Der Wohnaccessoire-Anbieter Depot hat sein neues Logistiklager in Niedernberg eingeweiht und damit den Grundstein für die weitere Expansion gelegt.

Mehr Stahl verbaut als im Eiffelturm steckt, eine Million Kubikmeter umbauter Raum, Platz für 111.000 Paletten im Hochregallager. Das neue Verteilzentrum der Gries Deco Company (GDC) am Firmensitz in Niedernberg bei Aschaffenburg kann mit allerlei beeindruckenden Zahlen aufwarten.

Künftig werden die 400 Filialen des Wohnaccessoire-Anbieters Depot in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem neuen Logistikzentrum in Bayern beliefert. Von den bislang 18 Außenlagern werden 15 in das zentrale Lager nach Niedernberg verlegt. In Spitzenzeiten sollen bis zu 5.500 Paletten das Kommissionierlager verlassen.

Moderner Einzelhandel braucht schnelle Logistik

"Wir haben jetzt die Voraussetzung für das Wachstum von morgen geschaffen und sind dem Wettbewerb weit voraus", sagte GDC-Geschäftsführer Christian Gries bei der Einweihungsfeier am gestrigen Donnerstag. "Der moderne Einzelhandel braucht mehr denn je eine schnelle und schlanke Logistik", betonte Gries, der das Familienunternehmen in der dritten Generation führt.

120 Millionen Euro wurden in das "VZ Greenfield" investiert. Der Generalunternehmer Swisslog stellte das Bauwerk in 19 Monaten fertig. "57 Mannjahre beanspruchte die Planungs- und Bauzeit", erklärte Hans Ziegler, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Swisslog Holding AG. "Das schönste Lager der Welt steht nun in Bayern", schwärmte Ziegler, der Auftraggeber habe höchste Ansprüche an das Design gestellt.

Beim Mehrheitseigentümer von Depot, dem Schweizer Handelskonzern Migros, stieß dieser Anspruch freilich zunächst auf Skepsis: "Als Herr Gries uns die Entwürfe der Fassaden gezeigt hat, haben wir uns zunächst gefragt: 'Können wir uns das leisten?'", scherzte Herbert Bollinger, Präsident der Generaldirektion im Migros-Genossenschafts-Bund (MGB). Man habe dann aber gesehen, dass nicht alles was schön ist, auch teuer sein muss.

Migros: "Können wir uns das leisten?"

Bei der Migros kenne man die Bedeutung einer funktionierenden Logistik aus leidvoller Erfahrung: "Bei einem unserer Tochterunternehmen hatten wir einen falschen IT-Partner ausgewählt, die Logistik brach zusammen, leere Regale und falsche Bestandsdaten waren die Folge. Das Unternehmen brauchte drei Jahe, um sich von dieser Katastrophe zu erholen", berichtete Bollinger.

Mit dem neuen Verteilzentrum in Niedernberg sei nun das Rückgrat für einen großen Erfolg geschaffen, nun müsse der Vertrieb wieder dafür sorgen, dass die Logistiker ins Schwitzen kommen, so der Schweizer.

Depot-Chef Gries lobte die Migros als starken Partner und Investor mit Handelsexpertise, der Unterstützung biete, aber auch ausreichend unternehmerischen Freiraum gewähre. Der 41-Jährige blickt auf Erfahrungen mit Finanzinvestoren wie der Private-Equity-Gesellschaft 3i und Dawnay Day zurück.

Betrieb im halbautomatischen Caddypick-System

Das neue Verteilzentrum arbeitet derzeit mit einer Auslastung von 30 Prozent, bis zum 9. September soll der Betrieb stufenweise auf "Volllastbetrieb" hochgefahren werden.

Mit einem halbautomatischen System des Logistikspezialisten Swisslog wird dort gearbeitet. 120 sogenannte "Caddypick"-Schienenfahrzeuge fahren dabei durch das mehrstöckige Regallager und informieren die Lagerarbeiter auf einem Bildschirm darüber, welche Ware auf die Paletten geräumt werden soll. "Mann zur Ware", nennt man in der Logistikbranche diese Systematik.

"Bei einem vollautomatischen System müssten 300 verschiedene Parameter wie Höhe, Tiefe, Breite, Gewicht, Stapelbarkeit und so weiter zur Bestückung der Paletten erfasst werden. Im halbautomatischen System sind nur 30 Parameter erforderlich", schildert Martin Kötter, Leiter Logistik bei der GDC.

Rund 500.000 Ersatzteile hält man in Niedernberg vor, etwa die 20.000 Euro teuren Greifwerkzeuge für die Roboter, die die Caddys mit Paletten bestücken. Der Warenfluss soll schließlich nicht durch die Lieferzeiten für Ersatzteilen unterbrochen werden. "Zu Ostern nutzt uns der Weihnachtsmann nichts mehr", weiß Kötter.

Die Logistik des Onlineshops von Depot wird vom Dienstleister Mundo durchgeführt, der von Niedernberg aus wie eine Filiale versorgt wird. Der Anteil des Wepshops am Gesamtumsatz des Unternehmens liege derzeit bei rund 10 Prozent. Wenn dieser Anteil weiter wachsen sollte, werde man prüfen, ob man die Logistik für den Shop wieder in die eigenen Hände nehme, so Kötter.

Die beiden Gebäude des neuen Logistikzentrums in Niedernberg sind so angelegt, dass ihre Kapazität durch Anbauten um rund 80 Prozent erweitert werden kann. Christian Gries will Depot zu einer europäischen Marke machen und hat noch viel vor. 

Hanno Bender
 

Eine Bildergalerie zum neuen Depot-Logistikzentrum "VZ Greenfield" finden Sie hier.