamburger Morgenpost": "Schuhverkäufer soll neuer HSV-Chef werden", titelte gestern das Boulevardblatt. Björn Gulden als Schuhverkäufer zu bezeichnen, ist gewagt. Der 45 Jahre alte Norweger ist einer von sechs Geschäftsführenden Direktoren bei Europas größter Schuhhandelskette Deichmann.

Doch derzeit steht sein Name nicht in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen - sondern auf den Sportseiten. Der Einzelhandelsmanager soll nach Medienberichten neuer Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sportvereins werden. Dem bisherigen Vereinschef Bernd Hoffmann hatte der Aufsichtsrat am Sonntag das Vertrauen verweigert. Sein zum 31. Dezember dieses Jahres auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Hoffmann steht als Symbol für die Krise des Fußball-Bundesligavereins, ab dem 1. Januar 2012 soll es sein Nachfolger besser machen.

Profi in Nürnberg

Dass nun ausgerechnet ein Mann aus dem Einzelhandel den Traditionsclub auf Vordermann bringen soll, ist auf ersten Blick überraschend. Auf den zweiten Blick nicht. Denn Gulden bringt Fußballerfahrung mit: Als Berufsspieler stand der Norweger in den achtziger Jahren unter anderem beim damaligen Zweitligaclub 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Seit 2000 arbeitet er für Deichmann.

Die Schuhkette dementiert freilich jedwedes Interesse des HSV an einem ihrer Spitzenmanager. "Es gibt kein Angebot, außerdem steht Gulden bei uns unter Vertrag", sagt Deichmann-Sprecher Ulrich Effing zu derhandel.de

Doch gesetzt den Fall, der Verein würde um den Norweger buhlen - von Deichmann wäre trotzdem vorerst keine andere Erklärung zu erwarten. Denn diese Personalie wäre nicht einfach ein Arbeitgeberwechsel einer Führungskraft innerhalb einer Branche - hier liegt vielmehr ein hohes öffentliches Interesse vor. Zudem müssten sich Deichmann, der HSV und Gulden um die Auflösung des Arbeitsvertrages kümmern (angeblich ist das nur zum Jahr 2012 möglich) - das könnte für den Bundesligaclub kostspielig werden.

"Lame duck"

Außerdem ist es nicht realistisch, dass jemand, der zu einem Profi-Fußballverein wechseln wird, bis dahin in aller Ruhe seinen Job bei einem Handelsunternehmen ausführt. Er wäre vielmehr eine "Lame duck". Also müsste Gulden so schnell wie möglich Deichmann verlassen - und das Unternehmen wiederum einen Nachfolger finden.

Dass der Name Gulden mit dem HSV in Zusammenhang gebracht wird erschließt sich schnell, wenn man weiß, wer der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins ist: Alexander Otto, Chef des Projektentwicklers ECE. Das Hamburger Unternehmen betreibt in Europa 132 Einkaufszentren - in denen auch Deichmannfilialen zu finden sind.