Die elektronische Demokratie scheint nicht so richtig in die Gänge zu kommen. Dieser Meinung sind zumindest die Betreiber des "Tower of Power".

Die elektronische Demokratie scheint nicht so richtig in die Gänge zu kommen. Dieser Meinung sind zumindest die Betreiber des "Tower of Power". Das virtuelle Forum ist Teil von Metropolis, einer virtuellen Stadt im Internet, und soll Usern die Möglichkeit bieten, via E-Mail direkt mit den deutschen Bundestagsabgeordneten in Kontakt zu treten. Künstler Hermann Josef Hack hatte sich von dieser direkten Ansprache erhofft, dass vor allem junge Menschen ihre Berührungsängste gegenüber der Politik überwinden würden. Bisher fiel der Dialog zwischen Bürgern und Volksvertretern jedoch eher spärlich aus. Um den Nutzern diese Möglichkeit der Kommunikation zusätzlich zu erleichtern, wird jetzt nachgebessert. Hack hat mit einigen Textbausteinen ein Briefformular entwickelt, damit die Nutzer nur noch Ihr Anliegen eintragen müssen, um den Volksvertretern Fragen oder Meinungen zu übermitteln.

Seit neun Monaten bewohnen Menschen aus ganz Deutschland den Tower of Power. Nach Angaben von Metropolis haben sich inzwischen mehr als 8.800 Bürgerinnen und Bürger über dem Plenarsaal und den Schreibtischen der Bundestagsabgeordneten ein virtuelles Zimmer eingerichtet, in dem sie ihre persönliche Haltung zur Demokratie und ihre Erwartungen an die Politiker, aber auch Wünsche an ihre Nachbarn, kundtun können. Alle 669 Abgeordnete sind direkt aus dem Wolkenkratzer der Demokratie per E-Mail erreichbar.

Hack hatte im Oktober 2000 unter Beteiligung einiger Bundestagsabgeordneter verschiedener Fraktionen mit der Internet-Gemeinde Metropolis und deren knapp 1,3 Mio. registrierten Mitgliedern das virtuelle Hochhaus über dem Parlament eröffnet. Den Politikern will er damit anbieten, auch im Cyberspace Bürgernähe zu erleben und die neuen Möglichkeiten des Informationszeitalters im Sinne der Demokratie auszuprobieren. Hack: "Auch und gerade auf der Datenautobahn muss gelten: Wir sind das Volk." Bislang müssten die engagierten Bürger des virtuellen Hochhauses allerdings feststellen, dass die Abgeordneten entgegen ihren Ankündigungen in puncto Bürgernähe den elektronischen Kontakt zu ihrem Souverän eher meiden.

Hack hatte alle 669 Abgeordneten per E-Mail eingeladen, sich mit den Bürgern in den Foren und Online Chats zu unterhalten. "Bis auf Antworten von Rita Süßmuth, Rainer Eppelmann, Cem Özdemir, Grietje Bettin und einigen jungen Nachwuchspolitikern habe ich überhaupt keine Reaktionen erhalten. Mit dem neuen Briefformular allein können wir keine Besserung seitens der Politiker erwarten," schätzt Hack die Lage ein, "allerdings mögen viele Mandatsträger in Anbetracht des bevorstehenden Wahljahres ins Grübeln geraten, wenn sie auf einmal häufiger elektronische Post von ihren politischen Auftraggebern erhalten. Auf Dauer werden sie sich den Anfragen nicht entziehen können. Es wäre schlimm, wenn die elektronische Demokratie nicht aus dieser Einbahnstraße herauskäme." (ST)


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